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Der alte Klosterbrunnen
Keiner von uns heutigen
Kornelimünsteraner Mönchen wusste, was aus dem alten Brunnen im
Binnenhof des Klosters geworden war, von dem die alten Patres immer
wieder erzählt hatten. P. Suitbert Brückmann, ein Mitbruder der
Gründungszeit vor 100 Jahren, hat in seinen Erinnerungen berichtet, dass
er ihn gegraben habe.
Das Häuschen über dem Brunnen
ist noch auf Fotos aus der Kriegszeit zu sehen und P. Gregor hat
seinerzeit erzählt, dass die Amerikaner so das eine und andere da
reingeschmissen hätten. In den frühen 50-er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts ist das Brunnenhäuschen abgerissen worden. Der Brunnen
selbst fiel in einen Dornröschenschlaf des mehr und mehr Vergessens, aus
den ihn nur gelegentlich sehr trockene Sommer weckten. Dann ahnte man
unter der Grasnarbe sein „Grab“.
Die Generation der „Alten“
lebt nicht mehr. Für uns „Jungen“ ist der Brunnen nur noch undeutliche
Geschichte. Seine Wirklichkeit heute …? … wahrscheinlich zugeschüttet,
verrottet.

So machten wir uns bei der
Planung der neuen Trasse für die verschiedenen Versorgungsleitungen,
die im Zuge des Umbaus 2007 nötig wurden, keine weiteren Gedanken. Und
wenn man auf die Überreste stoßen würde, könnte man einfach drüber
wegbaggern, … so dachte, wer zumindest an den Brunnen dachte.
Umso überraschter waren wir,
dass der Bagger tatsächlich auf den Brunnen stieß, - dass sein Mauerwerk
ganz intakt, - seine Oberkante sauber abgetragen und die Öffnung mit
einigen Betonplatten (in verlorener Schalung) korrekt abgedeckt worden
war. Als der Bagger eine Platte entfernte und wir einen Blick in den
Brunnen taten, staunten wir noch mehr:
Wie tief er ist!
Bis unten anscheinend voll
intakte Mauerung!
Und unten spiegelte uns auf
unruhiger Wasserfläche der frühe Abendhimmel Lichtpunkte herauf.

Das müssen wir genauer wissen!
… Wir messen: 9 m bis zum Wasserspiegel. Das Senkmaß sinkt weiter, …
sinkt, …sinkt, … bis es 27 m anzeigt. Also 18 m Wassersäule! Wow!!
Was machen wir mit dieser
„Reliquie“ unserer Klostergeschichte? Sollen, - wollen, - können wir den
Brunnen wieder in das Licht der Oberfläche auferstehen lassen? Da melden
sich Brunnenträume, die wir alle haben. Da tauchen aber sofort auch ganz
handfeste Fragen auf: - die Trasse der Versorgungsleitung, - Zufahrt für
die Feuerwehr in den Binnenhof, - Unterhaltskosten auf die Dauer, - die
Spannung von Ästhetik und Nutzen. Wir müssen darüber nachdenken und die
verschiedenen Aspekte abwägen.
Und
wenn wir uns dazu entscheiden, den Brunnen erneut ins Dornröschenreich
freizugeben, dann bleibt uns doch der Gewinn eines lebendigen Wissens:
Auch unser Kloster hat ein „Geheimnis“. Die „Alten“ hatten davon
erzählt, - wir „Jungen“ haben es im Oktober 2007 gesehen.

Abt Albert
Altenähr OSB
071009 |