
Verschiedenes aus der Abtei
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Weihnachten im Kloster
Die
letzten Tage vor Weihnachten
Wenn Weihnachten zum Ende der 4. Adventwoche ansteht, dann werden von
Frater Egilhard und dem einen und anderen Helfer am Montag nach dem 4
Adventsonntag die großen Tannenbäume in der Kirche aufgestellt. Die
Kirche wird tags darauf von Frater Matthias geputzt und die Christbäume
werden mit bis zu 30 cm großen Strohsternen geschmückt. Sie sind uns vor
Jahren von einer Ordensschwester geschenkt worden und jüngst gab es noch
einmal Nachschub.
Der Aufbau der Krippe ist „Chefsache“. Nach etwa 20 Jahren hat Abt
Albert da eine ziemliche Routine und richtig helfen kann ihm beim
Krippenbau keiner. 4- 5 Stunden dauert der Aufbau, wobei das
„Herauskramen“ der Bauteile und der Figuren nicht eingerechnet ist. Für
den Krippenaufbau ist der 23. Dezember fest im Kalender eingeplant.
Am Dienstag der Woche fährt P. Georg regelmäßig zum großen Kücheneinkauf
und in der letzten Adventwoche müssen dafür natürlich die kommenden
Festtage durchdacht werden. Was soll auf den Tisch kommen? Wie viele
werden wir zusammen mit den Gästen sein? P. Friedhelm und die Küche
müssen das Essens-Programm einigermaßen präzis zusammenstellen. Vor
einigen Jahren haben wir uns dafür entschieden, an Weihnachten und zu
Ostern nicht zu viele Gäste aufzunehmen, um uns nicht durch ein „Zuviel“
zu überfordern.
Die früher vor Weihnachten überaus starke Beichtfrequenz in der Kirche
ist wohl sehr zurückgegangen, aber gerade vor einem Fest wie Weihnachten
melden sich doch verstärkt diejenigen, die durch einen Mitbruder
geistlich begleitet werden und jetzt noch ein Beichtgespräch wünschen.
Und dann gibt es noch die Anrufe: „Ich hab da mal ’ne Frage: Wann ist
bei Ihnen die Christmette?“ P. Oliver überlegt sich jedes Jahr, ob er
den Anrufbeantworter nicht vor Weihnachten einfach mit einer
diesbezüglichen Information besprechen soll.
Über die Tage verteilt gibt es morgens auch noch die eine oder andere
Cantus-Probe, in der wir uns vergewissern, ob die anstehenden deutschen
und lateinischen Gesänge des Festes hinreichend „sitzen“. Immer wieder
finden wir alte und auch neue Fallen in den eigentlich geläufigen Texten
und Melodien.
... nicht
vergessen: die "Beleuchtungsprobe"!!! Man registriert zwar immer mal
wieder, dass eine Glühbirne in der Kirche sich in die Rente
verabschiedet, aber erst bei voller Beleuchtung sieht man auch die
Lampen, die still und heimlich ihren Dienst beendet haben. Da muss dann
die 4 m-Leiter her. Nur gut, dass sie aus Aluminium ist.
Unsere Messdiener sind eine so gut eingespielte Truppe, dass für sie –
anders als für die verschiedenen Kargottesdienste – keine besondere
Probe angesetzt werden muss.
Ja, und dann ist schließlich Heilig Abend. Abgesehen davon, dass wir die
Tagesmesse wie samstags um 11:30 feiern, ist es liturgisch bis zur
Vesper ein „Alltag“ im Advent. Na ja, vorweihnachtlich geschäftig ist es
schon. Der Tannenbaum im Gästespeisesaal will geschmückt werden und eine
Krippe wird auch dort aufgestellt. Das „Fest-Geschirr“, das lange nicht
gebraucht wurde, wird noch einmal gespült (wenn es nicht bereits am
Vortag getan wurde). Die Tische werden festlich gedeckt. Für diese
Arbeiten können wir uns auf unsere Gäste verlassen, zumal auf solche,
die durch viele Besuche mit dem Was, dem Wie und dem Wo unseres
Haushalts vertraut sind. Die Küche bereitet für abends ein Buffet vor.
Die Sakristei will für die Christmette gerichtet werden.
Weihnachten
Mit der Vesper an Heilig Abend um 17:30 beginnt das Weihnachtsfest.
Nach der Vesper werden noch die letzten Handgriffe am Buffet gemacht und
dann versammeln sich die Mönche und Gäste zum gemeinsamen abendlichen
Festessen. An diesem Abend und an den beiden Festtagen nehmen wir Mönche
alle Mahlzeiten mit unseren Gästen gemeinsam ein und es ist dabei
natürlich immer Tischgespräch.
Das Tischgebet wird in diesen Tagen gesungen. Nach dem Gebet liest der
Abt den uns Heutigen vielleicht etwas seltsam anmutenden Eintrag des
alten Martyrologium Romanum vor, der das Fest der Geburt Jesu Christi
ankündigt. Seine Jahreszahlen haben die alten Verfasser aus ihrem
damaligen Bibel- und Geschichtswissen errechnet und sie sind da zu
überraschenden Ergebnissen gekommen: „Im Jahre 5199 seit Erschaffung der
Welt, da Gott im Anfang Himmel und Erde schuf, im Jahre 2957 seit der
Sintflut … Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus im Fleische.“
Das Abendessen zieht sich hin und führt bruchlos in ein freies
Zusammenbleiben und … in die notwendige große Spülaktion über. Auch das
Frühstück für die Gemeinschaft und die Gäste kann wenigstens in den
Grundzügen schon vorbereitet werden.
Die Komplet wird an diesem Abend nicht gebetet, da es einen nächtlichen
Vigilgottesdienst, die Christmette, geben wird. Nach und nach löst sich
die Gruppe auf. Einige wollen noch einen kurzen Vor-Schlaf halten,
andere „machen durch“. In der Sakristei fallen die letzten Handgriffe
an. In der Kirche werden Heftchen mit den Psalmen und Gesängen der
Christmette verteilt.
Um 23:00 laden Festgeläut und Orgelspiel zur Feier der Weihnachtsvigil
und des nächtlichen Pontifikalamtes (23:30) ein. Die Vigil mit ihren
Psalmen, Lesungen und Liedern ist noch adventlich geprägt, nach dem
Evangelium der Messe von der Geburt Jesu Christi stehen dann
Weihnachtslieder auf dem Liedplan. Nach der Kommunion wird schließlich
das Weihnachtslied gesungen: „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Die Christmette dauert etwa 1 ¾ Stunden. Anschließend laden wir zu
Glühwein, Tee und Gebäck o.ä. in den Kreuzgang ein. Nicht alle
Gottesdienstbesucher folgen der Einladung, aber eine ganze Reihe tun es
doch. Über diese Einladung kann es … sehr früh werden.
Die Nacht ist auf jeden Fall kurz. Um 8:00 ist – wie immer an Sonn- und
Festtagen – die Frühmesse und zeitgleich singt der Konvent im Oratorium
die Laudes. … und vorher wollen schon Kaffee, Tee und Eier gekocht und
ganz allgemein das Frühstück bereitet sein, damit die Mitbrüder und
Gäste nach dem Frühgebet – oder auch schon davor – gleich in die
Kaffeetassen „fallen“ können. Na ja, zumindest einige Gäste nehmen an
diesem Tag auch das Mittagessen als Frühstück ein.
Die Gottesdienstordnung an den beiden Feiertagen ist im übrigen wie
sonntags: 10:30 Hochamt (am ersten Feiertag: Pontifikalamt), 12:15
Mittagshore, 17:30 Vesper, 19:30 Komplet. Mittag- und Abendessen sind
dem Fest entsprechend „festlich“.
Der Nachmittag des ersten Weihnachtstages ist „stille Stunde“, d.h. wer
möchte, will oder auch muss, kann bis zur Vesper den Schlaf nachholen,
der ihm aus der Nacht fehlte. Der sonntags übliche gemeinsame
Konventkaffee entfällt. Wie sonst an Werktagen steht für den
Zwischendurch-Bedarf im Gästespeisesaal Kaffee bereit.
Am zweiten Weihnachtstag laden wir unsere Verwandten, die in relativer
Nähe wohnen, und einige Bekannte und Freunde, denen wir uns in
besonderer Weise verpflichtet wissen, zu einem „großen Kaffee“ ein.
Zusammen mit den Hausgästen dieser Tage füllt sich dann der
Gästespeisesaal noch einmal mehr ::: und mit Paulchen und Karla, dem
Neffen und der Nichte von Frater Antonius, kann es „familär lebendig“
werden. Frater Davids große Familie (4 Kinder mit Ehegatten, 14 Enkel, 2
Urenkel) nimmt an diesem Kaffee nicht jedes Jahr teil. Davids Kinder
laden die Familie im Wechsel zu sich ein und Frater David fährt dann
natürlich zum Palmschen Familienkaffee.
Ein Teil unserer Gäste verlässt uns bereits am ersten Weihnachtstag,
andere am zweiten Festtag, wieder andere bleiben bis Neujahr oder auch
darüber hinaus. Auf jeden Fall kommen in den Tagen nach Weihnachten neue
Gäste, um die Zeit „zwischen den Jahren“ mit uns zu begehen und am 30.
Dezember füllt sich das Haus mit jenen Gästen, die speziell das Angebot
wahrnehmen wollen, das wir in diesen Tagen anbieten: Rückblick auf das
zu Ende gehende Jahr und ein geistlicher Einstieg in das neue Jahr.
Abt Albert Altenähr
OSB
051219 |