Ehelo
 

 

 

FAQ Glücklich im Kloster?

Die Frage „Sind Sie glücklich im Kloster?“ überrascht mich immer wieder neu.

Die Frage zielt auf in den innersten Bereich meines Lebens. Erwartet der Fragesteller, den ich vielleicht gar nicht kenne, wirklich, dass ich ihn in mein Innerstes hineinschauen lasse und das u.U. noch in einem größeren oder gar großen Kreis von Menschen? Ich muss mich – je häufiger ich die Frage höre – schon ein wenig überwinden, dem Fragenden nicht entgegenzuhalten: „Sie haben kein Recht darauf, dass ich Ihnen mein Innerstes öffne.“ Auch ich beanspruche für mich den Schutz des Intimbereichs meiner Seele.

Ich gehe aber durchaus auf die Frage ein, denn sie fragt nur vordergründig nach meinem persönlichen Glück, sondern in der Tiefe nach dem Klosterdasein und der Möglichkeit, als Mönch glücklich zu werden. Ich bin in dem konkreten Gespräch „nur“ die „Testperson“, die man halt gerade fragen kann. Ich antworte also ... in einer Mischung von persönlichen Erfahrungen und allgemeineren Überlegungen zum Thema der Frage.

Ich frage mich und stelle in meiner Antwort immer auch die Frage: „Was bringt es Ihnen, dem Fragenden, wenn ich so oder so antworte. Meine persönliche Antwort ist nicht Ihre Antwort. Wenn ich bekenne 'Ich  bin glücklich im Kloster’, dann ist das zwar meine Antwort, aber es ist nicht die meines Mitbruders ‚x’. Und selbst, wenn Sie alle Mitbrüder eines Klosters befragt und von allen dieselbe positive Antwort ‚Ja - ich bin glücklich im Kloster’ erhalten hätten, würde das noch nichts darüber aussagen, ob auch   S i e   im Kloster glücklich wären.“

Ich habe glückliche und weniger glückliche Phasen in meinen Klosterjahren erlebt. Dabei gab es in den einen wie in den anderen Phasen immer auch Bereiche, in denen genau das Gegenteil von der beherrschenden Stimmung sichtbar war. Dass sich immer alles auf gleicher Höhe oder auch gleicher Tiefe abspielt, das ist wohl genauso wenig im Klosterleben der Fall wie im Leben wo auch sonst immer. Es ist irreführend, wenn man alles in den einen Fragetopf  „Bist du glücklich?“ hineinverrühren will. Irgendwie kommt mir darum die undifferenziert summarische Frage nach meinem Glück - und erst recht eine summarische Antwort - „unerwachsen“ vor. Ich schwebe nicht auf Wolke 7, bin aber deswegen noch lange nicht unglücklich.

Eines habe ich in den vierzig Jahren meines Lebens im Kloster allerdings gelernt. Wo ich Engagement und Einsatz für eine Sache zeige und wirklich Qualität „abliefern“ will, da steigt die Chance, dass etwas gelingt, - glückt. Die Zufriedenheit, die sich mit dem Gelingen einstellt, ... ist sie nicht vielleicht schon so etwas wie Glück? ... – zumindest der Nährboden für Glück? Glück verlangt auch im Kloster Engagement und Einsatz: im Zusammenleben der Mitbrüder, - im Eindringen in den Geist der Heiligen Schrift und der Regel, - in den Inhalt und den Gehalt der Liturgie, - in die konkreten Einzelaufgaben, die mir zugetraut werden ... Geschenkt wird einem das Glück nicht, aber wenn es sich einstellt, dann ist es ein Geschenk!

Die Chance, im Kloster glücklich zu sein, ist nicht geringer als sonstwo auf der Welt.

Abt Albert Altenähr OSB
020626

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