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Vier Klöster in den USA
Ein Reisebericht
1
Thien Tam, Texas - 2 Christ in the Desert - 3 Our Lady of
the Desert, New Mexico – 4 Holy Cross, Chicago
Christ in the Desert

Von Dallas, Texas, flogen
P. Anselm und ich nach Albuquerque, der größten Stadt in New Mexico. Die
Stadt hat mehr als 500.000 Einwohner, - der gesamte Staat rund 2
Millionen. Dass Albuquerque nicht die Hauptstadt des Staates ist,
sondern das kleine Santa Fe mit etwa 50.000 Einwohnern überrascht den
Besucher, aber es ist einfach Zeugnis der Geschichte, die im Lauf der
Zeit andere Gewichtungen und überraschende Entwicklungen zulässt. Abt
Philip sagte uns, dass New Mexico zwölf Einwohner pro Quadratmeile zählt
und er schmunzelte weiter, dass die Gegend seines Klosters so in etwa
auf einen Einwohner auf zwölf Quadratmeilen komme.
Von Albuquerque nach
Christ in the Desert sind es sehr gute drei Autostunden, … alles im
gemächlichen 55- und 65-Meilen-Tempo, das auch auf den leersten Highways
eingehalten wird. Es geht über Santa Fe, dessen alte Prägung wir nur in
einer kurzen Rundfahrt durch die Stadt genießen konnten. Die älteste
katholische
Kirche
der USA – von 1610 – wäre vielleicht eines Besuches wert gewesen. Bei
der Fahrt durch das beschauliche Regierungsviertel erinnerte ich daran –
ich hatte mich in Deutschland schließlich ein wenig schlau gemacht -,
dass der Verfasser des berühmten Buches „Ben Hur“ Gouverneur von New
Mexico gewesen war. Die Straße führt immer wieder durch „Indianer-Land“
und die besonderen Rechte, die man den alten und wieder neuen Besitzern
gegeben hat, erlauben es ihnen, Spielcasinos und steuervergünstigte
Einkaufszentren zu führen.
Von der Route 84 geht es
„irgendwann“ auf die Schotterpiste der Forest Service Road 151 ab, - 13
Meilen weit in den Chama Canyon hinein. Vor 40 Jahren, in den
Anfangszeiten von Christ in the Desert war es eine reine Lehmpiste mit
tiefen Furchen. Die letzten paarhundert Meter auf unmittel-barem
Klostergrund sind noch in diesem Urzustand. Ist es bei knochen-trocken
harter Piste schon sehr schwer, aus diesen Furchen heraus abzubiegen, so
ist es nach einem heftigen
Regenguss
ein echtes „Erlebnis“, plötzlich in die Furchen abzurutschen, - einfach
geradeaus zu fahren, - und dann vielleicht sogar noch aus den Furchen in
eine andere Richtung abbiegen zu müssen. Am Morgen als wir Christ in the
Desert verließen, hatten wir genau dieses Vergnügen. Für den Neuling gab
es einige Schrecksekunden und ein wenig mehr Verständnis für die
Vorliebe für robuste Pickups und Landrover.

Die Canyon-Landschaft ist
beeindruckend. Den steilen Felsen mit ihren Farbbändern kann man
abspüren, wie sehr der Chama River sich im Lauf der Jahrhunderte und
–tausende in sie hineingenagt hat.

Dass Mönche auf der Suche
nach einer Einöde hier ihre Sehnsucht erfüllt sahen, ist mehr als
verständlich, zumal sich mit der Abgeschiedenheit die Schönheit paart.
Das „… in the Desert“ sollte man auf jeden Fall nicht einfach mit einer
lexikografisch vielleicht richtigen Übersetzung „… in der Wüste“
wiedergeben, sondern eher mit „… in der Abgeschiedenheit“. Es ist „üppig
karg“ hier oben auf etwa 2.300 m Höhe. Im Schatten konnten es in diesen
Tagen gut über 30° C werden, aber es war eine trockene Hitze und von
daher erträglich; nachts sank die Temperatur mehr als einmal auf 10° C.
Aber Wüste, Sand, Dünen, „Klein-Sahara“ o.ä. … …, nein.

Die Klosteranlage muss
man bewundernd als gelungen bezeichnen. Vor vierzig Jahren begannen die
Mönche in einzeln stehenden Hütten, die auch heute noch als Zellen
genutzt werden, weil die Gemeinschaft nach und nach so gewachsen ist,
dass das Kloster nicht genügend Zellen bereitstellen kann.


Die Kirche hat die Form
eines griechischen Kreuzes. Allseitige große Glasfronten im oberen Teil
schenken dem Raum eine große Lichtfülle. Im Kopf-Arm des Kreuzes ist der
Tabernakel untergebracht, der als Flügelaltar unter dem Thema der
Verherrlichung Christi auf dem Berg Tabor gestaltet ist. Moses und Elias
stehen rechts und links von der „Hütte“ Christi. Zur Messe wird die
Tabernakel-Mitte des Triptychons geschlossen, um den Zelebrationsaltar
und die Messfeier betont in den Vordergrund zu rücken.

Wenn man durch das Haus
geht, dann wird man mehr als einmal fasziniert sein, wie es gelungen
ist, alte Mönchstraditionen aufzunehmen und sie in Ort und Zeit von New
Mexico heute zu übersetzen. Wenn es im Wesentlichen oder sogar
ausschließlich Architektur und Gebäude wären, die einen Klostereintritt
bestimmen würden, wäre Christ in the Desert ein Ort, zu dem ein
Klosterkandidat vorbehaltlos „Ja!“ sagen könnte. Die Bibliothek des
Klosters hat allerdings noch einen provisorischen Charakter. Vielleicht
aber sagt gerade das auch mehr über das Selbstverständnis von Christ in
the Desert aus, als den Mönchen bewusst ist. So wichtig ihnen die „lectio
divina“ ist, so sehr dominiert neben dem langen Choroffizium, das
abgesehen von der Prim am vollen Programm Benedikts festhält, doch die
manuelle Arbeit ihr Mönchsein.
Die Mönchsgemeinschaft zu
überschauen, ist nicht einfach. Für die Visitation erhielten wir zwei
Listen. Die eine führte die Namen der Mitbrüder auf, die wir in diesen
Tagen sehen würden (28 Namen). Die zweite Liste mit 41 Namen zählte alle
auf, die Christ in the Desert offensichtlich als „seine“ Mitbrüder
betrachtet. Sie nannte auch jene, die gerade nach Thien Tam zur
Neugründung des dortigen Klosters entsandt waren und auch zwei
Mitbrüder, die in Polokwane (Südafrika) tätig sind. Dann hat Abt Philip
noch eine weitere Namensliste der Mitbrüder, die in den beiden
abhängigen Prioraten Mexikos und in Chicago leben. Juristisch gehören
auch sie zu Christ in the Desert.

P. Prior Francisco Alanis
Rios, Abt Philip Lawrence ~ + ~ Br. Leander Hogg, P. Bernard
Cranor
Für Christ in the Desert
selbst führt die zweite der genannten Listen 21 feierliche Professen
auf. Dann gibt es zeitliche Professen (1: 44 Jahre), Klaustraloblaten
(2), Novizen (1: 46 Jahre) und Postulanten (2: 30 u. 64 Jahre). Der
jüngste Professe ist 34 Jahre alt.
Eine Besonderheit in
Christ in the Desert ist die Kategorie von Mönchen „in Process of
Transfer“ (2) und „Temporarily Transferred to MCID“ (1). Sehr viele
Mönche des Klosters – fast alle – haben ihre ursprüngliche
Klosterberufung in anderen benediktinischen Häusern oder anderen Orden.
Sie sind erst in einem zweiten oder auch dritten Schritt zur
Gemeinschaft von Christ in the Desert gestoßen. Sicher gibt die Vielfalt
der Vorerfahrungen ihrer Mönche der Abtei eine ganz eigene Prägung.

Br. Anton Vo Xuan Thien, P. Odon Nguyen van Tho ~ + ~ P. Anselm
Atkinson (Visitator), P. Christian Leisy
Zu dieser bunten
klösterlichen Vorprägung kommt die vielleicht noch buntere Prägung des
kulturellen Hintergrundes der Brüder und der sehr unterschiedlichen
Kenntnis des Englischen. Die Mitbrüder kommen aus Vietnam (4), Mexiko
(6), den Philippinen (4), Korea (2), Indien (1), Madagascar (1),
Südafrika (1), nicht gerechnet die aus anderen Ländern, deren
Inkulturation in die USA soweit fortgeschritten ist, dass man sie eher
zu den „Amerikanern“ zählen kann. Diese Farbenvielfalt ist nicht nur
Reichtum, sondern auch immer wieder spürbare Grenze.

Wie in jedem Land, so
gibt es auch in New Mexico eine sicher faszinierende Tierwelt, … von der
der Besucher mehr hört als sieht. Bären, Pumas und Klapperschlangen sind
mir nicht begegnet. Kojoten haben einmal in der Nacht ums Kloster herum
geheult, aber ich habe tief geschlafen. Das größte Tier, das ich neben
den fünf Klosterhunden und vier Klosterkatzen gesehen habe, waren einige
Hasen. Ja, und dann gab es tatsächlich auch zwei Schlangen, die sich in
einer Ecke des Gartens im Kreuzganggarten in der Sonne räkelten … etwa
Daumen-dick und vielleicht 70 cm lang. Als ich davon erzählte, war die
erschreckte Reaktion: „Klapperschlangen??“ Als ich sie dann beschrieb
und ein Foto präsentierte, Erleichterung: „Bullsnakes, … harmlos!“ und
angesichts der Größe offensichtlich noch recht jung.
P. Albert Altenähr
090818
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Our Lady of the Desert
Holy Cross Monastery, Chicago
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