Polokwane - Pietersburg
Eine benediktinische Reise nach Südafrika

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe keine Löwen, Elefanten, Antilopen, Zebras oder was es sonst noch für erzählenswerte Safari-Tiere im Kruger Nationalpark gibt, gesehen. Ich kann auch nicht von den Sehenswürdigkeiten von Kapstadt, Johannesburg oder anderen Städten berichten. Südafrika beschränkte sich für mich auf den Flughafen von Johannesburg, das Flughäfchen von Polokwane (Pietersburg), 25 km Autobahn, 15 km Staubpiste und das Kloster St. Benedicts Abbey am Fuß der Drakensberge. Viel zu wenig, um einen halbwegs umfassenden Eindruck von Südafrika zu gewinnen, aber zu einer Touristen- und Bildungsreise war ich ja auch nicht unterwegs.

Es war eine „Dienstreise“ zur turnusmäßigen Halbjahreskonferenz der Visitatoren unserer Benediktinerkongregation. Sie findet jeweils in einem anderen Kloster der Kongregation statt. Seit knapp acht Jahren tagen die Visitatoren auch immer wieder in den außereuropäischen Klöstern, um ihnen gegenüber und in die ganze Kongregation hinein ein Zeichen zu setzen, dass die Kongregation nicht einfach „europäisch“ denkt und fühlt.

Diesmal war die Wahl auf das Kloster St. Benedict’s Abbey in Subiaco (das Gemeindeschild schreibt „Sobiaco“) 40 km südöstlich von Polokwane in Südafrika gefallen. Bekannter im Orden ist das Kloster unter dem Namen Pietersburg, wie die Stadt Polokwane hieß, bis sie vor einigen Jahren wieder ihren alten afrikanischen Namen erhielt. Polokwane liegt eine Flugstunde nördlich von Johannesburg, - mehr oder weniger auf gleicher geographischer Breite wie Phalaborwa, einem der Zugänge zum Kruger Nationalpark. Es gehört zur Provinz Limpopo, der früheren Northern Province / Transvaal.

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Die Geschichte des Klosters Polokwane deckt sich zeitlich mit der Geschichte unserer Abtei Kornelimünster. In 1906, dem Gründungsjahr der neuen Abtei Kornelimünster, übernahm die damalige belgische Provinz unserer Kongregation, zu der anfänglich auch Kornelimünster gehörte, Nord-Transvaal als Missionsgebiet. Das europäische Kolonialinteresse an Afrika und der Gedanke der Missionierung des schwarzen Afrikas verbanden sich mit dem Missionsgedanken, der seit den Anfängen in der Kongregation von Subiaco virulent war. Als Missionsgebiet bot sich Nordtransvaal für die damaligen belgischen Mitbrüder an, weil das Burische und das Flämisch-Niederländische dieselbe Sprache sind.

Sehr verkürzt kann man sagen, dass die heute aktuelle Frage des Klosters Polokwane damals grundgelegt wurde. Die Idee „Mission“ scheint damals so zündend gewesen zu sein, dass man über die Verbindung von Mission und Kloster nicht hinreichend Klarheit geschaffen hat. Durch die Jahrzehnte hindurch hat die Arbeit im Missionsgebiet und auf den Missionsstationen die Vorstellung so beherrscht, dass der benediktinische Klostergedanke immer wieder in den fernen Hintergrund trat. Man hielt es für vorrangig, Missionare zu brauchen, nicht Mönche in einem Kloster. Da die belgischen Mitbrüder nie viele Mönche in die Mission aussenden konnten, wurde vorwiegend der Bedarf an Missionspriestern bedient. Gleichzeitig gelang es durch Jahrzehnte hindurch nicht, einheimische Berufe für das Klosterleben zu gewinnen. Es gab die Missionsstationen, aber kein Kloster, an dem sich eine Klosterberufung hätte entzünden können.

Die politischen Entwicklungen in der Welt und in Südafrika im besonderen taten das Ihrige, eine gedeihliche Entwicklung des Klosters zu erschweren. 1939 wurde das Missionsgebiet zu einer sogenannten Territorialabtei erhoben. Der Obere wurde gleichzeitig Bischof und Abt und das „Zentrum“ der benediktinischen Missionare wurde als Abtei nach Pietersburg, dem Bischofssitz, verlegt. Der bereits genannte „Missionsbedarf“, der zweite Weltkrieg und schließlich die Apartheitspolitik, die Pietersburg zum „weißen Wohngebiet“ erklärte, waren auch danach hinderlich für die Entwicklung des Klosters.

Eine neuerliche Verlegung in den 80-er Jahren in die sogenannten „homelands“, in denen eine rassisch gemischte Klostergemeinschaft von Weißen und Farbigen möglich war, hat eine sehr schöne Klosteranlage geschaffen. Kirchlich ist die Zeit der Territorialabtei 1988 beendet worden. Pietersburg wurde Bistum, Abt Fulgence Le Roy wurde der erste Bischof der neuen Diözese und das Kloster wählte einen neuen Abt. Die Generation der belgischen Missionare ist inzwischen auch zu Ende gegangen, da die flämischen Klöster nur sehr geringen Nachwuchs haben und keine neuen Missionare nach Transvaal aussenden können. Die Frage nach dem Selbstverständnis und der Identität des Klosters heute steht ganz oben auf der Liste der Lebensfragen der Gemeinschaft.


abendliche Rekreation - In der ersten Reihe von rechts:
Abtpräses Bruno, P. Anselm (Visitator der engl. Provinz), P. Prior Joseph Gabriel

Die Gemeinschaft von Polokwane zählt 8 Mitbrüder mit ewiger Profess und zur Zeit (November 2007) 5 Postulanten. Drei der Mitbrüder sind Weiße: der Prior Administrator aus dem amerikanischen Kloster Christ in the Desert (Neumexiko) und Professe dieses Klosters, - ein Belgier, von dem man liebevoll sagt, er sei in den Jahrzehnten seiner Missionarstätigkeit südafrikanischer geworden als die Südafrikaner, - und ein Südafrikaner, dessen beide elterliche Familien auf mehr als 200 Jahre Heimat in Südafrika zurückblicken können. Der Prior ist seit 15 Monaten im Amt, nachdem sein Heimatkloster personelle Hilfe für Polokwane zugesagt hat. Sein Mandat wurde in diesen Tagen um drei Jahre verlängert.

Christ in the Desert schickt für jeweils ein halbes Jahre je zwei weitere Mitbrüder nach Polokwane. Während unseres Besuches waren es ein Filipino und ein Vietnamese. Der Halbjahresrhythmus dieser Unterstützung aus Amerika erklärt sich aus den US-Aufenthaltsgesetzen. Christ in the Desert hat viele Mönche aus dem Ausland, die einen „permanent residence permit“ haben. Sie würden diesen Aufenthaltsstatus verlieren, wenn sie länger als ein halbes Jahr die USA verließen. Die starke personelle Präsenz aus dem amerikanischen Christ in the Desert ist eine große Hilfe für das Kloster. Sie ist in der bereits erwähnten Frage nach dem afrikanischen Selbstverständnis der Gemeinschaft aber natürlich auch eine große Herausforderung, die viel Sensibilität verlangt.

P. Phina, Profess 1980, ist der erste Schwarzafrikaner in der Geschichte der Abtei, der „durchgehalten“ hat. Der ausdrückliche Hinweis auf dieses „Durchhalten“ und ein rückfragendes Gespräch dazu deutete an, dass langfristige Kontinuität und Stabilität nicht unbedingt die natürlichen Stärken der Afrikaner seien.

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Polokwane war mir seit meiner Abtsweihe eine „lebendige“ Abtei. Damals hatte mir Abtbischof Fulgence Le Roy einen sehr freundlichen Brief geschrieben, in dem er sich über meinen Wahlspruch „Froh in der Hoffnung“ (Röm 12,12) freute, der auch der seine war. Unser Totengedenken nach dem Abendessen erwähnt zu ihrem Todestag auch zwei unserer Mitbrüder, die gut 10 bzw. 30 Jahre in Transvaal missionarisch tätig waren: Br. Amatus Wulfers und P. Rupert Sailer. Wie war ich überrascht, als ich auf dem Friedhof der Gemeinschaft Polokwane auf einer Gedenktafel für die dort tätig gewesenen Mitbrüder ihre Namen wiederfand. Das hat mich schon sehr berührt. Die beiden waren von ihrem Heimatkloster Merkelbeek - unserem Mutterkloster - ausgesandt worden und sind nach ihrer Heimkehr aus der Mission bei uns heimisch geworden.

Zu den bleibenden Eindrücken dieser Reise wird sicher die „kurze“ Messe am Sonntag gehören. Es war zwar angesichts der vielen Gäste aus Übersee ein bisschen Festmesse, aber sie dauerte wirklich „nur“ 2 ½ Stunden. Es wurde, begleitet von einer großen und einer kleineren Trommel, viel gesungen und der klare Rhythmus fuhr so in die Glieder, dass rhythmische Bewegung und ein getanztes Schreiten einfach „zwingend“ natürlich waren. Der große Einzug in die Kirche, Prozessionen zum Hineintragen des Lektionars für die Schriftlesungen und zur Gabenbereitung gaben ausführlich Gelegenheit, sich vom Rhythmus mitreißen zu lassen. Die große Trommel - ein einfaches Blechfass, über das eine Kuhhaut gespannt war - wurde von einer blinden älteren Ordensschwester mit einer derartigen Kraft, Hingabe und gleichzeitig mit großer Sensibilität geschlagen, dass ich jetzt noch „weg“ bin, wenn ich daran denke.

Die Sonntagsmesse war sehr, sehr gut besucht. Ein Mitbruder meinte allerdings, das sei wohl dem festlichen Anlass zu verdanken, der alltägliche Sonntagsmessbesuch sei nicht nur geringer, sondern lasse deutlich nach. Hinter diesem Besucherschwund stehe die Zion Christian Church, die sehr viel „afrikanischer“ sei als die „europäischen“ Kirchen des Protestantismus und Katholizismus und darum die Bevölkerung unmittelbarer anspreche. Die Zion Christian Church, die größte der einheimischen afrikanischen Kirchen, hat ihr Zentrum in naher Nachbarschaft zu unserem dortigen Kloster.

Als Doch-ein-wenig-Tourist habe ich die gläsern klaren Lichtverhältnisse genossen, die die Sonnenauf- und -untergänge und den Sternenhimmel zu einem Traum machen. Die großen Kakteen und andere subtropische Pflanzen beeindruckten mich und ganz besonders eine prächtige Schirmakazie, die in einem der Klosterhöfe ein prächtiger Sonnenschirm voller Schatten war. Und dann habe ich noch eine ganze Reihe von Nestern des Webervogels entdeckt, bei denen der Hobbyfotograf oft verweilte.

Alles in allem war es sehr wenig Südafrika, was ich mitbekommen habe, aber schon über dieses Wenige könnte ich unendlich viel erzählen, - auf jeden Fall noch viel mehr, als ich hier geschrieben habe.

P. Albert Altenähr OSB
071116

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