|
Vier Klöster in den USA
Ein Reisebericht
1
Thien Tam, Texas - 2
Christ in the Desert - 3
Our Lady of
the Desert, New Mexico – 4 Holy Cross, Chicago
Holy Cross Monastery, Chicago
Die
Gemeinschaft von Holy Cross zählt sieben Mitbrüder – fünf mit ewigen
Gelübden, einen in den zeitlichen Gelübden und einen Novizen.

In der Mitte: Prior P. Peter Funk; ganz
links P. Edward
Die
ersten drei der Mitbrüder kamen aus einer nicht-benediktinischen
Ordensgemeinschaft pastoraler Ausrichtung. Sie hatten das Verlangen,
mitten in einer Stadt das Zeugnis kontemplativen Lebens zu
verwirklichen. Dieser Gedanke führte sie zur „Gemeinschaft von
Jerusalem“, in deren Pariser Haus sie den Geist der Gemeinschaft
aufzunehmen suchten. Im Lauf der ersten Jahre sind die Mitbrüder aber zu
der Überzeugung gekommen, dass eine mehr benediktinische Prägung für sie
angemessener sei. Sie baten das Kloster Christ in the Desert, sie unter
seine Fittiche zu nehmen und in das benediktinische Leben hinein zu
begleiten. So wurde Holy Cross ein abhängiges Priorat von Christ in the
Desert.

Mitte: Engelfresken im Vierungsgewölbe
In
Chicago fanden sie in einer aufgelassenen Pfarrei und deren Pfarrhaus
eine Heimat. Die Gegend würde ich als eine „Neighborhood“ der unteren
Mittelklasse charakterisieren. Von Seiten der Mitbrüder erfahre ich,
dass es eine langsam aufstrebende Gegend ist, die vor zwanzig Jahren,
als sie hier begannen, sehr viel ärmer war. Zwei kleinere Häuser in der
Nachbarschaft konnte man erwerben. Sie werden als Gästehaus und für ein
B&B – Bed and Breakfast – genutzt. Ein „richtiges Kloster“ ist der Traum
der sieben Brüder, aber dazu fehlt das Geld.

Die
ehemalige Pfarrei war eine deutsche Pfarrei, für und von Auswanderer/n
aus Böhmen in den 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet. Ihr
Patrozinium war die „Unbefleckte Empfängnis“, die in jenem Jahrzehnt als
Dogma von Pius IX. verkündet worden war. Der Stil der Kirche ist
faszinierend reine Neugotik, inklusive aller Buntglasfenster. In ihnen
verraten die deutschen Stifterinschriften, z.B. „Andreas und Anna
Stoeger“, die deutsche Prägung ihrer ersten Pfarrangehörigen. In
nächster Nachbarschaft, jeweils weniger als 5 Minuten Fußweg liegen zwei
alte polnische Pfarreien, deren eine Kirche jetzt die Pfarrkirche des
ganzen Gebietes ist. Insgesamt sollen etwa 50% der Einwohner Chicagos
katholisch sein. Der sonntägliche Kirchbesuch wurde mir mit 30%
angegeben.

Die
beiden Hauptfenster in den Seitenschiffen der Kirche stellen zum einen
die Vision der Jungfrau dar, die der Apostel Johannes in der Geheimen
Offenbarung beschreibt, und zum anderen die Verkündigung des Dogmas von
der Unbefleckten Empfängnis Mariens durch Pius IX. Im Chorraum erzählen
die Obergadenfenster Szenen aus dem Leben Jesu, im Langhaus haben die
Fenster Szenen aus dem Marienleben zum Thema.
Die
Mitbrüder von Holy Cross sehen sich 20 Jahre nach der Gründung des
Klosters vor der Aufgabe, das Konzept der kontemplativen Existenz in
ihrer konkreten Neighborhood neu zu überdenken. Die Frage ist ihre
Beziehung zur Stadt. Ist die Stadt der positive Ort ihres kontemplativen
Anliegens oder ist sie eine Bedrohung, gegen die es sich zu schützen
gilt? Anders gefragt: Wie hat sich das Ideal des Anfangs tatsächlich
realisieren lassen? Wie hat die Realität das Ideal verändert?

Natürlich war auch ein Ausflug nach Downtown Chicago – also in das
Zentrum von Chicago – in diesen Tagen möglich. Die Stadt liegt am Lake
Michigan, dessen Dimensionen – 500 Meilen Länge, 170 Meilen Breite mir
mit Stolz mitgeteilt wurden. Und natürlich sind die Chicagoer stolz auf
die Skyline ihrer Wolkenkratzer. Einen von ihnen – das Hancock Building
– hatte P. Peter als Ziel ausgeschaut, um uns einen Blick „von oben“,
d.i. aus dem 96. Stockwerk, genießen zu lassen.

1) Hancock Tower, 2) anglikanische Kathedrale, 3)
Michigan See,
4) u. 5) katholische Kathedrale
P. Albert Altenähr
090821
zurück zum Anfang
|