
|
Predigt am "Tag der Freunde 2006"
65. Geburtstag Frater Egilhard
Silbernes Priesterjubiläum P. Friedhelm
27. August 2006
"... zu wem sollen
wir gehen ..."
Evangelium: Johannes 6,60-69
60Viele seiner Jünger, die
ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das
anhören? 61Jesus
erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt
ihr Anstoß? 62Was
werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin,
wo er vorher war? 63Der
Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte,
die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
64Aber
es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von
Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten
würde. 65Und
er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen,
wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
66Daraufhin
zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
67Da
fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
68Simon
Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des
ewigen Lebens. 69Wir
sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Lieber Frater
Egilhard,
lieber Pater Friedhelm,
liebe Schwestern und Brüder!
Als
Klostergemeinschaft und als einzelne in ihr feiern wir in diesem Jahr
2006 markante Zeiträume:
100 Jahre Rückkehr der Benediktiner nach Kornelimünster
50 Jahre Weihe der Abteikirche
80 Lebensjahre von Frater David,
und heute den 65. Geburtstag von dir, Frater Egilhard, vom gestrigen
Samstag,
und bei dir, P. Friedhelm, auf den Tag genau 25 Jahre der Priesterweihe
Wir feiern die
tagesaktuellen Jubiläen, aber auch die anderen Festtage im Fest, das wir
seit vielen Jahren „Tag der Freunde“ nennen. Mit Frater Egilhard und P.
Friedhelm haben wir alle allen Grund zur Freude.
Das Tages-Evangelium
kann uns Blick-richtungsweisend sein für den Gehalt aller Jubeltage
dieses Jahres. Es richtet unseren Blick nach vorne. Es schönt nicht
den Weg als ein heiteres Trallala, sondern stellt vor Herausforderung,
Entscheidung und Verheißung. Petrus und alle Jünger und die Juden
insgesamt schluckten tief, als Jesus den Weg mit ihm skizzierte und
viele zuckten buchstäblich zurück. Petrus aber entwirft sich in
hoffnungsvoller Verzweiflung nach vorne hin und bekennt:
„Herr, zu wem sollen
wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben
gekommen
und haben erkannt:
Du bist der Heilige Gottes.“
Du, Egilhard, zählst
heute deine Lebensjahre. Es sind Familien- und Freundschaftsjahre,
Arbeitsjahre und Berufungsjahre. In den letzten Wochen und Monaten hast
du immer wieder die 65 als Eintritt in das Rentenalter kokettierend
herausgestellt. Reduziere deine Jahre nicht auf die Arbeitsjahre hin,
wie Gesetz und Sozialversicherung sie uns vorzeichnen. Du bist mehr als
deine Arbeitskraft. Du bist du, - Bruder und Onkel, - Mitbruder, Freund
und Mitmensch. Und du bist vor allem Geschöpf und Kind des lebendigen
Gottes, der dich lebensvoll geschaffen hat und dich so in die Zukunft
gehen sehen will. Deine Zukunft ist Leben, - ewiges Leben. Egilhard, sei
nicht müde, - bleibe wach. Setz dich nicht zur Ruhe; schreite aus.
Du, Friedhelm, zählst heute deine
Priesterjahre. Sie sind gefüllt mit Amtsvollmacht, die du immer wieder
in Verantwortung für die Eucharistie und die anderen dem Priester
anvertrauten Sakramente hast feiern dürfen und müssen. Die Gemeinde
Gottes erwartet und erhofft vom Priester, der du vor 25 Jahren durch
Handauflegung und Gebet des Bischofs wurdest, den zündenden Funken, der
von Gott herkommend Feuer in die Gemeinde und in die einzelnen
Gemeindeglieder hineinträgt. Deine zahlreichen Seelsorgskontakte
sprechen hier ihre dankbare Sprache. Wenn ein Priester aber ehrlich vor
sich selbst ist - und ich traue dir diese Ehrlichkeit zu -, wird er kaum
sagen wollen, dass er dieser hohen Erwartung und dem maßlosen
Gottesauftrag umfassend gerecht geworden ist. Stückgut ist, was wir
selbst erfasst haben und Stückwerk, was wir weitergeben. Wachsen in der
Authentizität eines Lebens aus und mit Jesus, dem Heiligen Gottes, kann
man nie genug - und der Priester kann es schon gar nicht. Das hört mit
keinem Jubiläum auf. Das fängt jeden Morgen ganz neu an. Ein Priester,
der sich in einem beamteten, vielleicht bestaunten oder sogar bewunderten Salon-Christentum sonnt,
hat sein Priesterleben zu kurz konzipiert.
Paulus hat es für sich, für euch beide und
für uns alle so gesagt: „Nicht
dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre.
Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus
Jesus ergriffen worden bin.
Eines aber tue ich: Ich strecke mich
nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem
Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott
uns in Christus Jesus
schenkt.“ (Phil,3,12-14).
Lieber Frater
Egilhard, lieber P. Friedhelm. Eines steht heute nicht im Mittelpunkt
eurer Gedenktage: das Mönchsein. Und doch glaube ich, das auch heute
nicht unerwähnt lassen zu dürfen. Eine Sehnsucht hat euch in die Abtei
Kornelimünster geführt. Eure Sehnsuchtskraft hat diese Gemeinschaft verantwortlich
mitgeprägt. Wir, eure Mitbrüder, sind das erste Feld eures
Glaubenszeugnisses. Wir sind auch die ersten Grenzen, an denen ihr euch reibt
und in denen ihr euch bewähren müsst. Ihr seid auch unsere Grenzen. Aber
so, wie ihr seid, seid ihr auch unsere Bereicherung. Umgekehrt hoffen
auch wir, dass auch wir euch ein Stück Bereicherung sein durften und
bleiben dürfen. Wir … - das sind wir, eure Mitmönche. Wir … - das sind
alle Freunde, die sich heute mit euch und uns freuen und euch
gratulieren.
Abt Albert Altenähr OSB
060827
|