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Verkündigung in Gelassenheit (3)
Elemente für eine monastische Pastoral
2. Ins Fragen locken
3. Zu Antworten ermutigen
In der Emmausgeschichte gesellt sich den beiden Jüngern ein Dritter
bei. Zunächst ist er einer, der den Jüngern, denen alles, was sie mit
Jesus erlebt hatten, ziemlich fragwürdig und denen die Zukunft ohne ihn
zur Lebensfrage geworden ist, selbst Fragen stellt. Er ist Fragender mit
den Fragenden. In diesem Hin-und-Her lässt er Antworten aufblitzen, die
den Jüngern die Augen öffnen für Altbekanntes, das sie so noch nie
gesehen hatten.
Das
Gespräch unterwegs lockt die Jünger in die persönliche
Reaktions-Antwort. Die Jünger selbst geben Antwort: „Bleibe!“ Es ist die
Antwort der Erkenntnis, dass sich der Austausch auf dem Weg so weit
gelohnt hat, dass sie mehr hören und erfahren wollen. Sie machen weitere
Erfahrungen und ziehen eine weitere Konsequenz: Sie gehen nach Jerusalem
zurück und erzählen von dem Erlebten.
Eine
monastische Pastoral ist vor allem eine erzählende Pastoral, die
Erfahrung lebt und in der den Erfahrungen Raum geboten wird. Das Kloster
präsentiert sich als ein Ort, an dem Menschen (Mönche) Erfahrungen mit
ihrem Glauben gemacht haben. Sehnsucht nach stärkender Erfahrung ist es,
was die meisten Besucher zu ihnen hinzieht.
Als
erzählende Pastoral lässt die monastische Pastoral den Gesprächspartner
in die Welt des Gegenübers hineinschauen. Der Mönch spricht in dieser
Begegnung nicht so sehr über die Theorie der Wahrheit, sondern er bringt
sich selbst und seine Erfahrung in der Begegnung mit der Wahrheit (Gott)
ins Gesprächsspiel ein. Damit macht er sich natürlich verletzlich, zumal
dann wenn die eigenen Grenzen, das Stolpern und auch das Versagen und
Scheitern nicht hinter einer Hochglanzfassade versteckt werden.
In der
Regel Benedikts entdecke ich eigentlich herzlich wenig heilige Mönche.
In der Summe scheint Benedikts Kloster, aus dem heraus und für das er
seine Regel schrieb, eine Ansammlung von durchaus schwierigen
Charakteren gewesen zu sein. Sie haben ihrem Abt Benedikt die Leitung
der Gemeinschaft nicht zu einem heiteren Osterspaziergang werden lassen.
Vielleicht darf man sogar sagen, dass Benedikt für heilige Mönche gar
keine Regel geschrieben hätte. Indem Benedikt nicht das Idealkloster
beschreibt und die Schattenmöglichkeiten und –wirklichkeiten nicht
ausblendet, ist seine Regel geerdet menschlich und Normalmenschen-nah.
Der Mönch bleibt, wieweit immer er auf dem Weg der Vollkommenheit auch
gelangt sein mag, Lehrling des Reiches Gottes. Daran nicht verzweifeln
zu müssen, ist die gute Erzählung – sprich: das Evangelium – seines
Mönchslebens.
Das
Gespräch ist für beide Seiten bereichernd. Man stellt Fragen, - spricht
aus dem Horizont des eigenen Erlebens andere Möglichkeiten an, - gibt
sich selbst und dem anderen Zeit, das Gehörte sacken zu lassen und
entdeckt oft einen Spalt oder gar einen ganzen Weg für neue Antworten.
Eine monastische Pastoral „gibt“ keine Antworten, aber sie vertraut
darauf, dass Antworten „gefunden“ werden können. Und sie ermutigt dazu,
den nächsten erkannten Antwortschritt zu gehen. 1500 Jahre monastischer
Tradition unterfüttern die eigene Erfahrung im Mönchtum mit den vielen
kleinen nächsten Schritten. Nicht jeder Schritt gelingt, aber er ist
immer einen Versuch wert.
Foto: J. Brooks-Gerloff Emmausjünger, Abtei
Kornelimünster, Aufnahme: fr.a.
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