Ehelo
 

 

 

FAQ: Klösterliche Ehelosigkeit

Ein Gespräch mit einer größeren Gruppe aus dem Münsterland, die unser Kloster 1997 besuchte. Es ging im Lauf des Gesprächs inzwischen um das ehelose Leben und die Zweifel, ob ein Mensch das so leben könne.

Eine Frau fragt: „Herr Pater, wie lange sind Sie schon im Kloster?“ - „36 Jahre.“
„Ich bewundere Sie ...“ ... und es klangt wirklich bewundernd.
Meine Gegenfrage: „Ich vermute, Sie sind verheiratet.“ „Ja.“
„... und wie lange schon?“ – „35 Jahre.“
„... und immer mit demselben Mann?“ Überrascht und leicht verunsichert die Antwort: „Ja-a!“
„Ich bewundere Sie!“ ... ...

Es ist beileibe nicht so, dass ich die Frage nach der Ehelosigkeit nicht verstehe. Ich sehe und spüre selbst hinreichend deutlich und oft, dass ich da etwas Gutes und durchaus Begehrenswertes nicht habe. Ich weigere mich allerdings, die Frage nach Ehe und Ehelosigkeit als die Zentralfrage des Ordenslebens und Priestertums zu betrachten. Ob mit der allgemeinen Möglichkeit für Priester zu heiraten, alles oder auch nur etwas gelöst wäre, kann m.E. nur hypothetisch beantwortet werden.

In der öffentlichen Diskussion ist nicht immer deutlich, dass der Zölibat der Priester weder in der theoretischen Begründung noch in der geschichtlichen Entwicklung identisch ist mit der Ehelosigkeit der Ordensleute. Seit den Anfängen des Mönchtums gehört die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen zum Selbstverständnis der Ordensleute dazu. Der Zölibat der Priester hat sich dagegen erst später zu der klaren Forderung entwickelt, die heute gilt und die heute so stark hinterfragt wird.

Wenn Ehe und Familie mehr ist als Befriedigung des Sexualtriebs und sich nicht in den Highlights von Hoch-Zeiten erschöpft, dann sind sie eine außerordentliche Herausforderung, von der man nicht erwarten kann, dass sie zu jedem Zeitpunkt glückt. Von daher wird man wohl auch kaum sagen können, dass Eheleute zu jeder Zeit „glücklich“ sind. Dieser Anspruch ist schlicht eine Überforderung.

Warum reduziert man eigentlich die Frage des ehelosen Lebens auf die Frage nach der Sexualität? Wichtiger als die Frage der Sexualität scheint mir die Frage nach der Beziehungsfähigkeit und nach den zwischenmenschlichen Beziehungen zu sein. Und die Beziehungsvielfalt und Beziehungstiefe ist mit der Frage nach eventuellen Sexualkontakten noch gar nicht angesprochen.

Ich bin genauso wenig immer „glücklich“ mit meiner Ehelosigkeit, wie ich vermute, dass Eheleute immer glücklich in ihrer Ehe sind, aber dass ich mich deshalb nur als halber Mensch fühle, kann ich wirklich nicht sagen. Wie für die Entscheidung für einen konkreten Ehepartner so gilt auch für die Entscheidung zu einem ehelosen Leben: Was mache ich aus dieser Entscheidung?! Was investiere ich, damit die einmal gefällt Entscheidung „lebendig“ bleibt?!

Abt Albert Altenähr OSB
020521

 

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