Abtei New Norcia, Westaustralien

Kurzer geschichtlicher Abriss

 

 

Vorgeschichte

 

Die Aufhebung aller Klöster Spaniens 1835 durch die damalige kirchenfeindliche Regierung ist der Hintergrund der Gründung der Abtei New Norcia.

 

DSC02644a New Norcia - hp.jpg (135824 Byte)Neben der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galizien befand sich das Benediktinerkloster San Martin Pinario. Dort hatten kurz zuvor zwei junge Männer die klösterlichen Gelübde abgelegt. Don Jose Benito Serra, der ältere der beiden, verließ das Kloster 1835, um das monastische Leben in der Abtei der Heiligen Dreifaltigkeit in Cava, in der Nähe von Salerno, Italien, fortzuführen. Don Rosendo Salvado folgte ihm nach einigen Jahren, in denen er vergeblich auf die Wiedereröffnung seines eigenen Klosters gewartet hatte, nach Cava, wo er 1838 die Gelübde ablegte und zu Beginn des nächsten Jahres zum Priester geweiht wurde.

 

(Die abgebildete Jakobus-Statue ist ein Geschenk des Präsidenten von Galizien, Fraga Iribarne, anlässlich eines Besuchs in New Norcia. Die Beziehungen des Klosters zu seiner "Gründungsheimat" sind bis in die jüngste Vergangenheit eng gewesen. New Norcia ist von seinem Ursprung und in seiner Ausgestaltung ein "spanisch-galizisches Missionskloster".)

 

Getragen von klösterlichem Eifer bewarben sich die zwei Mönche 1844 bei den zuständigen Stellen in Rom, um als Missionare dahin ausgesandt zu werden, wohin immer diese entschieden. Sie wurden dem neu berufenen ersten Bischof von Perth, John Brady, zugewiesen.

 

Als Bradys grosse Missionarsgesellschaft im Januar 1846 Perth erreichte, wurden die zwei spanischen Benediktinermönche, ein englischer Benediktiner-Diakon, Denis Tutell, und ein französischer Benediktiner Novize, Don Leander Fonteinne, zusammen mit einem irischen Katecheten, John Gorman, mit der einzigen von drei Missionen bei den Ureinwohnern betraut. Die Gruppe schrumpfte in nur wenigen Monaten stark. Tutell war krank und begleitete die Missionsgesellschaft nicht, - Gorman wurde versehentlich im Juni desselben Jahres erschossen, - und Fonteinne war nach dem Unfall geistig so verstört, dass er die Mission abbrechen und nach Frankreich zurückkehren musste.

 

Statue von Rosendo Salvado
als Missionar und Abt

 

So waren es nur die zwei Spanier, die für die Gründung der Mission verantwortlich waren, welche später New Norcia wurde. Obwohl Serra als Oberer der Gründung für die Mission verantwortlich war, verlagerte seine Berufung zum Co-Adjutor Bischof von Perth 1849 seine missionarische Energie. Nach 10 sehr aktiven aber auch ziemlich schweren Jahren dort ging er 1859 nach Europa zurück und sollte niemals zurückkehren. Deshalb ist die erste Periode von New Norcias Geschichte üblicherweise bekannt als...

 

 

Die Salvado-Ära 1846 – 1900

 

Die ersten 50 Jahre von New Norcias Geschichte sind von der Persönlichkeit Bischofs Rosendo Salvado bestimmt (1814 – 1900). Mit dem Benediktiner-Mitbruder, Don Joseph Serra, gründete er 1846 New Norcia und verbrachte den Rest seines Lebens damit, es zu einer der fortschrittlichsten und erfolgreichsten Missionen in Australiens Geschichte zu machen. Salvados ursprüngliche Vision war es, unter den Aborigines der Victoria Plains ein christliches, sich größtenteils selbst versorgendes, auf Landwirtschaft basierendes Dorf zu schaffen. Nach der Dezimierung der lokalen Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten in den 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts konzentrierte er seine Tätigkeiten jedoch darauf, den einheimischen Kindern, die von überall her nach New Norcia gebracht wurden, eine praktische Bildung zu vermitteln.

 

Wie andere Missionare des 19. Jahrhunderts war es sein Ziel, entsprechend den europäischen Idealen der damaligen Zeit „Zivilsation“ zu bringen und das Evangelium zu verkünden, aber er tat dies mit einer Achtung der einheimischen Kultur, die damals sehr selten war. Salvado leitete eine klösterliche Gemeinschaft, die auf ihrem Höhepunkt fast 70 Mönche zählte, überwiegend Spanier und Laienbrüder. Seine wiederholten  Reisen nach Europa, um Finanzmittel zu beschaffen, ermöglichten es ihm Land zu erwerben, Gebäude zu errichten und Bücher, Gewänder, Kunst und rituelle Objekte sowie Vieh und Ausrüstung zu beschaffen. Praktischer Erfolg kombiniert mit seinem eigenen persönlichen Charme machten Salvado zu einem angesehenen Westaustralier und einer internationalen Figur in der benediktinischen Welt. Während einer Reise nach Rom im Jahr 1900, starb er im Alter von 86 Jahren. Sein Leichnam wurde von der Gemeinschaft nach New Norcia überführt und in der Abteikirche bestattet.

 

Die Klosterstadt 1901 – 1950

 

Nach Salvados Tod Ende 1900 änderte New Norcia seine Ausrichtung. Es blieb in den nächsten 50 Jahren weniger eine Busch-Mission, sondern wurde eher als eine traditionelle klösterliche Ansiedlung im europäischen Stil geführt. Die Ausbildung und ambulante medizinische Betreuung für die Aborigines wurde fortgesetzt, der Schwerpunkt verlagerte sich aber mehr auf die Bildungs- und seelsorgerischen Bedürfnisse der Bevölkerung des ländlichen Westaustraliens. Eine große Zahl der Mönche waren ordinierte Priester und mehr Zeit wurde dem Beten, dem Studium und der künstlerischen Arbeit gewidmet.

 

  
St. Gertrude’s       St. Ildephonsus

 

Dieser Prozess begann mit der Ankunft von Salvados Nachfolger, Bischof Fulgentius Torres, 1901 (1861 – 1914). Da er die Mission im Niedergang vorfand, verkaufte er Teile des Landbesitzes, um Gelder für die weitere Entwicklung aufzutreiben. Er entwarf und überwachte persönlich den Bau des St. Gertrude’s College für Mädchen (1908) und des St. Ildephonsus College für Jungen (1909). Für das erstere stellte er Josefs-Schwestern und für letzteres Maristen-Brüder ein. In seinen 14 Jahren als Abt trug er zu einer erheblichen Modernisierung der Klosterstadt bei. Torres schenkte den Innen-dekorationen der Gebäude besondere Beachtung. So brachte er den spanischen Schnitzer Juan Casellas und den Mönchs-Künstler P. Lesmes López nach New Norcia, die viele grossartige Werke schufen, die heute Teil des reichen Kunsterbes sind.

 

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Chorkapelle des Klosters – Altar in der Kapelle von St. Gertrude’s – Kapelle in St. Ildephonsus

 

Die Richtung, die Torres für New Norcia bestimmte, wurde während der Führung von Abt Anselm Catalan (1916 – 1950) fortgeführt. Er trug zur Struktur der Stadt mit dem Bau des Hostels bei – heute das Hotel – und ermutigte die Arbeit von Don Stephen Moreno, New Norcias talentiertem Komponisten religiöser Musik.   

 

Veränderungen seit 1951

 

Trotz der sozialen Umwälzungen der zwei Weltkriege wurde New Norcia in den 50-er Jahren zu einer stabilen und friedlichen, vorwiegend nach innen gekehrten religiösen Siedlung.  Nichtsdestotrotz veränderte es sich weiter bis in die 90-er Jahre erheblich. Der Wandel trat zuerst im Kloster selbst ein. In einem Versuch mehr Australier anzuziehen, wurde das klösterliche Leben umgestellt, um es besser an die lokalen Bedingungen anzupassen. Die Reformen des 2. Vatikanischen Konzils in den späten 60-er Jahren vereinfachten und verdeutlichten sowohl das klösterliche Leben als auch das Beten. Trotzdem ging die Anzahl der Mönche in New Norcia ständig zurück.

 

Außerhalb des eigentlichen Klosters waren die Veränderungen noch stärker. Die Zahl der Gemeinden, die mit Priestern aus dem Kloster besetzt waren, wurde auf die Gemeinde von New Norcia selbst reduziert. Die Schule für die Aborigines schloss in den 70-er Jahren und die weiterführende Schulausbildung der beiden „weißen“ Colleges wurde mit der Schließung des New Norcia College 1991 beendet.

 

Gästetrakt des Klosters

 

Dagegen blühte die „Gäste-Arbeit“ seit den frühen 80-er Jahren vielfältig auf. Museum und Kunstgalerie des Klosters ziehen jährlich Tausende von Besuchern an und bieten täglich Führungen der Stadt an. Zusätzlich zum Hotel bietet der Gästeflügel des Klosters Unterkunft für diejenigen, die die Erfahrung von Ruhe und Erholung suchen. Die früheren Schulgebäude werden heute für Schulcamps, Fortbildungskurse für Erwachsene und Tagungen genutzt. 1996 errichteteten die Mönche ein Bildungszentrum, um besuchenden Studenten die Möglichkeit zu geben, das Kloster, seine Anlage und Geschichte noch besser zu verstehen. Ebenso wurden New Norcias traditionelle autarke Handwerke, wie das Brotbacken und die Olivenölproduktion, wiederbelebt. 

Text: New Norcia
Korrektur der Übersetzung u. Fotos: fr.a.

091114

Link: New Norcia - Ein Klosterbesuch in "Down Under"

 

 

 

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