
Verschiedenes aus der Abtei
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In
vinculo pacis
Predigt
zum „Tag der Freunde“, 13. Juli 2003
Epheser
4,1 Ich, der ich um des
Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das
des Rufes würdig ist, der an euch erging. 2 Seid demütig, friedfertig
und geduldig, ertragt einander in Liebe, 3 und bemüht euch, die Einheit
des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. 4
E i n Leib und e i n Geist, wie
euch durch eure Berufung auch e
i n e gemeinsame Hoffnung
gegeben ist; 5 e i n
Herr, e i n
Glaube, e i n e
Taufe, 6 e i n
Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in
allem ist.
Lukas
22,24 Es entstand unter
den Aposteln ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei.
25 Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen
lassen sich Wohltäter nennen. 26 Bei euch aber soll es nicht so sein,
sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende
soll werden wie der Dienende. 27 Welcher von beiden ist größer: wer
bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt.
Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Lesung aus dem Epheserbrief und der Abschnitt aus
dem Lukas-Evangelium sind die Texte, die das Messformular unseres Ordens
für das Fest des hl. Benedikt am 11. Juli vorsieht. Aus der Lesung ist
das Wappenwort unseres Klosters entnommen: „In vinculo pacis –
Friede, der zusammenhält“. Schauen wir uns die Texte an, um ihr
Programm zu erkennen und um dieses Programm abzuklopfen auf seine
Programmatik für das Christsein allgemein und die Linie, die es unserem
Kloster anempfiehlt.
„In vinculo pacis“ – das lässt sich - losgelöst
aus dem Textzusammenhang, aus dem das Wort kommt, und gefüllt mit den
Vorstellungen, die man so von einem Kloster hat - traumhaft schön übersetzen:
Das Kloster ist ein Ort des Friedens, wo alle liebenswert sind und
liebevoll miteinander umgehen. Eigene Verspannungen und Spannungen
untereinander werden vor dem Wappenschild an der Klosterpforte abgelegt
und haben keinen Platz in den Kreuzgängen, Räumen und Zellen des
Hauses. Wer als Gast oder gar als Novize ins Kloster eintritt, findet die
heile Welt des Friedens auf Erden. Und wo ein Kloster dieses Ideal
„Traumschiff Kloster“ nicht verwirklicht, da hat es seine
christliche Höhe verfehlt oder verloren.
Was zeigt uns das Evangelium? ... eine streitende
Apostelgruppe. Jesus jagt die zwölf nicht zum Teufel, um sich eine
andere, friedvollere Truppe zu suchen. Er schwingt auch nicht Harry
Potters Zauberstab und verwandelt sie alle in sanfte Lämmer. Er
verschließt auch nicht die Augen vor dem Streit der Jünger, um das
Himmelreich des Friedens in den Wolken zu bauen. Jesus hält die Apostel
aus. Er geht mit ihnen weiter den Weg auf Erden. Er zeigt ihnen das
Ziel, den Frieden, der aus dem Dienen entsteht. Sich selbst bietet er
als Modell an, an dem die Apostel sich immer wieder orientieren können.
Die Apostel sind eine Gemeinschaft auf dem Weg zum Frieden. Sie haben
einen weiten Weg vor sich. Ihr Weg ist die Kirche auf Erden. Ihr Ziel
ist das Reich Gottes.
Paulus seinerseits beschreibt im Epheserbrief keine
wunderbare Friedensfülle in seiner Gründung. Er mahnt und beschwört
die Gemeinde vielmehr, sich gegenseitig zu ertragen und sich zu bemühen,
die Einheit des Geistes zu bewahren „in vinculo pacis“ – durch den
Frieden, der sie zusammenhält. Wie quirlig spannungsgeladen, - wie
quirlig spannend und lebensnah muss es in der Gemeinde von Ephesus
gewesen sein, dass Paulus sich genötigt sah, so intensiv das
E i n e und den E i n e n in die
Mitte seiner Gedanken zu stellen. Christen leben nicht eine
Glaubensoperette der Walzerseligkeit, sondern sind Wanderer durch die
Steinwüsten des häufig zitierten „richtigen Lebens“ zur Oase des
Friedens. Die Bilder des Propheten Elija in unserer Kirche oder der Emmausjünger
im Kreuzgang des Klosters sind uns Mönchen Mut machende
„Landkarten“ für diesen Weg .
Der Friede aber, der uns hält und zusammenhält, -
das ist Jesus Christus selbst. Er steht uns vor Augen und er will in uns
hineinwachsen. Christlicher Friede ist nie ein irgendwie erreichter
Ist-Zustand, sondern ein Prozess voller Lebendigkeit und Unendlichkeit.
K r i e g e zwischen
Nationen, - in der Kirche und in all ihren Gliederungen, - in
Lebensgemeinschaften oder zwischen Einzelnen lassen sich eigentlich alle
leicht und schnell gewinnen. Den F
r i e d e n zu erobern, das
ist Langzeit-, ja: Lebensaufgabe. Von ihr glauben wir Mönche, dass sie
den Lebenseinsatz lohnt.
„In
vinculo pacis!“ Traut dem Frieden – Christus!
Wagt den Frieden – Christus!
Lebt den Frieden – Christus!
Abt Albert
Altenähr OSB
030712
24. Juli: In den „Aachener
Nachrichten“ erscheint ein Bericht über den „Tag der Freunde“ (13. Juli). Die Predigt fasst er wie folgt
zusammen: Die biblischen
Texte der Lesungen zeigen, „dass
christliches Friedensverständnis nicht oberflächige Glätte predigt,
sondern durchaus mit heftigem Wellengang einhergehen kann. ‚Das
Kloster ist ein Ort des Friedens, wo alle liebenswert sind und liebevoll
miteinander umgehen’, so seine (= des Abtes) Ausführungen. Frieden zu
erobern , so der Abt, sei eine Lebensaufgabe.“ – Spürte der
Verfasser dieses Berichtes nicht, dass sein einleitender Satz sich mit
dem folgenden wörtlichen Zitat „stößt“? Wird in dem aus dem
Zusammenhang genommenen Zitat nicht der Eindruck erweckt, als habe der
Abt ernsthaft behauptet, im Kloster gehe es schlicht und einfach
liebenswert und liebevoll zu, - Kloster sei halt doch „Friede, Freude
... Eierkuchen“? Die Passage, aus der das Zitat stammt, nimmt klar und
deutlich die Klischee-Vorstellungen über Klöster aufs Korn. Das kommt
in dem Zeitungsbericht in keinster Weise zum Ausdruck. Jedes einzelne
Element dieses Berichts stimmt, aber die Zusammenfassung ist als Ganzes
von vorne bis hinten weder in sich selbst noch als Wiedergabe der
Predigt stimmig. ...Schludrig!!
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