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Oosterhout – zwei Klöster u. eine Tagung
Ein Bildbericht
Ein Postcriptum vorweg: Der
folgende Bericht ist eigentlich mehr eine Fotosammlung, die für die
Konferenzteilnehmer und die Klöster unserer Kongregation gedacht ist.
Aber da er keine Geheimnisse enthält und Fotos immer interessant sind,
habe ich die Fotos mit ein wenig Text ins Netz gestellt.
Vom 4.-8.Mai tagte die
Visitatorenkonferenz der Benediktinerkongregation von Subiaco in der
Benediktinerinnenabtei Unserer Lieben Frau in Oosterhout bei Breda
(Niederlande). Die Konferenz ist ein halbjährliches Treffen der
erweiterten Leitung unseres Klosterverbandes und vertritt gut 60
Benediktiner- und nahezu halb so viele Frauenklöster in aller Welt.
Neben dem Präses der Kongregation gehören neun Äbte aus Belgien,
Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Burkina Faso, U.S.A.,
Philippinen und Vietnam dem Gremium an. Die Konferenzsprachen sind Englisch,
Französisch und Italienisch.

Abtpräses Bruno (Rom), Abt Anselm (U.S.A.), Abt Tarcisio (Philippinen)
// Abtpräses Bruno, Abt André (Burkina Faso), Generalprokurator P.
Christophe (Rom), Abt Stéphane (Vietnam)
Als Konferenzort für das Frühjahr
2006 war Oosterhout gewählt worden, weil das dortige Männer- und das
Frauenkloster seit dem Generalkapitel 2004 neu zu Kongregation gehören.
Gastgeberin im engeren Sinn, war die Benediktinerinnenabtei Unserer
Lieben Frau. Die Wahl des Tagungsortes war somit ein Zeichen des Willkommens und eine
Gelegenheit, sich gegenseitig näher kennen zu lernen. Wir Kornelimünsteraner haben im vorletzten Herbst unseren Konventsausflug
nach Oosterhout gemacht. In der Blütenpracht des Frühjahrs ist es dort
natürlich viel schöner als im kühlen nebligen Herbst.

Abt Romano (Italien), Abtpräses Bruno, Abt Jacques
(Frankreich) Abt Rien (Oosterhout, St. Paulus Abtei) // Äbtissin
Benedicta (Oosterhout, Abtei Unserer Lieben Frau)
Die beiden Klöster von Oosterhout
sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den französischen Klöstern
Wisques gegründet worden. In Frankreich dominierte damals eine sehr
antikirchliche politische Stimmung, so dass man eine politisch sicherere
Umgebung als Fluchtpunkt suchte. Nach dem ersten Weltkrieg hatte sich
die kirchenpolitische Lage in Frankreich so weit geändert, dass die
französischen Mönche und Nonnen in ihre Heimatklöster zurückkehrten und
die Klöster sich zu rein niederländischen Gemeinschaften entwickelten.
Weiterhin gehörten sie aber bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
der französischen Kongregation von Solesmes an. Damals trennte man sich
von der Kongregation von Solesmes, um mit anderen Klöstern der
Niederlande eine eigene Kongregation zu bilden. 2004 gab es dann unter
den niederländischen Klöstern eine Neuorientierung, bei der sich die
beiden Klöster von Oosterhout und das Kloster Slangenburg (bei Bocholt)
unserer Kongregation anschlossen.
Als die Mönche und Nonnen sich kurz
nach 1900 in Oosterhout ansiedelten konnten sie jeweils einen
ansehnlichen Landbesitz kaufen, die unmittelbar – nur durch eine Straße
getrennt – nebeneinander liegen. Zumindest der Besitz der Nonnen ist
ganz ummauert. Mit der Aufgabe der Landwirtschaft erschloss sich den
Nonnen damit ein außerordentlich großer Klausurbereich mit
unterschiedlichster landschaftlicher Gestalt (inklusive eines gar nicht
so kleinen Sees.) Die Blütenpracht eines gepflegten – fast möchte ich es
nennen: - Kurgartens konnte ich von meinem Zimmerblick aus genießen. Und
ein Teil dieses Gartenbereichs steht auch allgemein den Gästen zur
Verfügung. Die Mönche haben ihre Landwirtschaft verpachtet und insgesamt
sieht ihr Klausurgarten naturbelassener und „urwaldiger“ aus.



Oosterhout, Benediktinerinnenabtei
Die Altgebäude aus dem Beginn des
20. Jahrhunderts der beiden Klöster künden zum einen davon, dass man
genügend Geld hatte, um etwas Solides zu bauen, zum andern erzählen sie
von der Klosterauffassung Solesmes’. Das Klosterideal fand man im frühen
Mittelalter und übersetzte es in eine schwere Neugotik, die am Übergang
von der Romanik zur Gotik orientiert ist und teilweise an
Kreuzfahrerkirchen des Heiligen Landes erinnert. Das stark
zurückgehaltene Licht lädt in Mystik und Schweigen ein.
Das Nonnenkloster hat vor etwa 30
Jahren das Innere der Kirche neu gestaltet und einen Pforten- und
Gästetrakt neu errichtet. Für diese Arbeiten wurde als Architekt Pater
van der Laan aus unserer Nachbarabtei Vaals gewonnen. Die puristisch
klaren Linien und die ebenso puristischen Materialien seiner
Architektur und des ebenfalls von ihm entworfenen Mobiliars, die der Besucher von Vaals kennt, prägen für den Gast auch
die Abtei unserer Lieben Frau in Oosterhout. Allerdings schaffen es die
Nonnen, der großen Herbheit von Vaals doch einen leichten Touch von
„Verbindlichkeit“ gegenüber zu setzen. Auf jeden Fall zwingt die
Architektur-Ästhetik von P. van der Laan zur Auseinandersetzung und zur
Stellungnahme.

Oosterhout, Benediktinerabtei

Blick ins Treppenhaus u. ins Gewölbe des Kapitelsaals

Radleuchter über dem Hauptaltar der Kirche bzw. über dem
Altar des Kapitelsaals
Beide Klöster haben eine sehr gute
Bibliothek. Das Mönchskloster hat darüber hinaus ein kleines, aber
feines Museum, das im Laufe der Jahrzehnte offensichtlich durch Freunde
des Hauses gut beschenkt wurde.
Die 13 Mönche von Oosterhout haben
sich aus Gründen der Überalterung der Gemeinschaft vor einigen Jahren
dazu entschlossen, ihr Haus aufzugeben und als Gemeinschaft in ein
Altenheim für Ordensleute überzusiedeln. Die Umsiedelung soll im Juli
stattfinden. Ihr Kloster haben sie an die neue Bewegung des „Chemin neuf“
verpachtet, die dort ein geistliches Zentrum errichten will.
Die Nonnengemeinschaft der Abtei
Unserer Lieben Frau zählt rund vierzig Schwestern. Bis vor einigen
Jahren hatten sie ziemlich kontinuierlich Nachwuchs. Zur Zeit sieht es
mit den Nachwuchszahlen nicht ganz so gut aus.
Abt Albert Altenähr
060508 |