
Textauswahl
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Von der Lust an
den Psalmen Ps 1
Psalmbrücke
Komm, uns zur Rettung
(Ps 80,3)
Lied der Zeitenfülle
(Ps 150)
Herr, öffne mir die Augen
(Ps 119, 18)
Ein Psalmenlied dem Herrn (Ps 148)
Pretiosen aus Psalm 37
Öffne mir die Augen
(Ps 119,18)
Die Ur-Kunde der Gründung
Wie der Hirsch lechzt nach frischem
Wasser - Ps 42, 2f
Psalm 91
Psalm 24
...wie dem Adler ... (Ps 103,5
)
Ducantur ad orationem
Bei Ihm ist Erlösung in Fülle (Ps
130,7)
ex
Monasterio Salvatoris
(Ps 60, 3-7)
Ein Zeichen, zu dem wir fliehen können - Ps
60, 6
Vigil
am Mittwoch
Ps 73, 13-16
Psalmenerfahrung
- ein Dekalog
Brunnengespräche
Esel
und Psalmengebet
"Der Eine" gegen "das Nichts" (Ps 1,
6b)
Wir
sind stark im Namen des Herrn
( Ps 20,8)
Er
setzt den Kriegen einen Sabbat!
(Ps 46)
Du
krönst das Jahr mit deiner Güte
(Ps 65)
Vom
positiven Hoch Mut
(Ps 118,7)
"...
der das Schilfmeer zerschnitt ..."
(Ps 136,13)
Kirchenjahr /
Feste
Benediktinisches
Anfänge
weitere Texte
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Komm, uns zur Rettung – Ps 80,3
Eine adventliche Betrachtung
In
unserem Chorgebet beten wir immer wieder in Psalm 80 den Vers: „Erwecke
deine Heldenkraft * und komm, uns zur Rettung“ (Vers 3b).
Der Vers ist im Wochenpsalter
auch die Antiphon dieses Psalmes: „Biete deine Macht auf, Herr unser
Gott, * und komm, uns zur Rettung“.
Ich
frage mich, wenn wir diese Antiphon und dann den Vers beten, ob wir
wirklich das beten, was da geschrieben steht. Etwas nämlich aus diesem
Vers beten wir nicht oder eigentlich zu wenig: … das Komma der zweiten
Vershälfte. Wahrscheinlich schlackern Sie jetzt mit den Ohren und
klappern mit den Augen, um es salopp zu sagen. Sie werden sich fragen:
Was meint er damit: das Komma lesen? Ist das nicht arg oberlehrerhaft?
Wie soll man das denn machen? Und: verändert diese „albertinische
Weisheit“ irgendetwas am Text und überhaupt?
Mir
will scheinen, dass es durchaus etwas verändert, ob wir hier ohne Punkt
und Komma beten oder eben mit Komma. Das Komma signalisiert ein kurzes
Innehalten und darin eine leichte Abtrennung des Vorausgegangenen vom
Folgenden. Das Komma lädt ein zurückzuschauen und das gerade Gesagte
dann noch einmal in leichter Variation zu wiederholen. In meiner
Übersetzung und Interpretation betet der Psalmist ganz einfach: „Komm!“,
um dann die Wirkung solchen Kommens seines Gottes zu beschreiben: „Dein
Kommen, deine Gegenwart, sie sind unsere Hilfe.“
Wenn
wir das Komma und damit das kurze Innehalten „schlabbern“, nähern wir
uns der Verswiedergabe, wie sie die Einheitsübersetzung anbietet: „komm
uns zu Hilfe“. Diese Übersetzung gebraucht das Verb „zu Hilfe kommen“.
Optisch und akustisch sind die Übersetzungen fast identisch aber eben
doch nur fast: „komm, uns zur Hilfe“ – „komm uns zu Hilfe“. Der berühmte
kleine Unterschied, der „anderswo“ so gerne betont wird, sollte auch
hier zur Kenntnis genommen werden.
Vielleicht kann man etwas erspüren, wenn man beide Formulierungen einmal
laut spricht und das Komma unserer Übersetzung ein wenig überlang als
Pause liest: „komm - … uns zur Hilfe“. Und die Einheitsübersetzung in
einem, pausenlosem Fluss: „komm uns zu Hilfe“.
Die
Einheitsübersetzug betont die Hilfe, die der Psalmist von Gott erhofft.
Dass Gott sich auf den Weg machen und kommen muss, ist eine bloße
Voraussetzung für die helfende Tat Gottes. Es reicht dieser Übersetzung
nicht, dass Gott kommt – und dann einfach „nur“ da ist. Das bloße Dasein
Gottes ist ja ganz nett, aber, bitte!, etwas mehr müsste er schon tun.
Er muss danach auch zupacken, eingreifen, … eben helfen. Es ist die
unterschwellige Aussage, dass wir recht dumm dastehen, wenn Gott nur
dasteht.
Der
Psalmist denkt da kompakter und ganzheitlicher. Er trennt das Kommen
Gottes nicht von seiner Hilfe. Das Kommen Gottes und seine Gegenwart
sind für ihn die Hilfe, die er sich ersehnt und die er braucht. Das ist
auch der ganze Inhalt des Jahwe-Namens: Ich bin der, der da ist, - der,
der helfend da ist, - der, dessen Gegenwart Hilfe ist.
Der
Psalm fährt in Vers 4 fort: „Gott, richte uns wieder auf! * Lass dein
Angesicht über uns leuchten, dann sind wir gerettet!“ Martin Buber
übersetzt die beiden Verse so:
Rege
deine Heldengewalt
und komm uns zur Befreiung
Gott,
lass es uns wiederkehren!
lichte dein Antlitz
und wir sind befreit!
Ob
wir künftig das Komma in unseren praktischen Gebetsvollzug
hineinbekommen? Ich hoffe auf etwas viel Unbescheideneres: dass wir es
in unseren Kopf und unser Herz kommen lassen, - dass wir nicht um diese
und jene göttliche Hilfe bitten, sondern dass wir um ihn selbst bitten.
Das
würde die Welt verändern, wenn Motto und Wirklichkeit würde:
Ein Advent dem
Herrn!
P.Albert Altenähr OSB
081115
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