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Die Abtei Saint
Guénolé
Landévennec, Bretagne

Die
Frühjahrs-Visitatorenkonferenz unserer Benediktinerkongregation von
Subiaco fand vom 8.-12. Mai im Bretagne-Kloster Landévennec statt. Mit
dem Zug ist es über Paris nach Brest von Aachen aus jeweils eine
Tagesreise, wobei der Bahnhof- und Zugwechsel in Paris allein 2 bis 2 ½
Stunden Aufenthalt bedeuten.

bei der Arbeit // Begegnung mit dem Ortsbischof //
der afrikanische und der philippinische Visitator
Das Kloster Landévennec
liegt auf einer Halbinsel auf der Südseite der „Rade de Brest“, also der
Brester Reede, direkt an der Küste und mit vielen Blicken auf die See.
Die Küstenlinie ist auf drei Seiten die „Klausurmauer“ des Klosters. So
hat das Kloster einen sehr, sehr großen Klausurbereich, der einen
durchaus längeren Spaziergang zulässt.

Pfortenbereich // die Kirche von der Seeseite //
Blick vom Novizuiat über eine Baulücke
auf die Reede von Brest // Gästepavillons

Brest selbst liegt auf
der Nordseite der Reede, und um von Brest nach Landévennec zu kommen,
muss man einen weiten Bogen um die Bucht fahren. Mit dem Auto sind es
etwa 50 km.
Das ursprüngliche
Kloster ist eine keltische Gründung aus der Wende vom 5. zum 6.
Jahrhundert, also der Zeit des hl. Benedikt, aber eben aus der
keltischen/irischen Tradition heraus. Als Gründer wird der hl. Guénolé (
= Winwalvë; Fest 3. März) verehrt.

Ruinen der romanischen Klosterkirche // baugeschichtliche
Führung //
moderner "alter" Kräutergarten
Das Kloster übernahm im
Jahr 818 auf Betreiben Kaiser Ludwig des Frommen die Benediktsregel. Das
lässt Landévennec für Kornelimünster, Benedikt von Aniane und die von
hier ausgehende karolingische Klosterreform interessant sein. Die
Übernahme ist gut dokumentiert durch eine Klostergeschichte aus dem 9.
Jahrhundert, von der es eine Handschrift aus dem 11. Jahrhundert gibt.
Davon wiederum haben Mauriner Mönche 1648 eine Kopie gemacht, die vor
einigen Jahren vom Kloster auf einer Auktion ersteigert werden konnte.

Manuskript aus dem 11. Jahrhundert mit dem Dokument,
das die Übernahme der Benediktregel im Jahr 818 beschreibt.
Das Dokument Ludwigs
des Frommen legt dem Abt von Landévennec die Übernahme der Benediktregel
auf. Nach außen soll die Abkehr von der irisch-keltischen Mönchs- und
Kirchentradition hin zu jener römisch-benediktinischen durch die
Änderung der Mönchstonsur bekundet werden. Die irische Tonsur schnitt
das Vorhaupt kahl und ließ die Hinterhaupthaare wachsen. Die römische
Tonsur lässt einen Rundum-Haarkranz auf dem rasierten Kopf stehen.
Das ursprüngliche
Kloster ist erst mit der französischen Revolution zu einer
Baumaterial-Quelle für die umliegenden Dörfer geworden. Die
denkmalpflegerische Sicherung der Ruine und Ausgrabungen lassen sehr gut
die Baugeschichte bis in die karolingische Zeit verfolgen. Nach Aussage
der Mitbrüder gibt es neben Landévennec keine andere so vollkommen
rekonstruierbare Klosteranlage aus karolingischer Zeit.
1950 siedelten sich die
Benediktiner von Kerbeneat (= Haus Benedikts; mehr landeinwärts in der
Bretagne), denen ihr Kloster zu klein geworden war, auf der Anhöhe über
dem alten Kloster Landévennec an. Die Gemeinschaft zählt heute etwas
über 20 Mitbrüder. Das Kloster ist von seiner Anlage ein einfach solider
Bau, der architektonisch keine wirklich markanten Akzente setzt. Am Hang
gebaut, die Klosterpforte hangseitig, die verschiedenen Ebenen „nach
unten“ hin unterschiedlich genutzt, insgesamt unvollendet geblieben, ist
es für den Besucher zunächst einmal recht unübersichtlich. Dass
seeseitig eine Baulücke geblieben ist, schenkt vom Kreuzgang her einen
sehr schönen Blick auf die Reede von Brest.

Der fehlende Baukörper
hätte eigentlich das Mönchsrefektorium aufnehmen sollen. So ist es jetzt
provisorisch – und Provisorien halten sich bekanntlich lange! – in einem
(zu) niedrigen Untergeschossraum untergebracht. Die Kirche ist eine
übergroße Halle mit ca. 400 Sitzplätzen für die Gläubigen, einem sehr
großen Altarraum und einem mindestens ebenso großen Bereich für die
Mitbrüder. Erstaunlich ist bei diesen gewaltigen Dimensionen die gute
Akustik, in der der hoch-qualitätvolle Gesang der Mönche gut überkommt.
In den nächsten Wochen/Monaten wollen die Mönche den Chorraum neu ordnen
und gestalten.

Die Mönche von
Landévennec pflegen ihre Liturgie und schenken ihr Zeit. Die Vesper am
Samstag beginnt als erste liturgische Feier des Sonntags z.B. mit einem
Lichtritus, in dem am Altar, um den herum die Mönche Aufstellung
genommen haben, feierlich die Kerzen angezündet werden und Weihrauch
aufgelegt wird. Danach erst wird die elektrische Beleuchtung
eingeschaltet. Die Sonntagsmesse – ca. 1½ Stunden – ist mit gut 130
Teilnehmern gut besucht. In der Feriensaison, wenn die Pariser ihre
Wochenendhäuser voll nutzen, rechnen die Mönche mit 400-600
Gottesdienstbesuchern.

Wie es die Mönche aller
Zeiten getan haben, haben in den vergangenen 60 Jahren auch die heutigen
Mönche von Landévennec verstanden, ihren Ort zu „gestalten“. Ausgiebige
Apfelanpflanzungen geben das Grundmaterial für gelierte Obstsüßigkeiten
und für den Cidre. Rhododendron und Azaleen sind zu üppiger Blütenkraft
gekommen und dazu auch ein mehr oder weniger naturbelassener großer
Waldbestand und weite Wiesenflächen. Zusammen mit dem Spiel von Ebbe
und Flut schenkt die wohltuende Mischung mit unaufgeregter Abwechslung
eine meditative Stimmigkeit.
P. Albert
Altenähr OSB
090513
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