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Petersham -
Kontemplation und Schaukelstuhl
Visitatorenkonferenz
der Kongregation von Subiaco in Petersham, Massachussetts, U.S.A.,
November 2006. --
Ein
Reisebericht
Über ein anderes Kloster zu
schreiben, ist nie leicht. Alle Bemerkungen sind „ungerecht“ - sei es
gegenüber dem eigenen Kloster, weil man das positiv Andere
verherrlicht, sei es gegenüber dem fremden Kloster, weil man seine
Grenzen zu dunkel zeichnet. Und als Gast im Rahmen einer Tagung der
Kongregationsleitung sieht und erfährt man das besuchte Kloster sicher
noch einmal in einem ganz eigenen, „unwirklichen“ Blickwinkel.
Die Herbsttagung 2006 der
Visitatoren
der Kongregation von Subiaco fand in Petersham,
Massachusetts, U.S.A., statt (20.-27.11.2006). Petersham ist eine
Gründung aus der Mitte der 80-er Jahre des verg. Jahrhunderts. Das
Besondere von Petersham ist, dass es sowohl ein Nonnenkloster als auch
ein Männerkloster umfasst. Beide Gemeinschaften führen ein voneinander
unabhängiges Leben. Gemeinsam ist ihnen das Chorgebet in der Kirche, die
beide Klosterteile miteinander verbindet.

Abt André (Burkina Faso), Abt Tarcisio (Philippinen), P. Anselm (U.S.A.,
Gastgeber)

Abt André (Burkina Faso), P. Christophe (Generalprokurator, Rom), Abt
Stephane (Vietnam), Abt Kris (Belgien)
An der Wand das Wappen der Abtei Pluscarden
(Schottland), zu dem Petersham
als abhängiges Priorat gehört.
Petersham liegt zwei Autostunden von
Boston entfernt in den weiten Wäldern von Massachusetts. Der praktisch
nicht durchforstete Mischwald lässt die Jungenträume vom Trapperleben in
einer winterlichen Blockhütte wach werden. Nun, Winter war es noch
nicht, aber die Temperaturen um den Gefrierpunkt - bei strahlend klarem
Himmel und in den ziemlich überheizten Räumen - liess den Schnee
durchaus ahnen (… und befürchten). Für den „Indian Summer“ mit seinen
bunten Farben war der Tagungstermin schon einen Monat zu spät.

Das „Ortszentrum“ von Petersham
liegt 3 ½ Meilen vom Kloster entfernt. Die Mitbrüder sagen, dass es von
der Unitarian Church, der Townhall (Bild)und einem Store (Laden) gebildet
wird. Das sei’s dann auch. Nun, ganz so schlimm ist es nicht. Es gibt
durchaus eine Reihe von Häusern, die aber alle in gehörigem Abstand
voneinander stehen, so als ob Nachbarschaft ja ganz nett sei, aber zu
nachbarlich sollte sie nicht sein. Und je weiter man sich vom „Zentrum“
entfernt, desto größer scheinen die Entfernungen der Häuser zueinander
zu werden. Bei angeblich nur 1000 Einwohnern wird so eine sehr große
Fläche be- oder auch zersiedelt.
Die Nonnengemeinschaft von Petersham
entwickelte sich aus einer Verbindung junger Frauen mit privaten
Gelübden, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden war. Über das
Stadium benediktinischen Oblatentums und mit Unterstützung der
englischen Abtei Stanbrooke wurde die Gemeinschaft 1984 eine
benediktinische Nonnengemeinschaft. Die Gemeinschaft hat heute 7 Nonnen
„in residence“ und drei weitere auf Außenposten.
Am Anfang des Männerklosters stehen
der libanesisch-stämmige Priester des maronitischen Ritus Fr. Cyril
Karam und zwei Gefährten. Sie wurden kurz nach Ihrer Ankunft in
Petersham Oblaten der schottischen Abtei Pluscarden, die das Kloster
schließlich als abhängiges Priorat in ihre Gemeinschaft übernahm. Die
Mönchsgemeinschaft zählt heute 8 Mitglieder, darunter einen Novizen.
Zwei der Mönche sind von Pluscarden herübergekommen.


Die beiden Gemeinschaften verstehen
sich als streng kontemplative Gemeinschaften, in denen neben dem
Chorgebet das persönliche Gebet, die Meditation und die geistliche
Lesung die Tagesschwerpunkte bilden. Das Chorgebet wird lateinisch in
der alten Psalmenordnung der Benediktsregel gesungen. Neidlos wird man
anerkennen müssen, dass die Schwestern die besseren und klareren Stimmen
haben, während die Mönche mit teilweise sehr „breiter“ amerikanischer
Zunge das Latein manchmal in eine für das europäische Ohr „unbekannte
Vokalfolge“ umformen.

Die Klostergebäude sind nicht
unbedingt „klösterlich“. Die Schwestern hatten seinerzeit ein
Familienanwesen im Stil eines englischen Landhauses übernommen. Für das
klösterliche Leben ist so ein Haus natürlich nur sehr bedingt geeignet.
Die Mönchsgemeinschaft lebt in noch provisorischeren Gebäuden. Da stehen
beide Gemeinschaften noch vor großen Bauaufgaben. Die neue Kirche
zwischen den beiden Klöstern dagegen „hat was“. Vor allem strahlt sie
Licht und Weite aus. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass sie zuviel
Weite für die beiden kleinen Gemeinschaften und die wenigen
Gottesdienstbesucher bietet.

Welche Erinnerungen werden bleiben?
Natürlich ist da die offene, herzliche Gastfreundschaft, die bei aller geprägten
Eigenheit jedes Klosters benediktinische und darüber hinaus
sublazensische Zusammengehörigkeit erfahren lässt. Da ist der
„unendliche“ Wald, der den beiden Klöstern etwas Pionierhaftes anheftet.
Der höchste amerikanische Festtag, „Thanksgiving“, servierte einen
mächtigen Truthahn auf den Tisch. Die Wochenendmelodie veranstaltete der
örtliche Gun-Club mit einiger Ballerei, um sich auf die Jagdsaison
einzustimmen. Und schließlich gab es allüberall …
Schaukelstühle.
Abt Albert Altenähr OSB
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