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Eine Kornelius-Legende
Über den Ursprung der Hinkelsteine in der
Bretagne
Freunde
besuchten mich auf der Rückfahrt aus ihrem Urlaub in der südlichen
Bretagne. Sie erzählten von dem großen Hinkelstein-Feld bei Carnac mit
seinen rund 3.000 Hinkelsteinen. In den Benediktinerklöstern Kergonan
und Kerbeneat hatten sie nach Kornelimünster hinübergedacht. Und sie
waren überrascht, in Carnac eine Kornelius-Kirche gefunden zu haben.
Noch überraschter waren sie dann aber, dass ich –
der ich noch nie in der Bretagne gewesen bin – ihnen einiges erzählen
konnte, das ihren Ferieneindrücken noch einen besonderen Farbtupfer gab
und gibt.
Der heilige Kornelius ist in der Bretagne und
besonders im Süden einer der bekanntesten Heiligen. Aber auch in
Cornwall, auf der anderen Seite des Ärmelkanals – chez les Bretons
d’outre-Manche –, findet man das Kornelius-Patrozinium. Der älteste
Beleg für das Kornelius-Patrozinium von Carnac führt in das 9.
Jahrhundert. Es ist genau die Zeit, in der nach der hiesigen Tradition
Kaiser Karl der Kahle Kornelius-Reliquien nach Kornelimünster brachte.
Es kann gar nicht verwundern, dass der
„Hinkelstein-Wald“ von Carnac zu vielfältigen Legenden führte. Und
genauso wenig wird es verwundern, dass die Verehrung des heiligen
Kornelius sich mit den Erzählungen über die Hinkelsteine verbunden
hat. Zeugnis für die auch heute lebendige Verbindung ist die
Bezeichnung „Soudarded sant Korneli = Soldaten des hl. Kornelius“ für
die in geordneten Reihen dastehenden Riesensteine.
*
Die Legende erzählt: Um das Jahr 253 erfuhr der Papst
Kornelius, dass missgünstige Bürger Roms schlimme Gerüchte über ihn
verbreitet hatten und der Kaiser ihn darum zum Exil verurteilt hatte. Er
hatte auch erfahren, dass die Soldaten einen Zwischenfall herbeiführen
und ihn dann nicht ins Exil führen sondern gleich in die Kampfarena
bringen wollten, um ihn in Qualen sterben zu lassen.
Nun, man kann Papst sein, ohne die Berufung zum
Martyrium in sich zu fühlen. So schien es Kornelius angebrachter zu
sein, gleich seine Habseligkeiten zu packen und Rom auf das schnellste
zu verlassen. Er schlug den Weg nach Nord-Westen ein, - begleitet nur
von zwei Ochsen, die sein Gepäck trugen und die er auch als Reittiere
nutzen konnte, wenn er vom Weg müde geworden war.

Kornelius hatte noch nicht die Alpenpässe erreicht,
als ihm ein Engel in Gestalt eines Murmeltieres erschien. Durch sein
Pfeifen machte es ihn auf sich aufmerksam und teilte ihm mit, dass eine
römische Armee ihn verfolge und er darum seinen Marsch beschleunigen müssen.
Glücklicher- und wunderbarerweise erhielten seine Last-Ochsen auch
sofort die Gabe, so schnell wie Pferde voran zu kommen. Kornelius zog
durch ganz Gallien und erreichte die Bretagne, ohne von seinen
Verfolgern eingeholt zu werden. Er wanderte um die Bucht von Morbihan,
zog durch Auray und nahm den Weg nach Carnac.
Auf einem Acker am Weg sah Kornelius Bauern bei der
Aussaat von Hafer. Da er ein umgänglicher Mann war, hielt er kurz inne
und sprach mit den Bauern ein wenig über ihre Arbeit.
- Alors, ihr seid dabei zu säen?
- Ganz recht.
- Und was sät ihr da gerade?
- Das ist Hafer.
- Eh bien, ich will ein kleines Wunder wirken, - ... hatte schon lange
keine Gelegenheit mehr dazu und das fehlt mir ein bisschen. Den Hafer,
den ihr heut sät, werdet ihr morgen ernten können.
Die Bauern schauten ihn verblüfft an und fragten
sich, was für ein Narr das sei. Sie machten einfach ihre Arbeit voller
Fleiß weiter. Am nächsten Morgen waren sie aber mehr als überrascht,
als sie ihren Hafer, den sie am Vortag gesät hatten, mit schweren Ähren
auf vollem Halm und reif zur Ernte sahen. Sie hielten sich nicht lange
mit der Frage auf, wie das wohl geschehen war, sondern holten schnell
ihre Sensen, um die unverhoffte Ernte einzubringen.
Genau in diesem Moment tauchten die römischen
Soldaten auf und sind drauf und dran, den Flüchtling einzuholen. Auch
sie hatten die Straße nach Carnac eingeschlagen. Ihr General fragte im
Vorbeimarsch:
- Habt ihr vielleicht einen Mann mit zwei Ochsen hier
vorbeikommen sehen?
- Haben wir.
- Einen schwarz-bunten und einen rot-bunten Ochsen? Beide mit großen Hörnern,
wie die italischen Ochsen sie haben?
- Genau.
- Wann habt ihr sie
gesehen?
- Eh bien; das war, als wir diesen Hafer gesät
haben.
- Absolut sicher.
Der General verzog sein Gesicht vor Enttäuschung.
- Dann ist es unnütz, dass wir weiterziehen. Wir erwischen sie nicht
mehr. Er hat zuviel Vorsprung. Wir schlagen hier das Lager auf.
Während
die Römer ihre Zelte aufschlugen, beobachtete Kornelius die Umgebung.
Er war sich klar, dass er sich nicht mehr retten konnte, denn vor sich
hatte er nur das große Meer und hinter sich das Römerlager. So suchte
er sich zu verstecken. Aber er war auf einer kahlen Heidefläche, auf
der weder der kleinste Strauch wuchs noch eine noch so bescheidene Hütte
stand. So entschloss er sich, sich im Ohr eines seiner Ochsen zu
verstecken. Das war nicht gerade bequem, denn es war wirklich nicht sehr
groß, aber so konnte er wenigstens von den Soldaten nicht gesehen
werden.
So verbrachte er die Nacht, ohne entdeckt zu werden.
Am Morgen steckte er die Nase heraus, um die Bewegung des Feindes zu
beobachten. Helas! ... das Heer stellte sich in Marschformation in
Zehnerreihen auf, - zweifellos mit der Absicht, die Heide zu durchkämmen.
Da verließ Kornelius sein Versteck, und gerade als
die drei Kohorten sich auf ihn stürzen wollten, breitete er die Arme
aus, sprach eine Zauberformel auf Lateinisch und verwandelte die
Soldaten in Steine, - ... in große Steine. In Bretonisch heißt „großer
Stein“: Menhir.
Et voilà, so findet man auf der Heide bei Carnac
unweit der Küste ein großes Feld mit tausenden von Menhiren. Sie
stehen in Reih und Glied da wie ein Heer in Marschordnung. Die in Steine
verzauberten römischen Soldaten stehen seit der Zeit des Kornelius auf
der Heide und man kann sie auch heute noch da stehen sehen.
*
Natürlich wird es kaum einen der Leser dieser Zeilen
wundern, dass sich auch die erfolgreiche Comic-Reihe über Asterix
und Obelix irgendwann einmal Gedanken über das Hinkelstein-Feld von
Carnac gemacht hat. Leider habe ich die entsprechenden Hefte der Reihe
nicht zur Hand und kann zur Zeit nur auf das verweisen, was ich dazu im
Internet gefunden habe:
Abt Albert Altenähr OSB
030901
Das 3. Bild dieses Beitrags zeigt Papst
Kornelius flankiert von zwei Reliefs mit Ochsen und Großsteingräbern.
Carnac, St. Corneille, 1639; Aufnahme: M. Pölling-Rupieper, Sept. 2003.
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