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New Norcia
Ein Klosterbesuch in „Down Under“
(November 2009)
Was erwarten die Freunde, wenn ich ihnen von einem Besuch eines
Benediktinerklosters in Westaustralien berichten soll? Ganz viel
„Australisches“ und ein bisschen „Kloster“? Genau das Gegenteil? Oder
eine ganz andere Mischung?
Der Staat Westaustralien umfasst ca. ein Drittel des ganzen Landes. Von
den 20 Millionen Einwohnern Australiens wohnen hier allerdings nur 2
Millionen. Bei einer Fläche von 2.529.880 km² sind das etwa 0,8
Einwohner/km². Überhaupt die Fläche! Deutschland hat gerade einmal
357.104 km². Ganz Westeuropa von der Straße von Gibraltar bis zum Kanal
(also ohne Großbritannien) und bis zur polnisch-russischen Grenze, dann
mit der Slowakei, Tschechien, Österreich und Italien bringen es auf
2.582.792 km². ... und das ist nur ein Drittel des ganzen Landes. ...
Wow!

Die Reise – eine „Dienstreise“ zur turnusmäßigen Halbjahreskonferenz der
Visitatoren unserer Benediktinerkongregation von Subiaco. Diesmal war
die vielleicht isolierteste Abtei der Kongregation als Tagungsort
ausgesucht – eben New Norcia in Westaustralien, das einzige
Männerkloster unserer Kongregation auf diesem Kontinent.. Außer dem
Visitator der afrikanischen Provinz waren alleMitbrüder gekommen: der
Präses und der Generalprokurator aus Rom, die Visitatoren der
englischen, der flämisch-niederländischen, der fanzösischen, der
spanischen und der italienischen Provinz, ferner die beiden „nahen“ aus
den Philippinen und aus Vietnam und schließlich als Gast Sr. Joanna von
Jamberoo, einer Frauenabtei in der Nähe von Sidney (gerade einmal drei
Zeitzonen von New Norcia entfernt).
~~ * ~~
New Norcia – das sind 160 Jahre (benediktinische) Aborigines-Mission,
wie sie damals im Kolonialgeist des 19. Jahrhunderts verstanden wurde
und sich weiter entwickelte, bis in den 70-er Jahren die unmittelbare
„Mission“ an den Aborigines ganz aufgegeben wurde. Was macht man als
neue Aufgabe? Die Frage ist gut, aber leichter zu stellen als zu
beantworten.
New Norcia – das sind 160 Jahre Baugeschichte mit mehr als 60
Einzelgebäuden, von denen fast die Hälfte denkmalgeschützt sind. New
Norcia ist eine, … die einzige „monastic town“ in Australien (und wohl
in der ganzen Welt). 70.000 Besucher (davon 20.000 Schüler/Studenten)
pro Jahr. Um „Herr“ des Besucherstroms zu bleiben, hat das Kloster im
Laufe der letzten Jahrzehnte alle Betriebe in die eigenen Hände
zurückorganisiert.

Abt John und Sr. Joanna – Mitteltrakt der
Abtei – Handwerksgeräte der Mission im Museum
New Norcia – das ist die Chance, benediktinischer Tradition,
christlicher Mission, der Tiefenwelt der australischen Aborigines und
ihrer Begegnung mit der christlichen Mission, aber auch die Chance, dem
unendlichen Weltall zu begegnen. Die ESA, die europäische
Weltraumagentur hat in nächster Nähe ein Observatorium errichtet und in
New Norcia auch eine Informationsstätte über ihre Arbeit eingerichtet.

New Norcia – das sind schließlich die Benediktiner hier und heute. Die
Gemeinschaft zählt insgesamt neun Mitbrüder, von denen fünf tatsächlich
„in residence“ sind. Mögliche Fragen zu diesen Zahlen brauchen hier
nicht formuliert zu werden. Sie stellen sich, auch ohne dass man sie an-
und ausspricht. Gute Antworten sind willkommen!

~~ * ~~
Das Land – genauer: der Staat Westaustralien, ein Drittel des
Kontinents. Von den 20 Millionen Einwohnern Australiens wohnen hier
allerdings nur 2 Millionen. Bei einer Fläche von 2.529.880 km² sind das
etwa 0,8 Einwohner/km². Überhaupt die Fläche! Deutschland hat gerade
einmal 357.104 km². Ganz Westeuropa von der Straße von Gibraltar bis zum
Kanal (also ohne Großbritannien) und - an den nordischen Staaten vorbei
- bis zur polnisch-russischen Grenze, dann mit der Slowakei, Tschechien,
Österreich und Italien bringen es auf 2.582.792 km². ... und das
ist nur ein Drittel des ganzen Landes. ... Wow! Die Größe übersetzt sich
in Weite und in Straßen mit fast „ohne Verkehr“, aber mit langen, langen
„road trains“, Trucks mit einem oder auch zwei Hängern und 11 bis zu 16
Achsen, … beeindruckend.


Es ist November, Frühling / Früh-sommer – die Temperaturen gelegentlich
kühl, aber dann wieder doch 30° - oder auch 35° - … und das Ganze
garniert mit jeder Menge Fliegen. Der australische Gruß soll die
winkende, Fliegen verscheuchende Hand vor dem Gesicht sein.
Die Botanik – für den Fremden aus dem fernen Europa ein Entdeckungsfeld;
für mich ein kleines Paradies zum Fotografieren. Was dies und das im
Einzelnen ist, ist für mich nicht so wichtig. Die Schönheit im Detail
entdecken, - das ist es!


Die Fauna – so manches, wie die Kängurus und die Koalas gehört einfach
zu Australien und zum Bild, das „man“ über Australien hat. Ob ich denn
welche gesehen habe? Natürlich, denn Australien „ohne …“ – das wollten
uns die Mitbrüder von New Norcia nicht zumuten. Aber für diese
australische Alltäglichkeit mussten wir einen Ausflug in einen
Wildlife-Park machen. Und dort gab es dann auch Wombats und die
unterschiedlichsten Papageienarten. Ein Schnabeltier habe ich in diesem
Wildlife-Park nicht entdeckt. Dafür hat der „Tasmanian Devil“ meinen
absoluten Respekt gewonnen: irgendsoetwas Hundeartiges, dessen Biss
sechsmal stärker sein soll als der eines Pitbulls, … also ein richtiger
Knochenbrecher. Das Kamel, auf dem man für sechs australische Dollar
einen kleinen Ritt machen konnte, habe ich vor meiner bewundernden
Hochachtung bewahrt.



Zum Alltag in New Norcia gehören neben den schon genannten unzählbaren
Fliegen jede Menge von weißen Kakadus, die sich mit einem intensiven
Krächzen an sich selbst und aneinander erfreuen, - nicht ganz so viele
grüne Papageien und dann
schließlich
mindestens einen (oder heißt es: eine) Goanna, so etwas wie eine große,
dicke Eidechse mit kurzem Schwanz. Etwa 30 cm lang war das Exemplar und
es flößte mir distanzierten Respekt ein. Gefährlich scheint das Tierchen
nicht zu sein, aber beißen tut es schon.
Altabt
Bernard, den ich noch aus römischen Studienzeiten kenne und der sich im
Laufe der Jahrzehnte intensiv mit der Kultur der Aborigines befasst hat,
hat mir in einer Sonderführung ein modernes Bild des Letzten
Abendmahles, gemalt in der Tradition der Aborigines nahe gebracht.
Unserer ganzen Gruppe erläuterte er eine Ausstellung über die Aborigines
(und die Geschichte der Mission New Norcia mit ihnen). Am Schluss gab er
uns auf intensive Bitte noch einen Grundkurs im Bumerang-Werfen. Seine
beiden „Muster-Würfe“ … perfekt, so dass er vor dem zurückkommenden
Bumerang schleunigst fliehen musste. Unsere eigenen Versuche? … so von
wenigstens ansatzweise zufrieden stellendem „ausreichend“ bis zu
blamablem absoluten „ungenügend“. Es schien sich das klassische
Vorurteil für einen frommen Mönch bewahrheiten zu wollen: „No Sports!“

Der Schüler übt – der Lehrer flieht.
P. Albert Altenähr
091118
Link 1: Abtei New
Norcia ( Westaustralien). Kurzer geschichtlicher Abriss
Link 2:
Australische Weihnacht. Zu einem Wandgemälde in der Abteikirche New
Norcia
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