Subiaco – Die Klöster Santa Scolastica und Sacro Speco

Der Ort Subiaco mit seinen beiden benediktinischen Urstätten liegt gut 80 km östlich von Rom in den Abruzzen. Seinen Namen hat er von einer alten neronianischen Villa, die der Kaiser an einem kleinen Stausee sich hatte bauen lassen. Es war die Villa „sub lacum – am See“. Villa und See sind verschwunden, - der Name ist geblieben: Subiaco. Im Bergtal von Subiaco begann Benedikt als Einsiedler in einer Höhle seinen Weg. Hier ließ er die Gefährten, die ihn und seinen tief gelebten Glauben „entdeckten“, die ersten Klöster gründen. Von hier zog er später zum Monte Cassino, das sich heute stolz als „Archicoenobium“ – als Erzkloster versteht.

Subiaco liegt am Oberlauf des Flüsschens Aniene, der in den Simbruini-Abruzzen entspringt und in Rom in den Tiber mündet. Der Name „Simbruini“ leitet sich vom lateinischen „montes sub imbribus = Berge mit reichen Regenfällen“ ab. Der heute wohl bekannteste Ort am Aniene ist Tivoli mit den phantastischen Wasserspielen der Villa d’Este,

Subiaco bewahrte Benedikts Anfänge durch die Jahrhunderte in zwei Klöstern, die 3 bzw. 4km entfernt in einem Seitentalliegen: dem kleinen Kloster „Sacro Speco – der ‚heiligen Grotte’“, das am Berghang klebt und den heiligen Benedikt als Patron hat, und dem größeren Kloster „Santa Scolastica“, das etwa 15 Fußminuten bergab in der geräumigeren Talsohle gebaut ist (ca. 450 m ü.N.N.). Beide Häuser sind ordensrechtlich ein Kloster / eine Gemeinschaft, aber eben in zwei Klosterbauten aufgeteilt. Der Rivalitätsstolz, älter als Montecassino zu sein, lässt das Kloster sich mit dem Titel „Protocoenobium – Erstkloster“ des Ordens schmücken.

Das Kloster zählt heute etwa 20 Mönche.

Als der Italien-Historiker und Schriftsteller Ferdinand Gregorovius Subiaco im Jahr 1858 besuchte, notierte er: „Das Kloster der S. Scholastica zählt noch heute gegen 70 Brüder, darunter mehrere Deutsche. Der gegenwärtige Abt Dom Pietro Casaretto hat es strenge reformiert, und man sagte mir, dass die Mönche auf magere Kost gesetzt seien. Indes habe ich auch in die ansehnliche und hochgewölbte Küche hineingesehen, und ein lieblicher homerischer Fettgeruch, der daselbst verbreitet war, schien mir nicht gerade nach der pythagoräischen Regel Benedikts zu duften, welche die animalische Speise verboten hatte.“

Unter den „mehreren Deutschen“ war 1858 auch P. Godehard Heigl. Als Mettener Schüler suchte er ein Kloster mit missionarischer Ausrichtung und trat 1852 in Subiaco ein. 1857 wurde er zum Priester geweiht. 1859 wurde er nach England in das neu gegründete Kloster Ramsgate gesandt. Auf dem Weg dorthin erhielt er mit dem Kloster Dendermonde eine neue Destination. Als Abt von Affligem hat Heigl 1893 das Kornelimünsteraner Mutterkloster Merkelbeek gegründet hat. Er erlebte noch die Gründung von Kornelimünsster 1906 und starb 1912. Abt Godehard Heigl darf auch als Vater der wiederbelebten Oblatentradition des Ordens gelten.

Mich persönlich zieht es immer wieder eher nach Subiaco als nach Montecassino. Montecassino empfinde ich als Größe und Pracht, Subiaco ist mir mehr Atmosphäre und Dichte. Aber das sind persönliche Eindrücke, die ein anderer nicht teilen muss.

 

2. Teil > Subiaco - Santa Scolastica

P. Albert Altenähr OSB
080902

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