Abtswahl und Installation
Infos zum neuen Abt
Abtswahl und Installation - Was ist das?
Wann wird ein Abt gewählt?
Wie wird ein Abt gewählt?
Was geschieht nach der Wahl?
Was ist eine Installation?

Fotos

Abtsbenediktion
Einladung zur Abtsbenediktion
Abtsbenediktion - Was ist das?
Der Tag der Abtsbenediktion im Rückblick
Predigt von Bischof Heinrich Mussinghoff
Fotos

 

Am 12. März 2008 haben wir Mönche von Kornelimünster
 

P. Friedhelm Tissen OSB
 

auf unbestimmte Zeit zum Abt gewählt.
Am 13. März wurde er von Abtpräses Bruno Marin OSB bestätigt und in einer liturgischen Feier in sein Amt eingesetzt.

Abt Friedhelm Tissen OSB wurde am 24. Januar 1954 als drittes Kind der Eheleute Ernst und Änne Tissen, geb. van Treeck, geboren. In seinem Heimatort Alpen am Niederrhein besuchte er von 1960-1965 die Volksschule. 1965 wechselte auf das bischöfliche Gymnasium „Collegium Augustinianum Gaesdonck“, wo er besonders durch die Zeit als Internatsschüler geprägt wurde. 1974 machte er dort das Abitur.

Im selben Jahr trat er in die Abtei Gerleve im Münsterland ein. Dort legte er am 11. April 1976 seine ersten und 1979 seine ewigen Gelübde ab. Von 1976 bis 1978 studierte er Philosophie in Salzburg, von 1978 bis 1981 Theologie an der benediktinischen Ordenshochschule St. Anselmo in Rom. Am 27. August 1981 wurde er in Gerleve vom Münsteraner Diözesanbischof Reinhard Lettmann zum Priester geweiht. In Gerleve war er u.a. in der Jugendarbeit und in der Gästebetreuung tätig, zudem war er als Zeremoniar verantwortlich für die Liturgie.

1984 kam er – zunächst auf Zeit – nach Kornelimünster. Von hier aus machte er von 1987 bis 1989 eine Ausbildung zum Exerzitien- und Meditationsleiter beim Institut für missionarische Spiritualität und Seelsorge (IMS; Frankfurt). 1988 wurde er endgültig Mönch von Kornelimünster und wechselte damit nicht nur das Kloster, sondern auch von der Beuroner Kongregation zur Kongregation von Subiaco. In Kornelimünster war er Cantor und Gastpater (1984- heute), Novizenmeister (1990-2003 und 2006-heute) und Prior (1996-2000). Darüber hinaus war er von 2002 bis 2005 Spiritual der Diakone im Bistum Aachen. Er ist vielen Menschen wichtig als geistlicher Begleiter und Exerzitienmeister.

 

Abtswahl und Installation - Was ist das?

Wann wird ein Abt gewählt?
Jede Benediktinerabtei ist selbstständig. Das schließt ein, dass die Mönche ihren Abt selbstständig wählen können. In unserer Kongregation (d.h. in unserem Klosterverband) werden die Äbte auf "unbestimmte Zeit" gewählt. Das heißt: Ein Abt bleibt so lange Abt eines Klosters, "solange er zum Wohl der Gemeinschaft wirken kann" Also: Ein Abt kann jederzeit zurücktreten, spätestens muss er es zu seinem 75. Geburtstag.

Vor zwei Jahren hat sich unser damaliger Abt P. Albert entschieden, dass es für die Entwicklung der Gemeinschaft gut ist, wenn er nicht erst zu seinem 75. Lebensjahr, sondern nach 25 Jahren seines Dienstes zurücktritt. Dies hat er zum 20. Oktober 2007 dem Präses mitgeteilt und dieser hat den Rücktritt (auch "Resignation" genannt) angenommen.


Wie wird ein Abt gewählt?
Wenn das Abtsamt vakant geworden ist, versammeln sich die Mönche unter Vorsitz des Visitators oder, wie es bei uns war, des Präses (d.i. der Vorsteher unserer Kongregation), um einen neuen Oberen zu wählen. Wählbar sind alle Mönche unserer Kongregation, die die kirchenrechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Wenn einer der Mönche die nötigen Stimmen erhält und die Wahl angenommen hat, ist er der gewählte Abt eines Klosters.

Wir haben uns am Mittwoch, den 12. März 2008 zur Wahl versammelt. Die Wahl wurde geleitet von Abtpräses Bruno Marin, dem Präses unserer Kongregation von Subiaco. Abtpräses Ansgar Schmitt, Präses der Kongregation von der Verkündigung hat ihm dabei assistiert. In unserer Wahl erhielt P. Friedhelm die nötige Zahl der Stimmen und nahm die Wahl an.


Was geschieht nach der Wahl?
Damit der Abt die Amtsgeschäfte übernehmen kann, muss er den Präses um Bestätigung der Wahl bitten und von diesem bestätigt werden. Dieser muss dazu seinen Rat um ein zustimmendes Votum bitten. Dies kann bis zu acht Tagen dauern. Bis zur Bestätigung ist die Wahl geheim.

 Abtpräses Bruno musste telefonisch seinen Rat um das Votum bitten, und er erreichte die beiden Mönche erst am Abend in Rom, sodass er den gewählten Abt erst am kommenden Morgen bestätigen konnte.

Was ist eine Installation?
Die Installation des Abtes ist die eigentliche Übernahme des Amtes. Der Name dieser Feier kommt daher, dass der neue Abt in seine Chor-Stalle gestellt, also "installiert" wird. Mit der Installation ist ein Mönch Abt eines Kloster, mit allen Rechten und Pflichten.

Bei uns fand diese Feier der Installation von Abt Friedhelm am Morgen des 13. März statt. Diese Feier hatte zwei Stationen:
Um 8.00 Uhr begannen wir intern im Oratorium. Dort bestätigte der Präses die Wahl, der neue Abt legte das Glaubensbekenntnis ab und gab seinen Mönchen den Friedensgruß. Die wiederum machten ihm ihren Gehorsam deutlich. Bei einer kurzen Ansprache an die Mönche betonte Abt Friedhelm, dass es ihn bewege, genau zwei Wochen nach dem Tod seines Vaters durch die Abtswahl selber "Vater" geworden zu sein. Nach einem kurzen Rückblick auf das Wahlgeschehen teilte uns Abt Friedhelm seinen Leitspruch mit: "Per ducatum Evangelii" - Unter der Führung des Evangeliums (Prolog der Regel, V. 21). Dieses Wort hat er gewählt, da Abtpräses Ansgar wiederholt darauf hingewiesen hat, eine der wichtigsten Aufgaben des Abtes sei es, Anwalt des Evangeliums zu sein.
Gegen 8.20 ging es über zum zweiten, öffentlichen Teil der Feier. Dieser begann mit dem Einzug der Mönche unter Glockengeläut und Orgelspiel in die Kirche. Der neue Abt wurde vom Präses an seine Chorstalle gebracht. Der Jüngste erinnerte den Abt an seine Aufgabe, indem er das zweite Kapitel der Regel verlas. Nach einem Gebet überreichte Abtpräses Bruno dem Abt das Brustkreuz als Zeichen des äbtlichen Dienstes, das Siegel des Klosters und die Schlüssel der Kirche. Die Feier schloss mit dem Gesang des "Te Deum" und dem Segen des neuen Abtes.
Nach der Installation , zu der spontan etwa 40 Gläubige aus der Umgebung zusammengekommen waren, gab es die Möglichkeit zur Begegnung und zur Gratulation bei einer Tasse Kaffee und Keksen.

 

Fotos nach der Wahl und von der Installation
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Abtpräses Ansgar Schmidt (Trier), Abtpräses Bruno Marin (Rom) und Abt Friedhelm (von links) nach der Wahl

Abt Friedhelm

Abtpräses Bruno bei der Bestätigung der Wahl

Abt Friedhelm und Fr. David

 

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Installation in der Kirche

Begegnung im Gästespeisesaal      

 

Abtsbenediktion - Was ist das?

Es ist eine alte Tradition, dass es für die Einführung in den Dienst des Abtes oder einer Äbtissin eine eigene Segensfeier gibt. Diese Feier heißt Abtsbenediktion oder landläufig "Abtsweihe". Im Gegensatz zu einer Bischofs-, Priester- oder Diakonenweihe ist diese Weihe kein Sakrament, sondern ein feierlicher Segen. Um dieses Missverständnis zu vermeiden, umgehen wir nach Möglichkeit den Begriff Abts"weihe".
Dieser Segen wird in einer Eucharistiefeier gespendet. Der Abtsbenediktion steht in der Regel der Diözesanbischof vor, sie kann aber auch von einem anderen Bischof oder Abt geleitet werden. In dieser Feier werden dem neuen Abt die Ordensregel und die Amtszeichen (Stab, Mitra und Ring) überreicht.
Der Abt ist damit kein Bischof und ihm nicht gleichgestellt (so ein beliebtes Vorurteil). Er darf aber als Zeichen der klösterlichen Unabhängigkeit in seinem Kloster die Pontifikalien (Brustkreuz, Stab und Mitra) benutzen.

Der Tag der Abtsbenediktion im Rückblick

"Wann gibt es Fotos von der Abtsbenediktion?" - so lautete in der vergangenen Woche eine nicht selten gestellt Frage. Da wir Schwierigkeiten mit unserer eigenen Homepage hatten, mussten sich Betreiber wie Besucher in Geduld üben. Nun ist es also so weit.
Für Sonntag, 13. April, 10.30 Uhr war die Benediktion von Abt Friedhelm angesetzt. In den Tagen davor wurde viel geputzt, geschleppt, geplant, getan... Und dann gab es am Tag selber doch noch sehr viel Staub, da die Fertigstellung der neuen Räume doch nicht so gelang, wie es uns versprochen war.
Die Kirche war mit 250 zusätzlichen Stühlen versehen worden - aber das reichte lange nicht, um allen ca. 850 Gottesdienstbesucher aus nah und fern eine Sitzgelegenheit zu verschaffen. So rückte man zusammen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst durch Herrn Gach an der Orgel und eine Schola verstärkt, die in den Tagen vorher mit Fr. Antonius eifrig geübt hatte.
Die eigentliche Segensfeier fand nach der Predigt von Bischof Heinrich Mussinghoff statt. P. Oliver bestätigte dem Bischof die Rechtmäßigkeit der Wahl und bat ihn im Namen der Mönche die Benediktion vorzunehmen. Dann befragte der Bischof Abt Friedhelm nach seiner Bereitschaft, den Dienst des Abtes auszuüben. Zur folgenden Allerheiligenlitanei legte sich Abt Friedhelm auf den Boden mitten im Chorraum. Danach erfolgte das eigentliche Weihegebet.
Abschließend überreichte der Bischof dem Abt die Regel des heiligen Benedikt, Ring, Mitra und Stab. Dann ging Abt Friedhelm zu seinen Mitbrüdern und gab ihnen den Friedensgruß. Die Messfeier wurde in gewohnter Weise fortgesetzt.
Vor dem Segen bedankte sich Abt Friedhelm beim Bischof für die Erteilung des Segens, bei P. Albert für seinen Dienst als Abt, den er 25 Jahre ausgeübt hatte sowie bei P. Oliver, der im vergangenen halben Jahr die Geschicke der Gemeinschaft geleitet hatte. Drei Gottesdienstbesucherinnen erwähnte Abt Friedhelm eigens: Seine 93jährige Mutter, seine 98jährige Patentante und die Witwe des verstorbenen Patenonkels, mit fast 90 Jahren die "Jüngste" der Genannten. Nach dem Schlusssegen ging Abt Friedhelm zu diesen dreien und spendete ihnen den Segen.

Dann begann ein großes Fest, das kaum zu beschreiben ist. Im Kreuzgang nahm Abt Friedhelm die Glückwünsche vieler entgegen. Um halb drei erst nahm das Händeschütteln ein Ende. Inzwischen wurde in drei Räumen Suppe und Getränke ausgeteilt, wobei viele Helferinnen und Helfer im Spiel waren. Diesen gilt an dieser Stelle ein ganz besonderer Dank. - Bei dieser Gelegenheit wurde zum letzten Mal der immer noch so genannte "Schülerspeisesaal" genutzt, zum zweiten Mal der neue Festsaal vor der Kirche. Im Gästespeisesaal versammelten sich die Verwandten von Abt Friedhelm, die in großer Zahl gekommen waren. Ehe er bis zu ihnen vordringen und selber etwas essen konnte war es schon 15.00 Uhr.
Einfach einige Zahlen: 250 Liter Suppe wurden ausgeteilt, 120 Liter Bier flossen, andere Getränke noch mehr. Gut 50 Kuchen wurden gestiftet, damit die Kaffeetafel nicht leer wurde. Auch hier sei allen Stifterinnen und Stiftern Dank gesagt!
Das Fest wurde abgeschlossen durch die gemeinsam gesungene Vesper im Chor der Abteikirche. Sah es zunächst so aus, als kämen nur relativ wenige Gäste zur Vesper, kamen von außen doch noch wieder viele dazu, so dass der Chorraum mehr als gut gefüllt war. Das war ein schlichter schöner Abschluss des Festtages.
Allen, die zum Fest gekommen sind sei gedankt, allen die gebetet haben, die geschrieben haben, die gespendet haben! Dank vor allem dem, der uns auf den Weg der Nachfolge gerufen hat und hier im Kloster immer wieder zusammenführt.
 

Ihre Mönche der Abtei Kornelimünster

Predigt von Bischof Heinrich Mussinghoff
Lesung: Apg 2, 14a.36-41 Evangelium: Joh 10, 1-10

Lieber Abt Friedhelm! Lieber Altabt Albert!

Liebe Mönche der Abtei St. Kornelius und St. Benedikt von Aniane an der Inda!

Liebe Gäste! Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

Die Mönche der Abtei St. Kornelius und St. Benedikt von Aniane haben nach Gebet und Kontemplation einen neuen Abt gewählt: Pater Friedhelm Tissen. Heute erhält der Gewählte den Segen der Kirche für den Dienst der Leitung des Klosters, die Benediktion, die Abtsweihe.

Kaiser Karl der Große hatte die Reichsabtei an der Inde gegründet, mit Reliquien von der Auferstehung des Herrn ausgestattet und in Benedikt von Aniane einen führenden Abt gefunden, der die überlieferte Regel des hl. Benedikt für das Mönchsleben überarbeitete, vereinheitlichte und seine segensreiche Kraft für das ganze Heilige Römische Reich Deutscher Nation verwirklichen konnte. Wir sind froh, dass 1906/07 ein neues Kloster entstehen konnte und dass die Weichen gelegt sind für ein geistliches Wirken durch Gebet und Arbeit in unserem Bistum und darüber hinaus.

 

Lieber Abt Friedhelm! Sie haben sich den Wahlspruch gegeben "Sub ducatum evangelii", "Unter der Führung des Evangeliums" (Prolog der Regel, V. 21).

Darum bitten wir Sie: Gehen Sie mit Ihren Mönchen Ihren Weg "unter Führung des Evangeliums". Und dieses Wort regt uns an, nach Weisung in der Regel des hl. Benedikt zu suchen. In prägnanter Kürze beginnt die Regel: "Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, und neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, von dem du dich durch die Trägheit des Ungehorsams entfernt hast", damit du zurückkehrst zu deinem Gott! (Regula Benedicti, Prol. 1 und 2)

"Höre, mein Sohn, auf die Stimme des Meisters." Immer und immer wieder weist Benedikt uns auf die Stimme Christi hin: "Was könnte für uns beseligender sein als die Stimme des Herrn, der uns einlädt? Seht doch, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben" (Prol. 19 und 20).

 

"Unter Führung des Evangeliums" - per ducatum evangelii (Prol. 21)

- das ist der Wegweiser, auf den Benedikt uns verweist. Höre ich die Stimme Christi, indem ich

das Evangelium höre und lese, indem ich höre, was Christus mir durch die Zeichen der Zeit, durch die Begegnung mit unseren Mitmenschen, durch die Ereignisse in unserer Gesellschaft, durch die Schwestern und Brüder in unseren Kommunitäten sagen will? Lasse ich mich in meinem konkreten Leben, in meinen alltäglichen Entscheidungen und in meinem Handeln von der Stimme Christi leiten? Benedikt lehrt uns die Liebe zur Schrift, zum Evangelium, zur Stimme Christi, die uns ruft. Im Hören des Wortes öffnen wir uns ihm.

 

"Ausculta, o fili, praecepta magistri".

Ausculta (oder obsculta) - Höre. Altabt Albert hat darauf aufmerksam gemacht, dass in diesem Wort "Hören" das aures cultivare steckt, die Ohren kultivieren, d.h. Benedikt fordert uns zu einer Kultur des Hörens, zu einer Kultur der Hörsamkeit und Hörbereitschaft, der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf. Und wenn die Regel fortfährt: "und neige das Ohr deines Herzens", dann wird klar, dass es bei dieser Kultur des Hörens nicht um den Laut der Stimme noch um das Begreifen der Vernunft, sondern um die Offenheit und Aufmerksamkeit des Herzens geht, das die Stimme Christi vernimmt und sein Wort in Liebe aufnimmt. Kultur des Hörens führt zur Kultur des Herzens, zu einer Kultur der Liebe.

 

"Damit du zurückkehrst zu Gott."

In unserem Leben erfahren wir immer wieder, dass wir Wege gehen, die vergeblich sind, die sich als Irrwege erweisen, die in Sackgassen enden. Die Wege unseres Lebens sind nicht immer Wege der Treue, der Gerechtigkeit und des Friedens, sondern oft Wege der Selbstsucht und des Unverstehens, wo wir unsere Vorteile suchen und den anderen das Lastentragen zumuten. Auf unseren Wegen sind wir oft nicht gute Weggefährtinnen und Weggefährten, die in Freundschaft Last und Hitze des Weges teilen. Benedikt mahnt uns, dass wir umkehren sollen zu unserem Gott, dass wir uns auf unserem Lebensweg von seiner Stimme führen lassen sollen; er ruft uns wie den verlorenen Sohn heim in die Arme des Vaters, der in seinen ausgestreckten Armen uns verlorene Söhne und Töchter birgt.

 

"Damit du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurückkehrst, von dem du dich durch die Trägheit des Ungehorsams entfernt hast."

Benedikt kennt unser Herz, das nicht so sehr von der puren Bosheit, der bewusst gewollten und zynisch angestrebten bösen Tat besessen ist. Es ist eher die Trägheit des Herzens, die Unbekümmertheit, mit der wir die Stimme Christi überhören und vergessen, die Lauheit und Gleichgültigkeit, die uns immer wieder vorgaukelt, morgen sei es früh genug anzufangen, sich zu ändern, als ganzer Ordenschrist zu leben. Ungehorsam, das ist in der Wurzel ein Nicht-hören-Wollen auf die Stimme Christi. Trägheit und Schläfrigkeit lassen uns oft nicht gute Christen sein.

Benedikt hat erfahren und weiß: Umkehr, Heimkehr zu Gott, das geht nicht von selbst, das erfordert die Mühe des Gehorsams. Das neue Hören auf die Stimme des Herrn und das daraus folgende Gehorchen erfordert Aufmerksamkeit, Anstrengung, Mühe, Arbeit (labor). Die Mühe des Gehorsams wird uns nicht erspart. Aber sie birgt eine Verheißung.

 

"Seht doch, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben" (Prol. 20).

Weg zum Leben. Viele Geschichten und Mythen erzählen vom Scheideweg, von der Entscheidung für den Weg, der ins Verderben führt, oder für den Weg, der zum Leben führt. In seiner Güte führt uns Christus den Weg zum Leben. Wir brauchen nur den Mut des Gehorsams gegenüber seinem Wort, die Kraft der Umkehr von der Trägheit des Ungehorsams, die Beharrlichkeit auf dem Weg in seiner Nachfolge. Der Weg zum Leben ist der Weg Christi, der Weg, der zum Kreuz führt und durch das Kreuz hindurch zur Herrlichkeit der Auferstehung. Christus zeigt uns den Weg zum Leben. Er ist der Anführer auf dem Weg des Glaubens (vgl. Hebr 12, 2); er selbst ist der Weg (vgl. Joh 14, 6); er bietet uns seine Freundschaft an; er will unser Weggefährte sein. Der Weg jedes Menschen in Christi Nachfolge hat je seine besondere Prägung, seinen besonderen Gehorsam. Gefordert ist von mir Nachfolge Christi in meinem Orden, in meiner Kongregation, in meinen Lebensaufgaben.

 

Benedikt sagt im Vorwort zur Regel weiter:

"Lasst uns unter der Führung des Evangeliums Wege gehen, die der Herr uns zeigt, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat" (Prol. 21)

Jeder Weg hat ein Ziel, jeder Weg hat seine Hoffnung. Der Weg Jesu hat seine Verheißung. Unter Führung des Evangeliums gehen wir diesen Weg der Hoffnung. Hoffnung ist in ihm, weil ihn Jesus uns zeigt. Hoffnung ist in ihm, weil er auf ihn hinführt. Christus ist der Weg und das Ziel des Weges, "damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat". Der ewige, lebendige, unwandelbare Gott selbst ist das Ziel unseres Weges. Gottes Reich ist unsere Hoffnung, dass Gott in unseren Herzen und in unserer Welt zur Herrschaft kommt. Gottes Reich aber ist kein Herrschaftsgebiet, kein Machtbereich, in dem es Herrscher und Untertanen gibt, sondern Gottes Reich ist er selbst. Und wir werden ihn schauen, wie er ist.

 

Er ruft uns in sein Reich, in seine Gemeinschaft, in seine Freundschaft, an seinen Tisch. Bilder für das, "was kein Auge geschaut, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott aber denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2, 9).

 

Benedikt weist uns den Weg: auf die Stimme Christi hören, Mut zum Gehorsam, auf seinem Weg gehen, in der Gemeinschaft des Ordens, in der Freundschaft der Weggefährten, unter Führung des Evangeliums, an seiner Seite, in sein Reich, "wo

Gott alles in allem sein wird" (1 Kor 15, 28).

 

Was aber ist nun des Abtes? Wie soll er sein? Wohin soll er seine Mönchsgemeinde führen? Es trifft sich gut, dass das Evangelium vom Guten Hirten am heutigen Tag, wo wir den Herrn um Berufungen bitten, vor uns steht und dem neuen Abt Hinweise für seinen Dienst als Abbas, als Vater der Mönchsgemeinschaft gibt. Und darum

bitten wir Gott für Sie, Abt Friedhelm, was im Weihegebet festgelegt ist:

"Gott, allmächtiger Vater,

du hast deinen Sohn in die Welt gesandt,

damit er den Menschen diene

und als Guter Hirte sein Leben hingebe für seine Herde.

Wir bitten dich:

Segne und stärke deinen Diener Friedhelm Tissen,

der zum Abt dieses Klosters gewählt wurde.

Gib ihm die Kraft, allen ein Vorbild klösterlichen Lebens zu sein

und sich des Namens würdig zu erweisen,

den er von nun an trägt: Abt, das heißt Vater.

Das Wort seiner Lehre werde zum Sauerteig,

der in den Herzen der Söhne wirkt,

damit sie in allem deinem Willen folgen.

Lass ihn bedenken, welch schweres und

mühevolles Amt ihm übertragen ist:

Menschen zu leiten und der Eigenart vieler zu dienen.

Lass ihn erkennen, dass es seine Aufgabe ist:

nicht so sehr anderen vorzustehen,

als vorzusehen, was ihnen hilfreich ist.

Gib ihm ein waches Herz,

dass er sich darum sorge,

keinen von denen zu verlieren,

die du ihm anvertraut hast.

Er sei um alles eifrig besorgt,

doch halte er Maß und treffe seine Weisungen so,

dass die Seinen wachsen in der Liebe zu Christus

und zu allen Menschen,

und dass sie mit freiem Herzen

den Weg der Gebote laufen.

Erfülle ihn mit den Gaben deines Geistes,

damit er zusammen mit seinen Brüdern deine Ehre suche und das Wohl der Kirche.

Er gebe Christus in allem den Vorrang

und lehre auch seine Brüder, Christus über alles zu lieben.

Wenn dann der Jüngste Tag kommt,

gib ihm mit seinen Brüdern Anteil an deinem Reich.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn."

 

Lieber Abt Friedhelm! Wir alle, die heute hier versammelt sind, beten für Sie und für Ihre Mönche. Möge das Kloster ein Zentrum für Spiritualität sein, eine Oase in der geistigen Wüste unserer Zeit, ein geistliches Labsal am Strom des kirchlichen Lebens. Gott segne Sie und Ihren Dienst in der Gemeinschaft Ihrer Mönche. Amen.

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Fotos der Abtsbenediktion
 
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Bischof Mussinghoff bei der Predigt

Blick in den Chorraum P. Albert, Pfr. Helmut Grauten (Alpen), Abt Friedhelm, Abtpräses Bruno, P. Oliver, Fr. Matthias (von links) Abt Friedhelm bei der Allerheiligenlitanei  

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Abt Friedhelm bei der Allerheiligenlitanei, im Hintergrund  Mönche von Kornelimünster, Siegburg und Gerleve

Der Bischof spricht das Segensgebet über den neuen Abt

Abtpräses Bruno und Bischof Mussinghoff übergeben Abt Friedhelm die Benediktsregel

Überreichung der Mitra...

 

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... und des Abtsstabs

Die Konzelebranten mit Diakon beim Hochgebet Die Konzelebranten mit Diakon beim Vater unser; im Hintergrund Mitglieder des Aachener Domkapitels, Priester und Ordensleute

Tante, Patentante und Mutter von Abt Friedhelm (von links)

 

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Blick in das Kirchenschiff

Blick in den Hochchor. In den Bänken: Schwestern und Brüder der benediktinischen Klöster Abt Friedhelm bei der Danksagung Abt Friedhelm und sein Vorgänger, P. Albert  

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Auszug

Mutter und Sohn

P. Albert, Bischof Mussinghoff, Abt Friedhelm, Abtpräses Bruno (von links)

"Herzlichen Glückwunsch!"

 

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Gratulanten

 

Der "frische" Abt

     

 

 

 

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