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FAQ „Hochwürden, wie redet man einen Abt an?“
Mehr als zwanzig Jahre Erfahrung lassen mich
inzwischen auf jede Anrede reagieren, - am wenigsten allerdings auf die
mit meinem Taufnamen, denn außerhalb meiner Familie sind aus meiner
Schulzeit nur noch ganz wenige Bekannte geblieben. Der „Wilhelm“ ist
mehr oder weniger passé.
Für mich persönlich plädiere ich seit je für die
Anrede „Abt Albert.“ Sie entspricht den Anreden der Mitbrüder, die
bei uns mit „Pater N.N.“ oder „Frater N.N.“ angesprochen werden.
So einfach ich die Antwort auf die Frage gebe, so
kompliziert kann ich sie aber auch durch die Geschichte deklinieren.
Beginnen wir mit der Regel Benedikts. Benedikt weist
seine Mönche an, den Abt als „dominus et abbas – Herr und Abt“
anzureden. Modern verkürzt hieße das dann: „Herr Abt“. So modern,
fast geschäftsmäßig nüchtern wie Benedikts Anrede des Abtes heute in
unseren Ohren klingen mag, ist sie aber gar nicht. Benedikt begründet
seine Anredeform theologisch von der Christus-Aufgabe des Abtes in
seinem Kloster: „Der Abt aber werde mit ‚Herr’ und ‚Abt’
angeredet, weil man im Glauben erkennt, dass er Christi Stelle
vertritt“ (RB 63,13; vgl. RB 2,1-3).
Im Lauf von 1500 Jahren hat es natürlich auch im
benediktinischen Mönchtum Entwicklungen gegeben, die sich im Lebensgefühl
wiederspiegeln. Markante Zeichen solcher Entwicklungen sind im Süden
des deutschen Sprachraums heute noch die großen barocken
Klosteranlagen. In der Anrede des Abtes spiegelte sich das in Österreich
bis in die jüngere Vergangenheit in der Anrede „Herr Prälat“ –
das „a“ als langes, dunkles „o“ zu sprechen! – wieder. In der
Schweiz hieß es „gnädiger Herr“. Wenn ich es recht sehe, sind
diese beiden Anreden aber auch in Österreich und in in der Schweiz rückgängig.
Der Wiener Kongress am Ende der napoleonischen Zeit
hat sich auch mit Protokollfragen beschäftigt, und wie wichtig
protokollarische Fragen sein können, zeigt die Erfindung der „runden
Tische“, bei denen es kein „oben“ und „unten“ gibt, sondern
nur „Gleiche“ (... von denen manche durchaus „gleicher“ sind als
die anderen). Wenn es ganz offiziell „nach Protokoll“ geht, dann
lese ich auf den Briefadressen: „S.G. .... = Seine Gnaden ...“ Ich
werde bei dieser Titulatur sofort einen Zentimeter größer und setze einen Akt der Demut gegen die
Eitelkeit und den Stolz (... andererseits: warum eigentlich? Man gönnt
sich ja sonst nichts!). - "S.E. ... = Seine Exzellenz ..." ist
dann aber der Tropfen, der das Fass überfließen lässt. Adenauers
Protokollchefin, Erika Pappritz, würde tadelnd den Finger aus dem Grabe
schütteln lassen. Was zuviel ist, ist zuviel!
Im Aufblühen des Ordenslebens im weiteren 19.
Jahrhundert und im Reflex der damaligen Geistesströmungen betonte das
benediktinische Mönchtum vielfach ein „Familien-Konzept“ der Klöster.
Der „Vater Abt“ ist da fast die logische Anrede-Folge. Der Abt
redete bei Ansprachen seine Mönche dann wohl meist als "Geliebte
Söhne" an. Während die "Söhne" sich zwischenzeitlich
"verflüchtigt" haben, ist der "Vater Abt" geblieben
- ein Fels benediktinischer "stabilitas" im Sturmgeschehen der
Post-68-er Generation. „Vater
Abt“ ist innerhalb der Klöster Deutschlands heute die wohl am
weitesten verbreitete Anrede des Abtes und sehr viele Außenstehende,
sofern sie sich in unseren Klöstern ein wenig auskennen, benutzen
ebenfalls diese Anredeform.
Und da im Laufe einer echten oder vielleicht auch nur
„bemühten“ Ent-Klerikalisierung „Hochwürden“ gestorben ist,
ist auch der „hochwürdigste Herr“ verblichen. Auferstanden ist mit
„Herrn Müller“ der Zivilist „Herr Abt“ oder der noch zivilere
"Herr Altenähr".
Ach ja, und dann gibt es noch die beiden
"Rabauken", die ich vor Jahren getauft habe. Sie haben als
kleine Jungen das "Du, Abt, ..." kreiert und dabei ist es
geblieben
Wenn Sie mir schreiben, können Sie auf dem
Briefumschlag übrigens auch angeben: „An die Paters vom Kloster Kornelimünster,
z.Hd. ehrw. Schwester Oberin.“ Auch das kommt an.
... und wenn Sie jetzt gar nicht mehr wissen sollten,
wie Sie es denn richtig machen, sagen Sie einfach „Abt Albert“.
P.S.: Wissen Sie eigentlich, dass es auf unseren
Personalausweisen die Rubrik "Ordens- oder Künstlername"
gibt? Als ich mir seinerzeit den "Abt Albert" erstmals dort
eintragen lassen wollte, hatte der Beamte allerdings zunächst einige
technische Schwierigkeiten, da dieser Eintrag auch für ihn eine
Premiere war.
Fotos: Krümme des Abtsstabs
und Brustkreuz des Abtes
der Abtei Kornelimünster
Abt Albert Altenähr OSB
041208
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