Neue Zukunft für den Altbau

Am 16. Oktober hat sich unser Konvent entschlossen, den straßenseitigen Gebäudeteil des Klosters und einen umgebenden Grünflächenanteil an einen privaten Investor, die Simon Bauträger GmbH, Magdeburg, zu veräußern. Der Vertrag wurde am Montag, 7. 11, unterschrieben. Die Abtei kann die von ihr unmittelbar genutzten Räume (Pforte / Verwaltung / Kursräume)  bis zum Ende März 2006 nutzen.

In unserem Besitz bleibt vom Altbau jener Abschnitt, der im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche in den 50-Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet wurde.

Der neue Besitzer will in dem Gebäude 19 hochwertige Wohnungen und eine Arztpraxis erstellen.

In dem Verkaufsprozess wurden wir durch die Kölner Immobilienfirma Pro Secur begleitet, beraten und vertreten. Das Unternehmen berät seit 1990 ausschließlich Ordensgemeinschaften, weitere kirchliche und caritative Körperschaften sowie Stiftungen. Pro Secur hat in Aachen auch die Veräußerung des Ursulinenkloster in der Hermannstr. und des früheren Provinzialats der Arnsteiner Patres am Eberburgweg begleitet.

Der Entschluss zur Veräußerung ist uns allen nicht leicht gefallen. Er ist ein Stück Abschied von der Heimat und der gemeinsamen und der je eigenen Geschichte. Er ist auch deswegen nicht leicht, weil die neuen Lösungen, die für Verwaltung und Pforte und für den Bereich der Tagungsräume gefunden werden müssen, Veränderungen des Kirchenvorbaus (Paradies) und evtl.  im Bereich der Kirche (neue Eingangssituation)  mit sich bringen. Auch hier ist Abschied und zugleich der Mut zu Neuem und zu Kompromissen notwendig.

Verschiedene Gründe haben uns zum Verkauf bewegt. Die Gesamtgebäudemasse unseres Klosters ist für unsere Gemeinschaft und ihre pastorale Arbeit seit langem und auch in absehbarer Zeit zu groß. Der Zuschnitt der einzelnen Räume im Altbau ist für Aufgaben, die wir selbst ins Werk setzen könnten, praktisch nicht zu optimieren. Eine Grundsanierung des 100 Jahre alten Gebäudeteils (ohne einen inneren Umbau für eine neue Nutzung) wurde vor einigen Jahren auf die Summe einiger Millionen DM geschätzt. Die laufenden Kosten des Altbaus wären auch bei einem Umbau so hoch, dass wir keine Chance sehen, sie durch Eigennutzung oder Vermietung zu erwirtschaften. Mit dem Verkauf erhalten wir einerseits einen finanziellen Betrag, den wir an anderer Stelle in notwendige Umbaumaßnahmen investieren können. Andererseits gehen Sanierung und Umbau des Altbaus nicht zu unseren Lasten. Die laufenden Kosten einer nur unvollkommen genutzten Baumasse nicht mehr tragen zu müssen, erleichtert ganz wesentlich das Marschgepäck für den Weg in die Zukunft. Das wehrt der Gefahr, dass das klösterlichen Leben in Kornelimünster an der auf Dauer nicht zu schulternden Baulast aufgegeben werden muss.


Mit dem Gedanken, den Altbau ganz abzureißen, wie uns vorgeschlagen wurde, konnten wir uns nicht anfreunden. Überlegungen, Altenwohnungen o.ä. einzurichten, wurden von potentiellen Investoren geprüft, aber als nicht wirtschaftlich nicht weiter verfolgt.

Die jetzige Entscheidung erhält das alte straßenseitige Klostergebäude und führt es einer lebendigen Nutzung zu. Die finanzielle Last des Unterhaltes dieses Gebäudes ist aber von den Schultern des Klosters genommen.

Der uns weiterhin gehörende Altbauabschnitt und der Paradiesbereich der Kirche werden die Funktionen übernehmen  können, die im bisherigen Altbau untergebracht waren (Pforte, Verwaltung, Kursräume). Den inneren Kirchenbereich werden wir wahrscheinlich nicht angreifen müssen. Die Nutzungsverbesserung des Paradieses scheint uns ein vertretbarer Kompromiss für Eingriffe in die momentane Situation zu sein. Die Neueinrichtung von Kursräumen wird die Infrastruktur für unsere Kurstätigkeit auf jeden Fall verbessern. Auch für andere Begegnungen (wie z.B. den sehr gut angenommenen monatlichen Frühschoppen) ist Raum vorgesehen.

Im Zusammenhang mit den Umbauarbeiten prüfen wir auch die Möglichkeit, den Kirchraum – erstmals nach 50 Jahren – neu zu streichen.

Der Erhalt des Altbaus gewährleistet insgesamt einen „Ruhe-Riegel“ für das klösterliche Leben und unseren Gästebereich. So kann auch künftig eine Atmosphäre der Einkehr und des Gebetes gelebt und angeboten werden.
 
Insgesamt ist die Entscheidung zum Verkauf des Altbaus eine Entscheidung unserer benediktinischen Gemeinschaft für den Standort Kornelimünster. Die 1000 Jahre der alten Reichsabtei und die 100 Jahre des neuen Klosters sehen wir als Verpflichtung und als Chance für die Gegenwart und Zukunft. Kornelimünster soll auch weiterhin von einem lebenden und lebendigen „monasterium S. Cornelii“ mitgeprägt werden.

Innerlich versuchen wir, die Situation im Kontext unserer benediktinischen Gelübde zu verstehen und zu bearbeiten. Wir sehen und hören in unserer deutschen und Aachener Kirche die Zeichen einer geminderten äußeren Absicherung und sind selbst davon betroffen (Hörbereitschaft, Gehorsam). Wir versuchen, uns der Trauer des Abschieds von Gewohntem zu stellen und den Mut zu Neuem zu wagen (conversatio morum). In all dem glauben wir an Gott, an die Kraft benediktinischen Zeugnisses und an den Klosterort Kornelimünster (stabilitas).


Der Entschluss zur Veräußerung des Altbaus wäre uns noch viel schwerer gefallen, wenn der Verkaufserlös nicht die Grundkosten der Umbauarbeiten für neue Lösungen erbringen würde. Das scheint – nach den ersten Kalkulationen – gesichert zu sein. Wie weit mit dem Verkaufserlös auch die weiteren Wünsche (z.B. Anstrich des Kircheninneren, Sanierung der äußeren Westfront der Kirche) und die sinnvolle Einrichtung der neu zu schaffenden Räume für Pforte und Kursbereich vorgenommen werden kann, hängt zum Teil davon ab, ob der geschätzte Kostenrahmen der Umbauarbeiten eingehalten werden kann. Sicher brauchen wir auch künftig Ihre Unterstützung. Dankbar sind wir für alle Hilfe, die Sie uns in den vergangenen Jahren geschenkt haben.

Der Beginn der Arbeiten im Bereich von Kirche und Paradies kann heute noch nicht genannt werden. Für vieles muss noch eine konkrete Planung vorgenommen werden. Auf jeden Fall hoffen wir, in ziemlich genau einem Jahr mindestens kurz vor dem Ende der Arbeiten zu stehen. Die Umbauarbeiten werden über längere Zeit Übergangslösungen und Behinderungen für den Pfortenbereich, für unsere Angebote und auch die Gottesdienste mit sich bringen. Details können wir im Moment noch nicht mitteilen. Wir werden uns auf jeden Fall bemühen, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten und auf einen zügigen Ablauf der Arbeiten zu drängen. Wir bitten hier um Ihr Verständnis und danken Ihnen schon jetzt dafür.

Die Aufgabe ist groß. Bitte, stehen Sie uns zur Seite. Ihre Freundschaft ist wichtig.

Die Mönche von Kornelimünster
Fotos: Abt Albert Altenähr OSB
051107


 

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