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Notweg nach Emmaus - Lichtweg nach Jerusalem
Lesung und Ansprache zur zeitlichen Profess von Frater Simeon Lüdke, 5.
April 03
Aus
dem 4. Kapitel der Regel
des heiligen Benedikt:
Die Werkzeuge
der geistlichen Kunst
1.Vor allem: Gott, den Herrn,
lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer
Seele und mit ganzer Kraft.
2. Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.
3.Dann: nicht töten.
4.Nicht die Ehe brechen.
5.Nicht stehlen.
6.Nicht begehren.
7.Nicht falsch aussagen.
8.Alle Menschen ehren.
9.Und keinem anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte.
14.Arme bewirten.
15.Nackte bekleiden.
16.Kranke besuchen.
17.Tote begraben.
18.Bedrängten zu Hilfe kommen.
19.Trauernde trösten.
21.Der Liebe zu Christus nichts
vorziehen.
46.Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Lieber
Frater Simeon,
liebe Mitbrüder, Schwestern und Brüder!
Immer wieder versammeln wir Mönche
uns zur Statio vor den Gottesdiensten vor dem Bild der
Emmausjünger.
Sie sind nach dem schockierenden Tod ihres Meisters auf dem Suchweg in
eine neue Zukunft. Schemenhaft vage geht etwas, - geht einer mit ihnen
und schürt ein Feuer, das Wärme und Licht verspricht. Sie möchten
mehr erfahren und laden den Unerkannten in ihre Nacht und Herberge ein.
Aber noch sind ihre Augen wie mit Blindheit geschlagen.
Dann aber fallen die Augenschleier
und sie erkennen Ihn, den Herrn. Sie erkennen Ihn beim
freundschaftlichen Mahl, - beim Teilen des Brotes, - an seiner Teilnahme
an ihrem Hunger und Durst. Sie erkennen Ihn, weil sie Ihn an ihrer Not
teilnehmen lassen und weil sie sich von Ihm etwas geben zu lassen bereit
sind. Der gemeinsame Weg, das gemeinsame Innehalten, das gemeinsame Mahl
öffnen das Herz und den Blick.
Dann eilen sie zurück. Sie sonnen
sich nicht ein in das neue Licht, das ihren Abend erhellt, sondern sie
wollen und sind von innen heraus gedrängt, ihr neues Licht vor den Brüdern
im dunklen Jerusalem auszubreiten. Er lebt! Und in Jerusalem dürfen sie
erfahren, dass Er dort ganz anders und doch genauso gewirkt hat. In
mitteilender Freude werden die von Emmaus und die in Jerusalem noch
einmal und noch weiter bestärkt: Er lebt!
Wo Sie, Frater Simeon, in dieser
Stunde der Ablegung Ihrer ersten Mönchsgelübde auf dem Emmausweg jetzt
stehen, will ich gar nicht detailliert in die ausgemalte Szene
hineinlesen, - es sei denn, dass ich sage: Sie stehen an der Schwelle
eines der drei Wegschritte, die ich genannt habe. Von meinem eigenen Gefühl
her könnte ich vermuten, dass Sie sich an der Schwelle der
Emmaus-Herberge vorstellen können – mit dem Hunger und Durst, in der
Gemeinschaft des Teilens mehr von Ihm zu erfahren.
Wo auch immer Sie selbst oder wir,
Ihre Mitbrüder in der Profess, und Sie, unsere Schwestern und Brüder
im Glauben, uns in der Emmausszene jetzt wiederentdecken mögen, - ...
alle drei Wegabschnitte werden sich mehr als einmal auf unserem Lebens-
und Mönchsweg wiederholen. Wir sind immer noch und kommen immer wieder
in dunkle Wegabschnitte nach Emmaus. Emmaus selbst ist in unseren
Dunkelheiten ein stetes Angebot des Glaubens an Gefährtenschaft,
teilende Brüderlichkeit und das Geschenk der Einkehr. Und der Aufbruch
der beiden Jünger von Emmaus in den nächtlichen Lichtweg nach
Jerusalem erinnert uns stets daran, dass uns Glaubens- und
Christuserfahrung nicht nur zu eigenen Freude und Seligkeit geschenkt
wird, sondern zur Weitergabe an die Brüder in der Dunkelheit.
Und was hat Emmaus, wie ich es uns
gerade als geistliches Brot zu brechen versuchte, mit den Regelversen zu
tun, die wir zuvor gehört haben? Ein geistlicher Mensch im Sinn
Benedikts ist nicht einer, der mit geschlossenen Augen geistlicher
Laubenpieperei und pseudoinnerlicher Versponnenheit nachhängt. Dem
Benediktschüler werden vielmehr die Emmausaugen für die Bedürfnisse
der Menschen in Jerusalem geöffnet. In den Werkzeugen der geistlichen
Kunst werden uns keine weltenthobenen Himmelsflüge vorgestellt, sondern
die Alltagsnot der Welt. Um diese Not in vielleicht in noch kleinere
geistliche Münze als die zehn Gebote und die Werke der Barmherzigkeit
umzutauschen: Der Tischdienst in der Gemeinschaft z.B. ist dann ein
geistlicher Dienst, wenn er mit allgegenwärtigen Augen sieht, wo etwas
den Brüdern bei Tisch fehlt, um es ihnen zu reichen. Oder: die Lesung
bei Tisch ist dann ein geistlicher Dienst, wenn sie nicht in
privatisierender Stimmlage gelesen wird, sondern die Brüder erreichen
will. Der Bruder ist nicht der, der mich in meiner Innerlichkeit gefälligst
nicht zu stören hat, sondern er ist der störende Christus, der mich zu
Leben wecken will.
Lieber Frater Simeon, wollen Sie
Emmaus als eigene Sehnsucht, als Einkehr beim Herrn und als Leucht- und
Tatzeichen für die Schwestern und Brüder leben? Wenn Sie dazu bereits
sind, dann heißt Sie der Weggefährte von Emmaus willkommen.
Abt
Albert Altenähr OSB
030405
Benediktiner@abtei-kornelimuenster
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