
|
Druckversion
Verkündigung in Gelassenheit (4)
Elemente für eine monastische Pastoral
3. Zu Antworten
ermutigen
4. Auf den Weg schicken
Im Johannesevangelium wird die Geschichte
der Auferweckung des Lazarus erzählt (Joh 11). Ich bin immer wieder neu
beeindruckt von der Endpassage dieser Erzählung: „Jesus rief mit lauter
Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße
und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem
Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und
lasst ihn weggehen!“ (V. 42f [Einheitsübersetzung]). Jesus fordert
zunächst den Toten auf „Komm heraus!“ und dann die Umstehenden „Erlöst,
- entbindet, - entwickelt, - enthüllt ihm das Sehen!“ und „Lasst ihn
weggehen!“ In meiner Zusammenfassung habe ich bewusst die Wörter
aufgegriffen und abgewandelt, die die Einheitsübersetzung verwendet.
Diese Umverwandlung kann und will einen assoziativen Denkprozess
anstoßen. Sie stellt das Gewohnte in neues Licht.
Am Anfang spricht Jesus den Toten an, dann die
Umstehenden. Ihnen teilt er ganz wesentliche Aufgaben in dem zu, was an
Lazarus geschehen soll: Geburt / Entbindung, - Wachsen / Entwicklung, -
Profilgewinnung / gebt ihm Gesicht, - Erlösung / löst die Binden.
Abschließend heißt es dann: „Lasst ihn weggehen!“
Die Schlussaufforderung „Lasst ihn weggehen!“ ist für
eine monastische Pastoral sicher eine besonders wichtige und immer
wieder neu ins eigene Bewusstsein zu hebende. Sie warnt davor, sich als
Gemeinschaft und als einzelner als Heilsguru zu verstehen und den aus
dem „Tod“ Gelösten in eine neue Abhängigkeit zu zwängen. Sie traut dem
anderen zu, dass er gehen kann, - dass er einen Weg gehen kann und ihn
gehen muss. Der andere muss nicht unseren Weg gehen, sondern den seinen
finden. Monastische Pastoral entlässt nicht aus der Verantwortung, den
Weg zu finden und zu wagen. Dieser Auftrag schließt auch ein, die eigene
Verantwortung für den eingeschlagenen Weg wahrzunehmen. Zu all dem will
monastische Pastoral helfen.
Natürlich will die Klostergemeinschaft so attraktiv sein,
dass Menschen auch den Mut finden, sich ihr unmittelbar als Mitglieder
anzuschließen. Das Zeugnis „Kloster“ zielt aber nicht auf die Anwerbung
von Eintrittskandidaten ab, - dient also nicht einfach der
Selbsterhaltung. Das Zeugnis gilt dem Reich Gottes und Jesus Christus,
seinem Grundzeugen. Sich nicht auf die Selbsterhaltung zu fixieren,
verlangt eine große innere Freiheit. Gleichzeitig schenkt sie aber eben
genau diese Freiheit. Und vielleicht ist es gerade solche Freiheit, die
ein Kloster attraktiv macht.
Man darf
in diesem Zusammenhang wohl auch das Wort aus dem orthodoxen Mönchtum
variieren: „Fragt nicht nach der Zahl der Novizen, sondern ob ihr
geistliche Väter in euren Reihen habt!“ Die sich von der geistlichen
Botschaft des Klosters berühren lassen und denen diese Botschaft
Wegweisung wird, dürfen – zumindest in einem weiteren Sinn – durchaus
als Berufungen des Klosters betrachtet werden. Sie sind keine Fremden,
sondern wirklich Nächste, - ganz nahe Stehende. Sie sind drinnen, wenn
auch ihr Lebensalltag draußen verläuft. Sie gehören zu den Schwestern
und Brüdern, die am Ende eines jeden Choroffiziums in die Gebetszeit
bewusst hineingebetet werden: „Die Hilfe Gottes sei allezeit mit uns.
... Und mit unseren abwesenden Brüdern und Schwestern.“
5.
Herberge
für die Wegwunden Foto:
Labyrinth, Bischöfl. Akademie Freising; Aufnahme: fr.a. |
 |