Malaybalay
Ein „anderes Kloster“ im fernen Mindanao


Architektenmodell des Klosters Malaybalay

Zum zweiten Mal war ich im November 2005 in unserem Kloster Malaybalay auf der philippinischen Südinsel Mindanao. Ich nahm an der turnusmäßigen Halbjahreskonferenz der Visitatoren, dem Beratergremium des Abtpräses unserer Kongregation, teil. Das erste Mal besuchte ich im Auftrag des Präses zum Jahrtausendwechsel die Klöster Manila und Malaybalay, um sie in einer damals schwierigen Situation anzuhören und zu beraten. Anders als damals funktionierte diesmal mein Fotoapparat und dieser Bericht will mit Kamera und Wort Malaybalay ein wenig vorstellen.

Malaybalay ist von Manila noch 1 ½ Flugstunden plus 2 Autostunden entfernt, - von Aachen auf jeden Fall mehr als 30 Reisestunden (wenn es gut geht). Etwa 500 m über dem Meeresspiegel ist die Temperatur um diese Jahreszeit mit ca. 25° C angenehm und wesentlich angenehmer als das wärmere und schwülere Manila. Das Kloster liegt in einer weiten, leicht hügeligen Ebene, an deren Rand man aber deutlich gratigere Bergketten ausmacht. Die Vegetation ist üppig und wenn man den Blick schweifen lässt, ist der Gesamteindruck der eines dichten Buschlandes oder Buschwaldes.


Blick vom Kloster in die Landschaft

Die Gemeinschaft von Malaybalay zählt 11 Mitbrüder, die durchwegs recht jung sind. Eine beachtliche Fluktuation - auch bei langjährigen Mitbrüdern – könnte eine vielleicht landestypische „Leichtigkeit“ spiegeln. Etwas gilt, … solange es gilt.

Die Anfänge von Malaybalay sind zeitlich noch gar nicht weit weg. 1981 beschloss der Konvent von Manila eine Neugründung auf Mindanao, - bzw. er gab den Segen der Erlaubnis dazu.

Das Verlangen nach einer Neugründung war bei einigen Mitbrüdern Manilas aus der besonderen Situation und Aufgabe ihres Klosters gewachsen. Das Kloster in Manila liegt in einer ausgesprochenen College-Meile der Stadt in umittelbarer Nähe des Präsidentenpalastes. Auch das Benediktinerkloster führt ein College – ein kleines (!) im Vergleich mit anderen Ausbildungsstätten der Stadt – mit 5.000 Studierenden. Vor etwa 15 Jahren wurde eine Autostunde entfernt - was im Verkehrsmoloch Manila nicht viel heißt – eine College-Dependance eröffnet, die heute 6.000 Schüler zählt. Vor 2 Jahren wurde auf einem gestifteten Terrain ein drittes College eröffnet, das erst 900 Schüler hat. Die Außenwahrnehmung und z.T. wohl auch das Binnenverständnis sind sehr stark von diesen Colleges geprägt. Man kennt in Manila „San Beda“, … das ist das College. Kaum einer kennt das „Kloster der Madonna von Montserrat“, … die Abtei. Die Mönche sprechen selbst immer von „San Beda“.

Die Gründungsmönche von Malaybalay sehnten sich nach einem anderen, einem kontemplativeren Klostertyp. Ausgeprägte Zeiten für die geistliche Lesung und sehr regelmäßig über den Tag verteilte Stundengebetszeiten prägen das Leben. Das Aufstehen mit den Hähnen (03:30) und die Nachtruhe mit der tropisch einfallenden Dunkelheit (19:00) machen dem Besucher aus Mitteleuropa zwar Gewöhnungsschwierigkeiten, sind aber nicht unmöglich.


Blick hinüber zur ersten Klosteranlage

Ihre Gründung positionierten die Gründer auf einer kleinen Hügelkuppe, die Platz bot für eine quadratische Kapelle und zwei weitere quadratische kleinere Gebäude. Der Entscheidungstag für diesen Bauplatz, das Fest der Verklärung des Herrn (6.8.1981) hat die „3-Hütten-Architektur“ des Klosters bestimmt und auch zum offiziellen Namen „Monastery of the Transfiguration = Kloster der Verklärung“ geführt. Auf der einen, steileren Seite des Hügelabhangs wurden dann weitere Klostergebäude errichtet (z.B. Küche, Gemeinschaftshaus mit Refektorium und Beratungssaal), auf der weniger steil abfallenden Hügelseite wurden Gastunterkünfte gebaut. Diese Hangbauweise mit z.T. sehr unbequemen und unterschiedlich hohen Treppenstufen und -wegen erwies sich schon bald als wenig praktikabel und eher lebensbehindernd als lebensfördernd. Die Treppen habe ich von meinem Besuch vor sechs Jahren noch lebhaft in der „Kniegelenk-Erinnerung“.

Als ich in den letzten Tagen des Jahres 1999 nach Malaybalay kam, war schon längst die Entscheidung für einen neuen Klosterbau gut 1 km entfernt in flachem Gelände gefallen und auch die Kirche des neuen Klosters war bereits fertig. Die neue Klosteranlage ist von einem der führenden Architekten der Philippinen entworfen. Die Kirche nimmt den quadratischen Grundriss des ersten Kapellenbaus auf und radikalisiert die Hüttenidee zu einem allseits offenen Zeltkonzept hin. 1999 fehlte noch die vorgesehene Rundumverglasung. Damals wurde in dieser Kirche schon die Sonntagsmesse gefeiert, aber auch nur sie. Hier habe ich in einem Mitternachtspontifikalamt das neue Jahrtausend begrüßt.


Klosterkirche

Sechs Jahre danach ist der Klosterbau gewachsen, aber durchaus nicht vollendet. Ein Kreuzgang, der schon 1999 erkennbar war steht noch so „angefangen“ da wie damals und harrt dringend der Fertigstellung, will man ihn nicht in einigen Jahren erst einmal abreißen müssen, um ihn dann wieder solide neu bauen zu können. Der Wohntrakt der Mönche und Gemeinschaftsräume für die Mönche sind fertig gestellt, ebenso ein etwas abseits gelegenes Gästequartier. Ein Pfortentrakt (mit Sprechzimmern und Verwaltungsräumen), das Refektorium und die Küche und natürlich auch ein kleiner Glockenturm für das bescheidene Geläut sind noch gar nicht in Angriff genommen. Insofern muss man sich im bereits Vorhandenen überall arrangieren, um das Benötigte unterzubringen. Vor sechs Jahren stand die Kirche im grünen Nichts einer Wiese, heute hat das tropische Klima bereits eine attraktive Blumen- und Strauchanlage um das Fertige, Unfertige und Geplante wachsen lassen.


Der große Raum oben ist von drei Seiten voll verglast - mit freiem Blick in die Landschaft (garantiert unverbaubar!)

Das Kloster Malaybalay liegt etwa 5-6 km von der gleichnamigen Stadt entfernt. Seine Nachbarn sind arme Landbewohner mit einer sehr bescheidenen Landwirtschaft (Kaffee, Reis). Das Kloster selbst ist keineswegs reich, aber es gilt in dieser Umgebung als reich. Die Mönche haben eine Kooperative gegründet und haben in einer kleinen Kaffeeveredelung und dem Klosterladen zusätzlich Arbeitsplätze geschaffen.

Der anspruchsvolle Stil der Kirche, die gepflegte Liturgie und das ausgezeichnet gesungene Chorgebet – unser englischer Visitator meinte, er habe noch nirgends so wohlklingendes Stundengebet in englischer Sprache gehört! – machen das Kloster für die einfachen Leute aus der nächsten Nachbarschaft leider nicht attraktiv. Sie ziehen die weiter entfernt liegende kleine Kirche vor, die mit ihrer emotionalen, bunten und zugleich schlichten „Leute-Frömmigkeit“ geworden und gewachsen ist. Das Kloster ist eher der Ort der gehobenen Schicht der Stadt Malaybalay und sogar des fernen Manila. Es soll gar nicht so selten vorkommen, dass Leute samstags von dort rüberfliegen, im Kloster die Samstags- und Sonntagsliturgie mitfeiern und am Sonntag Nachmittag wieder nach Manila zurückkehren. Hier spiegelt sich möglicherweise eine Grundspannung unseres benediktinischen Verständnisses, das sich kaum auflösen lässt, vielleicht aber auch gar nicht auflösen lassen muss. Weder sind die Menschen alle gleich, noch müssen es die Orden sein. Ein Dorn im Denken darf und sollte die erkannte Spannung aber sein und bleiben.


Abt Jacques (Belloc, Frankreich), P. Christophe (Ordenskurie Rom, Mönch von Mahitsy, Madagaskar), Abt Stephane (Thien An, Vietnam), Abt Tarcisio (Manila) und Prior Savio (Malaybalay)

Ich mag Malaybalay, seine Landschaft, sein Kloster, seine Mönche. Überall ist es schöner als zu Hause, wo der Alltag zwickt und zwackt. Und doch! Wenn man zurückkommt, ist es zu Hause immer noch am schönsten.

Abt Albert Altenähr OSB
051201

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