Textauswahl

Wo ist Emmaus?

Ferien

Ein Ort für dich

Gespräch mit einem Zirkuswagen

Brunnen, gebohrt in die Luft

Lass die Hoffnung fahren

Dem Glauben ein Gesicht

"Die Ernte ist groß ..."

Der Mönch

Spann den Bogen

Emmaus

Auf dem Weg ... wohin?

Ich möchte beten  lernen

Frage und Antwort

Sein ist die Zeit

Der leichte Glaube

An grauen Nebelmorgen

Maria Magdalena

Vertrauen

Die Seele baumeln lassen

Beten

Alleluja

Gotteserfahrungen

Ein Gebet um den rechten
Augen - Blick

Meditative Stolperkante

Ein Gebet der Zukunft

Dem Heiligen begegnen

Herr, lehre uns beten

„Einen Gott, den es gibt,
gibt es nicht“ (Bonhoeffer)

Ich glaube an Gott

Wann betet ihr?

Die Kelter der Liebe

Anreicherungen

Der Traum des Jakob

Freiheit des Betens

Begegnung in Holz

Elija - die Kraft des Weges

Elija und Lazarus

Deus caritas est

Die Farbe des Nebels

Das Tor ist nicht verschlossen

Herr, in deinem Garten

Der Weihrauch

Tabernakellicht

Wenn dein Herz wach ist

Urlaub

erinnere dich

Verkündigung in Gelassenheit

Die Kirche ist jung

„Leib Christi“ – „Blut Christi“

Feuer für morgen

Wachsen

Weisheit der Arche

Lebens-Lauf

Freundin Gott

Paris -
eine geistliche Botschaft

Die Kunst des Feierns

Cantate Domino

Das Heilige den Heiligen

Gott steckt im Detail

Schätze den Schatz

Feiern - wie geht das?

Elija Bilder

Kar- und Osterbilder

Nelly Sachs: David

Gebet am Rande...

Vorsicht Gott!

Gedanken zu einer
Hochzeitsanzeige

farbig glauben

Weltverantwortung

Sich Zeit nehmen

Nachtherbergen für die Wegwunden

Unterwegs nach Emmaus

Kirchenjahr / Feste

Gedanken zu
Psalmen

Anfänge

Benediktinisches
 

 

Druckversion


Verkündigung in Gelassenheit  (5)

Elemente für eine monastische Pastoral

4. Auf den Weg schicken

5. Herberge für die Wegwunden

In einem Gedicht schreibt Nelly Sachs von König David: „Aber im Mannesjahr maß er, ein Vater der Dichter, voll Verzweiflung die Entfernung zu Gott aus, und baute der Psalmen Nachtherbergen für die Wegwunden.“ Faszinierend stellt sie den viel idealisierten Dichterkönig als einen Mann dar, der Verzweiflung kennt und die Erfahrung der Entfernung zu Jahwe hin nicht ins Kleine hinein wegtüncht. Und genau dieser ob der Gottesferne Verzweifelte baut Herbergen, die anderen in ihrer Nacht und ihren Weg-Verwundungen einen Ort zum Durchatmen und Atemholen geben. Die Emmaus-Herberge der beiden Jünger, die zwischen sich und Jerusalem die Entfernung größer und größer werden sehen, kann man am Bildhorizont der Nelly Sachs erahnen.

Davids Psalmen und das Brotbrechen vom Emmaus-Abend prägen den Tag des Klosters. Sie sind zugleich Rahmen und Mitte des Klosters, die ihm Struktur und Profil geben. Sie machen den Unterschied aus zwischen einem Kloster und neutralen vier Wänden einer anderen Unterkunft. Von ihnen sind die Menschen geprägt, die „Kloster“ leben, - die Mönche. Das macht die Atmosphäre des Klosters aus.

Monastische Pastoral ist davon überzeugt, dass diese Atmosphäre der erste und wichtigste Aktivposten ihrer Seelsorge ist. Das einfache So-Dasein ist das grundlegende Tun einer monastischen Pastoral. In ihm geschehen Beobachtungen, Begegnungen und Gespräche, die durchaus nicht immer fachgeprägt „seelsorglich“ sind, aber die Seele erreichen. Die Erfahrung zeigt, dass oft Mitbrüder, die nach ihrem eigenen Eindruck nur wenig oder gar nichts mit den Gästen zu tun haben, entscheidende Eindrücke hinterlassen. Und immer wieder geschieht es auch, dass Gäste, die durch regelmäßige Besuche mit dem Kloster vertraut sind, ganz wichtige Schlüssel sind, die den tastenden Neu-Gast aufschließen. In diesem Sinn ist monastische Pastoral nicht eine Aufgabe, mit der ein einzelner beauftragt oder die von einzelnen wahrgenommen werden kann, sondern sie ist in ihrem Wesen gemeinschaftsgebunden.

Was Reiner Kunz in seinem Gedicht „Pfarrhaus“ schreibt, kann auch vom Kloster gesagt werden, das sich an eine Pastoral herantastet, die aus seinem Charisma – dem Kloster-Sein – herauswächst: „Wer da bedrängt ist  findet / mauern, ein / dach und // muß nicht beten." Er geht wieder weg, ... vielleicht kommt er wieder, ... und möglicherweise findet er zu dem, was ihm nicht aufgedrängt wurde: zum Gebet und zu Gott.

... und Gott gewinnt sie doch ...
Mit einem „Enkel“ habe ich meine Gedanken begonnen. Ich will sie mit einer „Oma“ enden. Die alte Dame hat mir vor mehr als 25 Jahren mehr als einmal gesagt: „Ich habe gute Kinder, aber keines geht zur Kirche. Das macht mir aber keine Sorge. Gott kriegt sie doch, - nicht auf die Art, wie ich mir das wünsche, und nicht zu dem Zeitpunkt, wie ich das hoffe. ... aber er kriegt sie.“ Lächelnd sagte sie es so und jedes Mal schloss sie: „Halleluja!“ Dem jungen Pater damals ging dieser Halleluja-Optimismus einigermaßen auf den Nerv. Inzwischen gehöre ich selbst der „Opa-Generation“ an und ich denke, die alte Dame hatte nicht Unrecht. Sie war gelassen und traute Gott unendlich viel zu.

Abt Albert Altenähr OSB
050531

Foto: Abendstimmung Kornelimünster; Foto: fr.a.

Am 5. Juni erhielt ich auf diese Gedanken zur monastischen Pastoral die folgende Reaktion:

Lieber Abt Albert,

kurz zu Ihren letzten Ausführungen:

Jesus fordert zunächst den Toten auf „Komm heraus!“ und dann die Umstehenden „Erlöst, - entbindet, - entwickelt, - enthüllt ihm das Sehen!“ und „Lasst ihn weggehen!“

Eine Sicht, die eine große Freiheit auf beiden Seiten erfordert. Es ist gut zu wissen, dass  man kommen darf, und es nicht mit Heiligen zu tun hat. Es kostet aber auch viel Kraft, seinen Weg dann weiter zu gehen. 

Außerdem ist es nicht einfach, der Familie oder dem Freundeskreis klar zu machen, dass  man nicht auf dem Weg ist, an ein Kloster „verloren“ zu gehen, oder es sich um eine vorübergehende Phase handelt, sondern daß ich eher einen Ort gefunden habe, der für den  eigenen Weg sehr wichtig ist. Wohin auch immer. Dabei sehe ich die oben angeführte Aufzählung eher als einen
sich immer wiederholenden, wenn auch ständig erweiternden Prozess.

Ich kenne das Gedicht von Reiner Kunz nicht, aber ich empfinde es so, inkl. Ihrer Ergänzung als vollständig. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Herzliche Grüße aus ...


Am selben Tag versuche ich, auf einen Gedanken aus der obigen Mail zu antworten:

Besuche im Kloster

Ich gehe euch nicht verloren.
Ihr gewinnt wie ich –
mich

Was ich im Kloster verloren habe?
Nichts!

Was ich im Kloster suche?
Alles!

Was ich im Kloster finde?
Einen Schritt über mich hinaus

zu mir selbst
zu meinem Gott
und auch zu euch.

Wollt ihr wirklich mich
oder wie ihr mich gern hättet?

Albert Altenähr
050605

 

nach oben