|
„… und das Wort ist
Fleisch geworden“
Eindrücke vom Treffen junger Mönche und Nonnen der Kongregation von
Subiaco in La Pierre-qui-Vire vom 17.-24. Juli 2006
Vom 17.-24 Juli 2004 fand in der
französischen Abtei La Pierre-qui-Vire ein Treffen junger Nonnen und
Mönche der Kongregation von Subiaco statt.
Anlass war der 60. Jahrestag der „Croisade
de la Paix“ in Vézelay. Am 22. Juli 1946 wurden aus 14 europäischen
Ländern Kreuze zum burgundischen Wallfahrtsort getragen, um an die
schreckliche Erfahrung des 2. Weltkriegs zu erinnern und für den Frieden
zu beten. Als 15. Kreuz brachte eine Gruppe deutscher Kriegsgefangener
ihr Kreuz nach Vézelay. So dokumentierten die ehemaligen Feinde ihren
Willen zu einem bleibenden Frieden in Europa.
Zu diesem Jahrestag lud die Abtei La
Pierre-qui-Vire Nonnen und Mönche, deren ewige Profess nicht länger als
zehn Jahre zurückliegt, aus den europäischen Klöstern der Kongregation
von Subiaco zu Tagen der Begegnung und zur Teilnahme an der Feier in
Vézelay ein.
So trafen sich 8 Schwestern und 13 Brüder
zu den Tagen der Begegnung unter dem Titel „Suche den Frieden und jage
ihm nach“ (RB Prol 17 = Ps 35,15) Teilnehmer, Thema und Orte der Tagung
prägten das Programm:

Abtpräses Bruno Marin und die Tagungsteilnehmer
(Foto: Fr. Filip, Abtei Keizersberg, Löwen)
Die Teilnehmer
Wichtiges Element war der Austausch und das gegenseitige Kennenlernen
der Teilnehmer aus den verschiedenen Klöstern. Die Tage wurden
eingeleitet mit einem Vortrag zur Geschichte der Kongregation von
Subiaco vom ehemaligen Abtpräses Denis Huerre. Er gab einen einführenden
Blick in die Geschichte der Kongregation. Ausführlich stellten sich die
Teilnehmenden gegenseitig ihre Gemeinschaften vor. Dadurch entstand ein
buntes Bild von den 17 vertretenen Gemeinschaften aus sieben
europäischen Ländern (Schottland, Belgien, Niederlande, Deutschland,
Frankreich, Italien und Spanien). Besonders deutlich wurde die
ambivalente Vielfalt allein in den europäischen Provinzen der in allen
Erdteilen vertretenen Kongregation: Einerseits kann der Austausch unter
den verschiedenen Weisen benediktinisches Leben konkret auszugestalten
bereichern, andererseits ist die Suche nach dem Gemeinsamen in der
Kongregation eine bleibende Herausforderung. Schließlich soll ein
internationaler Klosterverbund keine amorphe Ansammlung verschiedener
Klöster sein. Die vielen Gespräche am Rande und die bereichernden und
ungezwungenen Kontakten mit der Gemeinschaft von La Pierre-qui-Vire, die
einen Eindruck von der Offenheit und Vielfalt benediktinischen Lebens
gaben, waren wichtige und bereichernde Elemente des gegenseitigen
Kennenlernens.
Thematisch
waren die „Suche nach dem Frieden“ und das Thema „Europa“ zwei Zentren,
die je einen Tag prägten:
Der Tag zum Tagungsthema „Suche den Frieden“ wurde durch einen profund
ausgearbeiteten Vortrag von Abt Hugh Gilbert (Pluscarden; Schottland)
und eine Begegnung mit dem Altvater der Regelauslegung P. Adalbert de
Vogüé eingeleitet. P. Adalbert beeindruckte uns junge Teilnehmer durch
seine Persönlichkeit und seine tiefe Regelkenntnis. Die Impulse bildeten
den Ausgangpunkt für den Austausch in Kleingruppen. Hier kamen im
lebhaften Gespräch vor allem die alltäglichen Situationen zur Sprache,
in denen der klösterliche Frieden noch vertieft werden kann. Themen
waren die Suche nach Möglichkeiten der correctio fraterna, das
Miteinander von alten und jungen Schwestern bzw. Brüdern oder
Konfliktpunkte in alternden und kleiner werdenden Gemeinschaften etc.
Der Themenschwerpunkt „Europa“ wurde mit
Vorträgen von Augustin de Romanet, Berater des französischen Präsidenten
und von Abtpräses Bruno Marin (Rom) eingeleitet. Augustin de Romanet
stellte Herausforderungen und Probleme europäischer Politik vor und
forderte von den Orden und den benediktinischen Gemeinschaften einen
Beitrag zur Suche nach einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Abtpräses
Bruno Marin skizzierte seine Ideen zur Rolle der Klöster beim Aufbau
Europas. Der anschließende Austausch zeigte, dass es - auch wenn Europa
selten in Gemeinschaften thematisiert wird - eine Vielzahl an faktischen
Kontakten und kleinen Beiträgen zu einer größeren europäischen
Verbindung in den Kommunitäten gibt. Gerade innerhalb der kleiner
werdenden katholischen Kirche in Europa gewinnen internationale
Begegnungen an Gewicht. Besonderes Augenmerk sollte deshalb schon in der
monastischen Formation auf den Erwerb von europäischen Sprachen gelegt
werden, sowohl von Seiten der Oberen als auch auf Seiten der Mönche und
Nonnen. Wie wichtig wenigstens das passive Verständnis der Sprachen ist,
wurde während der Tagung immer wieder deutlich. Schön ist es, wenn
Kommunikation über die Grenzen der Sprache hinweg funktioniert, noch
schöner ist aber die Erfahrung, bei gelegter Grundlage schnell in andere
Sprachen hineinzuwachsen!
Das dritte prägende Element waren die
Orte des Treffens:
Zwei Tage waren schließlich dem Besuch des nahe gelegenen Städtchens
Vézelay gewidmet: Ein eher touristischer Besuch sowie die Teilnahme an
der Wallfahrt für den Frieden. Der touristische Aufenthalt begann mit
einer eindrucksvoll schlichten Eucharistiefeier in der ersten
franziskanischen Gründung Frankreichs, La Cordelle, einer kleinen
Kapelle, an der Bernhard von Clairvaux vor 960 Jahren zum Kreuzzug
aufrief. Weitere Programmpunkte waren der Besuch der romanischen
Basilika von Vézelay und ein erstes Gebet und eine Begegnung mit
Schwestern und Brüdern der Gemeinschaft von Jerusalem. Dieser neuen
Gemeinschaft, 1974 gegründet und inzwischen an sieben Orten v.a. in
Frankreich präsent, ist der Dienst an der Basilika in Vézelay
anvertraut. Die Schwestern und Brüder kümmern sich besonders um eine
stilvolle Feier der Liturgie, um den Dienst an den Pilgern und um
Führungen durch die Kirche.
Die Wallfahrt selber begann mit der
Vigilfeier am Vorabend des Festes der Hl. Maria Magdalena, die in
Vézelay verehrt wird. Der eigentliche Festtag war geprägt von einer
Prozession von La Cordelle zur Basilika. Bei einer Statio wurden
bewegende Zeugnisse von P. Rouin Leblanc, Mönch von La Pierre-qui-Vire
und Hans Pollert, einem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen
vorgetragen, je in französischer und deutscher Sprache. Dabei wurde ein
großer Erinnerungsbogen geschlagen von den Erzählungen vom deutsch -
französischen Krieg 1870 über die beiden Weltkriege und die vielen
kleinen und großen Zeichen der Versöhnung, die dazu führten, dass sich
unsere jüngere Generation keine Sorgen mehr um einen Krieg zwischen
Nationen in Westeuropa machen muss. Eine festliche Eucharistiefeier mit
den Bischöfen Patenôtre, Erzbischof von Sens-Auxerre, und den
Vorsitzenden von Pax Christi Frankreichs und Deutschlands Marc Stenger
und Reinhard Marx, wurde von der Gemeinschaft von Jerusalem, den Mönchen
von La Pierre-qui-Vire und der Pfarrgemeinde Vézelay vorbereitet und
gestaltet. Anschließend fand auf dem Gelände der Basilika ein Fest des
Friedens statt. An dem Festtag nahmen mehrere tausend Menschen teil,
darunter einige Gruppen aus Deutschland.
*
Die Mönche von La Pierre-qui-Vire haben
in ihrer großzügigen Gastfreundschaft einen wertvollen Beitrag zur
Verbindung der Kongregation von Subiaco geleistet. In ihrer
stilvollen Liturgie wurden die Muttersprachen der Tagungsteilnehmer vom
Schwedischen bis zum Katalanischen integriert, sodass die Katholizität
auf ganz eigene Weise erfahren werden konnte.
Zum Abschluss soll der Vergleich eines
Teilnehmers aufgegriffen werden: Bei den Tagen der Begegnung ist
wirklich das Wort Fleisch geworden: Was vorher nur Kloster-- und
Mitbrüder-Namen im
Ordenskatalog waren, ist bei dieser Tagung als lebendige Realität erfahrbar geworden.
Frater Antonius Kuckhoff OSB |