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Das Grab des hl. Kornelius
in der Callixtus-Katakombe
zu Rom

Alles fing in einem zusammenfallenden
Geräteschupen an, der früher einmal als Kirchlein auf dem Gelände der
Callixtus-Katakombe gedient hatte: 1849 in dem ehemaligen Kirchlein
Sankt Xystus II. (latinisiert: Sixtus). Giovanni Bapt. de Rossi fand
dort ein Marmorfragment mit der Inschrift „NELIUS MARTYR“. Er
kombinierte und ergänzte zu „CORNELIUS MARTYR“. Seine Gedanken führten
ihn zu der Hypothese, dass ein solches Marmorfragment, wenn es nicht
gerade einem Fachmann oder einem Sammler in die Hände fällt, kaum weit
von seinem Herkunftsort herumliegt und das Korneliusgrab darum in der
Nähe zu finden sein müsse. Grabungen in dem noch unerforschten Gebiet um
die kleine Xystus-Kirche der durchaus schon bekannten
Callixtus-Katakombe ließen ihn einige Jahre später ein zweites Fragment
mit den Buchstaben „COR“ und darunter „EP“ (= episcopus – Bischof) und
schließlich ein drittes ohne Buchstaben finden. Alle Fragmente passten
in der Zusammensetzung sehr gut in die Graböffnung, in der man Fragment
2 gefunden hatte. Außerdem erlaubten Mörtelreste an dem Grab die Dicke
der Verschlussplatte festzustellen und die Maße passten perfekt zu den
gefundenen Fragmenten.

Heureka! De Rossi hatte das Grab des
Papstes Kornelius gefunden. Das war eine Sternstunde der
Katakomben-Archäologie. De Rossis Fund gab ihr einen so großen
Aufschwung, dass man ihn ohne weiteres als Geburtsstunde der modernen
Katakomben-Erforschung bezeichnen kann. Das Grab Kornelius’ ist das
einzige Papstgrab in den römischen Katakomben, das präzise lokalisiert
worden ist. Bei der sog. Papstkapelle in den Callixtus-Katakomben kann
man zwar sagen, welche Päpste hier bestattet wurden, aber man weiß
nicht, wer in welcher Grabnische beigesetzt worden war.

Eine Bestätigung, dass man es bei dieser
Grabnische mit einer seit alters hoch verehrten Stelle der Katakomben zu
tun hat, zeigen die Fresken, die sie umgeben. Das Grab liegt zwar mehr
oder weniger „am Wege“ und nicht in einer größeren Kapelle, aber es
sticht durch seine Ausgestaltung doch markant unter den einfachen
Grabstellen hervor. Vier große Heiligenbilder schauen den Besucher an.
Den Beischriften ist zu entnehmen, dass es sich um Xystus, Cornelius und
Cyprian handelt. Der Name des vierten Heiligen ist nicht erkenn- oder
erschließbar. Die Datierung der Fresken schwankt zwischen dem 6. und
späten 8. Jahrhundert.

Spannend war noch einmal das Puzzle um die
Marmorfragmente mit den Textresten über dem Stein mit dem Namen. Die Art
der Buchstaben weisen darauf hin, dass es sich um eine der vielen
Grabinschriften handelt, die Papst Damasus (366-384) verfasste. Knapp
die Hälfte des Textes konnte in den Fragmenten rekonstruiert werden.
Durch Studien über den Wortschatz des Damasus in seinen anderen
Grabinschriften, ihren Rhythmus, möglichen Wortlängen und überhaupt den
vorhandenen Platz auf der ganzen Platte kam de Rossi zu einer
Textrekonstruktion, die von Arbeiten des Damasus am Grab des Kornelius
berichtet:
Sieh, eine Treppe ist gebaut, die
Dunkelheit vertrieben.
Du siehst das Denkmal des Kornelius und sein heiliges Grab.
Dieses Werk ließ die Fürsorge des kranken Damasus ausführen,
damit ein leichterer Zugang gegeben und dem Volkdie Hilfe des Heiligen
zugänglich werde, und auch – wenn du mit reinem
Herzen bittest, Damasus wieder gesund sich erheben könne.
Ihn hält nicht die Liebe zum Licht, wohl aber die Verantwortung des
Amtes.
P. Albert Altenähr
090709 |