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Verkündigung in Gelassenheit (2)
Elemente für eine monastische Pastoral
1. Orientierung leben
2. Ins Fragen locken
Eine der großen Formulierungen in der Regel Benedikts ist seine
Prüffrage an den Neueintretenden „ob er wirklich Gott sucht“ (RB 58,7).
Am Ende seiner Regel beschreibt er den, der seiner Regel folgt – also
den „gelungenen“ Mönch – als einen, der einen bescheidenen Anfang auf
dem Gottesweg macht. (RB 73,1). Wenn man das ernst nimmt, dann ist der
gerade so genannte „gelungene“ Mönch nie ein „fertiger“ Mönch, sondern
stets ein Mönch „im Werden“.
Als
„Werdender“ ist der Mönch naturgemäß begleitet von Gefährdungen, von
Fragen und Zweifeln. Als Tatsachenbeschreibung ist das gewiss eine
Selbstverständlichkeit, die nur in einer idealisierten Sicht von außen
verwundert. Wenn solche Offenheit für den Prozess „Mönch im Werden“ aber
in der Theorie „eigentlich“ als unerhört und unziemlich betrachtet wird,
dann muss gefragt werden, ob Mönchtum nicht ideologisiert und ins
magisch Habbare verfälscht wird. Der „perfekte“ Mönch ist ein Konstrukt
menschlichen Größenwahns und seines Allmachtglaubens. Mönch ist man als
„Mönch im Versuch“, - als „Mönch im Suchen“. So wird jeder Schritt nach
vorn als Geschenk von woandersher erfahr- und sichtbar.
Wenn und
wo diese Sicht im Bewusstsein lebendig ist und ins Leben hinein
übersetzt wird, da wird sich Solidarität über den Grenzzaun des Klosters
entfalten. Diesseits und jenseits der Klausurmauer sind dieselben Fragen
und ist dieselbe Sehnsucht nach der Mitte lebendig. Dass sie innerhalb
des Klosters als bewusster Cantus firmus des Alltags gepflegt wird, ist
kein qualitativer Unterschied zum Leben draußen. Salopp gesagt, ist es
im Kloster „wie im richtigen Leben“. Das Andere im Kloster ist nicht
eine ganz andere Frage, sondern die Intensität, in der die Frage jeden
Menschenlebens – die Frage nach der Mitte des Lebens -, in die Mitte des
Lebens hineingeholt wird. Wenn das so ist, dann darf vielleicht spitz
gefragt werden, ob das „richtige Leben“ nicht doch eher in den
Mönchsgemeinschaften stattfindet als draußen vor den Klostermauern. Das
Angebot an Zeitvertreiben und das Aufgehen in ihnen vertreibt mit der
Zeit auch den Lebensgrund. In der babylonischen Vielfalt der
Möglichkeiten liegt die Gefahr der babylonischen Gefangenschaft in den
Scheinantworten über das Leben. Der Lebenshunger wird nicht gesättigt.
Die Lebensluft wird dünner und dünner. Man mag „high“ sein, aber ist man
auf der Höhe der Lebensfrage?
Benedikts
„ob er wirklich Gott sucht“ deutet an, dass der Mönch nicht irgendwie
irgendwo irgendetwas sucht, sondern die Quelle und den Schatz, aus dem
heraus Leben gelebt werden kann. Benedikt scheut sich nicht, die Quelle
in Gott oder noch konkreter in Jesus Christus zu glauben. Auf ihn geht
er hin. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Finden. Mit aller
Intensität an einem gegebenen Lebensort sucht er den Durchbruch zu
diesem Schatz Jesus Christus. Das Kloster, seine Gemeinschaft, sein
Gottes- und Christusbekenntnis und deren Feier ist der inkarnatorische
Punkt, wo der Mönch seiner Sehnsucht Hand und Fuß, - Fleisch und Blut
gibt. Jetzt und hier - nicht morgen und irgendwoanders - geschieht
Konkretion.
Als
Suchender und Fragender ist der Mönch einer, der die Suchenden und
Fragenden draußen nicht von oben betrachtet. Er sieht sich und sie auf
demselben Weg. Ihre Fragen sind auch die seinen. So kann er die fremden
Fragen zulassen und aushalten, denn sie sind ihm selbst nicht fremd.
Wo sich
Kloster als Fragegemeinschaft versteht und zu erkennen gibt, da senkt
sich die Schwellenangst der Fragenden draußen. Sie ahnen und spüren
vielleicht sogar, dass sie hier einen Ort finden können, wo sie ihren
eigenen Tiefen-Fragen nachgehen und sie formulieren dürfen. Sie sind
willkommen, so wie sie sind. Das Zuhause der Mönche bietet sich Ihnen
dar als ein Haus, wo sie anklopfen und ein Wegstück mitleben/gehen
dürfen.
Das Bild
der beiden Emmausjünger, die sich gegenseitig in ihrem Fragen begleiten,
ist ein treffendes biblisches Bild für eine monastische Pastoral. Dass
sich im Miteinander des Emmausklagens und –fragens und der
Weggefährtenschaft der Horizont zur Klarheit weitet, - zu einem Dach für
die Nacht und zur personalen Begegnung mit dem ersehnten Du des
Meisters, ist die Verheißung der Emmausgeschichte.
3.
Zu
Antworten ermutigen Foto:
Kräuterspirale; Gestaltung Matthias Pölling; Aufnahme: fr.a. |