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Verkündigung in Gelassenheit (5)
Elemente für eine monastische Pastoral
4. Auf den Weg
schicken
5. Herberge für die Wegwunden
In einem
Gedicht schreibt Nelly Sachs von König David: „Aber im Mannesjahr maß
er, ein Vater der Dichter, voll Verzweiflung die Entfernung zu Gott aus,
und baute der Psalmen Nachtherbergen für die Wegwunden.“ Faszinierend
stellt sie den viel idealisierten Dichterkönig als einen Mann dar, der
Verzweiflung kennt und die Erfahrung der Entfernung zu Jahwe hin nicht
ins Kleine hinein wegtüncht. Und genau dieser ob der Gottesferne
Verzweifelte baut Herbergen, die anderen in ihrer Nacht und ihren
Weg-Verwundungen einen Ort zum Durchatmen und Atemholen geben. Die
Emmaus-Herberge der beiden Jünger, die zwischen sich und Jerusalem die
Entfernung größer und größer werden sehen, kann man am Bildhorizont der
Nelly Sachs erahnen.
Davids
Psalmen und das Brotbrechen vom Emmaus-Abend prägen den Tag des
Klosters. Sie sind zugleich Rahmen und Mitte des Klosters, die ihm
Struktur und Profil geben. Sie machen den Unterschied aus zwischen einem
Kloster und neutralen vier Wänden einer anderen Unterkunft. Von ihnen
sind die Menschen geprägt, die „Kloster“ leben, - die Mönche. Das macht
die Atmosphäre des Klosters aus.
Monastische Pastoral ist davon überzeugt, dass diese Atmosphäre der
erste und wichtigste Aktivposten ihrer Seelsorge ist. Das einfache
So-Dasein ist das grundlegende Tun einer monastischen Pastoral. In ihm
geschehen Beobachtungen, Begegnungen und Gespräche, die durchaus nicht
immer fachgeprägt „seelsorglich“ sind, aber die Seele erreichen. Die
Erfahrung zeigt, dass oft Mitbrüder, die nach ihrem eigenen Eindruck nur
wenig oder gar nichts mit den Gästen zu tun haben, entscheidende
Eindrücke hinterlassen. Und immer wieder geschieht es auch, dass Gäste,
die durch regelmäßige Besuche mit dem Kloster vertraut sind, ganz
wichtige Schlüssel sind, die den tastenden Neu-Gast aufschließen. In
diesem Sinn ist monastische Pastoral nicht eine Aufgabe, mit der ein
einzelner beauftragt oder die von einzelnen wahrgenommen werden kann,
sondern sie ist in ihrem Wesen gemeinschaftsgebunden.
Was
Reiner Kunz in seinem Gedicht „Pfarrhaus“ schreibt, kann auch vom
Kloster gesagt werden, das sich an eine Pastoral herantastet, die aus
seinem Charisma – dem Kloster-Sein – herauswächst: „Wer da bedrängt ist
findet / mauern, ein / dach und // muß nicht beten." Er geht wieder weg,
... vielleicht kommt er wieder, ... und möglicherweise findet er zu dem,
was ihm nicht aufgedrängt wurde: zum Gebet und zu Gott.
...
und Gott gewinnt sie doch ...
Mit einem „Enkel“ habe ich meine Gedanken begonnen. Ich will sie mit
einer „Oma“ enden. Die alte Dame hat mir vor mehr als 25 Jahren mehr als
einmal gesagt: „Ich habe gute Kinder, aber keines geht zur Kirche. Das
macht mir aber keine Sorge. Gott kriegt sie doch, - nicht auf die Art,
wie ich mir das wünsche, und nicht zu dem Zeitpunkt, wie ich das hoffe.
... aber er kriegt sie.“ Lächelnd sagte sie es so und jedes Mal schloss
sie: „Halleluja!“ Dem jungen Pater damals ging dieser
Halleluja-Optimismus einigermaßen auf den Nerv. Inzwischen gehöre ich
selbst der „Opa-Generation“ an und ich denke, die alte Dame hatte nicht
Unrecht. Sie war gelassen und traute Gott unendlich viel zu.
Abt Albert Altenähr OSB
050531
Foto: Abendstimmung Kornelimünster; Foto: fr.a. Am
5. Juni erhielt ich auf diese Gedanken zur monastischen Pastoral die
folgende Reaktion: Lieber Abt Albert,
kurz zu Ihren letzten Ausführungen:
Jesus fordert zunächst den Toten auf „Komm heraus!“ und dann die Umstehenden „Erlöst, - entbindet, -
entwickelt, - enthüllt ihm das Sehen!“ und „Lasst ihn weggehen!“
Eine Sicht, die eine große Freiheit auf beiden Seiten erfordert. Es ist gut zu wissen,
dass man kommen darf, und es nicht mit Heiligen zu tun hat. Es kostet aber
auch viel Kraft, seinen Weg dann weiter zu gehen.
Außerdem ist es nicht einfach, der Familie oder dem Freundeskreis klar zu machen, dass
man nicht auf dem Weg ist, an ein Kloster „verloren“ zu gehen, oder es
sich um eine vorübergehende Phase handelt, sondern daß ich eher einen Ort gefunden habe, der für den
eigenen Weg sehr wichtig ist. Wohin auch immer. Dabei sehe ich die oben angeführte Aufzählung eher als einen
sich immer wiederholenden, wenn auch ständig erweiternden Prozess.
Ich kenne das Gedicht von Reiner Kunz nicht, aber ich empfinde es so, inkl. Ihrer Ergänzung als vollständig.
Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Herzliche Grüße aus ...
Am selben Tag versuche ich, auf einen Gedanken aus der obigen Mail zu
antworten:
Besuche im Kloster
Ich gehe euch nicht verloren.
Ihr gewinnt wie ich –
mich
Was ich im Kloster verloren habe?
Nichts!
Was ich im Kloster suche?
Alles!
Was ich im Kloster finde?
Einen Schritt über mich hinaus
zu mir selbst
zu meinem Gott
und auch zu euch.
Wollt ihr wirklich mich
oder wie ihr mich gern hättet?
Albert Altenähr
050605
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