Oblaten – Christsein aus dem Geist Benedikts 

Den im folgenden wiedergegebenen Beitrag über Oblaten habe ich in unsere Homepage aufgenommen, weil es z.Zt. im deutschen Sprachraum (noch) keine zentrale Internetseite gibt, die sich dem Oblateninstitut kontinuierlich und konzentriert widmet. Die Autorin, Dr. Gabriele Heitfeld-Panther, ist Oblatin des Zisterzienserklosters Langwaden. Sie wohnt in Bochum-Stiepel, wo es ebenfalls ein Priorat der Zisterzienser gibt, das allerdings bisher keine Oblaten aufnimmt. Der Beitrag ist ursprünglich in den „Stiepeler Kloster-Nachrichten“ (4/2003) erschienen. Die Übernahme der Ausführungen in unsere Website ist mit der Autorin und dem Prior von Stiepel abgesprochen. 

Unter der Überschrift „Oblaten – Zisterziensisches Leben in der Welt“ stellt Frau Heitfeld-Panther die Oblatenidee den Lesern der „Stiepeler Kloster-Nachrichten“ vor. Wenn der Beitrag - abgesehen von der Überschrift - unverändert auf einer benediktinischen Website verbreitet wird, so ist das darin begründet, dass ich nichts darin finde, was nicht auch benediktinisch wäre. Das Adjektiv „zisterziensisch“ lässt sich in dem Artikel ausnahmslos durch „benediktinisch“ ersetzen. 

Diese Nähe ist leicht zu erklären. Auch die Zisterzienser haben als eine Reform der Benediktinerklöster des Mittelalters die Regel des hl. Benedikt als Grunddokument. Das Oblateninstitut ist geschichtlich originär dem Benediktinerorden zuzuordnen und dort auch heute verbreiteter als bei den Zisterziensern. Die Oblatengemeinschaften der Zisterzienser pflegen als assoziierte Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten“ engen Kontakt mit den benediktinischen  Oblatengemeinschaften. So ist das Gemeinsame weitaus fundamentaler und größer als das Unterscheidende. Unterschiede zeigen sich wahrscheinlich eher aufgrund der Bindung der Oblaten an ein ganz bestimmtes Kloster als in der Grundvision. Solche Unterschiede gibt es aber auch zwischen einzelnen Benediktinerklöstern und nicht nur zwischen Benediktinern und Zisterziensern. 

Abt Albert Altenähr OSB
040117
 

Über nunmehr viele Jahrhunderte haben sich Christen vom Geiste des heiligen  Benedikt begeistern lassen. Die Regel des Heiligen Benedikt liegt dem Leben und der Spiritualität der Zisterzienser zugrunde. Jeder weiß, dass es im Orden der Zisterzienser Nonnen und Mönche gibt, weniger bekannt ist jedoch, dass sich darüber hinaus zahlreiche Männer und Frauen – Ledige und Verheiratete, Laien und Priester – als Oblaten in der Nachfolge Christi dem Orden angeschlossen haben.  Zisterzienseroblaten leben als Mitglieder der großen zisterziensischen Gemeinschaft mitten in der Welt und haben sich durch ein öffentlich kirchliches Versprechen an ein zisterziensisches Kloster gebunden. Sie wollen an ihrem jeweiligen Ort – in der Familie und im Beruf – und in ihrer jeweiligen Lebenssituation „wahrhaft Gott suchen“ und „unter der Führung des Evangeliums die Wege Gottes gehen“. Wer das Verlangen zu einem intensiven Glaubensleben in sich spürt, wird bald die Erfahrung machen, dass er hierfür einen bestimmten Rahmen und eine ge- wisse Ordnung braucht. Die Sehnsucht nach Harmonie mit Gott, mit den Mitmenschen und sich selbst ist eigentlich jedem Menschen zutiefst ins Herz gelegt. Dieser Sehnsucht auch außerhalb des Klosters nachzugehen, sie ernst zu nehmen und daraus das eigene Leben zu gestalten, ist der tiefste Grund, warum sich Menschen an eine klösterliche Lebensform anschließen. Somit geht es beim Oblatentum zunächst nicht um die Einhaltung der monastischen Gelübde, sondern um ein in Gott geordnetes und gefestigtes Leben. In einem Zeitalter zunehmender Orientierungslosigkeit und fehlender verbindlicher Werte spüren immer mehr Menschen , dass die Weisheit, die menschliche und geistliche Erfahrung und eine Jahrtausende alte Tradition des Mönchtums auch für ihr Leben in der Welt eine Antwort auf die Sehnsucht ihres Herzens sein kann. Gemeinsam ist Nonnen, Mönchen und Oblaten, dass sie aus dieser Sehnsucht heraus Gott antworten. Während Mönche und Nonnen mit der Entscheidung für ein klösterliches Leben antworten, versuchen Oblaten dem Anruf Gottes in ihrer jeweiligen Lebenssituation in der Welt zu folgen. Dabei sind die Wege der Oblaten in die zisterziensische Spiritualität und zur Bindung an ein Kloster so verschieden wie die der Mönche und Nonnen zum klösterlichen Leben.

Die Regel des Heiligen Benedikt zeigt, wie das Evangelium gelebt werden  kann. Sie versucht, aus den Weisheiten der alten mönchischen Traditionen heraus auf die Sehnsucht des Menschen Antworten zu geben, die sich an Christus selbst orientieren: Christus selbst , seine Liebe und sein Kreuz werden in die Mitte des Lebens gesetzt. In der Hinwendung zu Gott in der Liebe Christi, die uns Glück und Freude bringt, geht es auch um den lebenslangen Prozess der Selbsterkenntnis, meiner Situation, meines „Lebensbuches“, meines So-Seins und der Annahme des Auf und Ab im Leben, von Schmerz, Enttäuschung, Verlust und Tod. Der Oblate ist – wie Mönche und Nonnen – gehalten, die jeweils täglich vorgesehenen Abschnitte der benediktinischen Regel zu lesen, um immer mehr mit der in ihr enthaltenen Anleitung vertraut zu werden und dies auf sein Leben wirken zu lassen.  Zur gelebten Ganzheit des Evangeliums gehört auch für den Oblaten das Bemühen um Beständigkeit (Stabilitas), Umkehr (Conversatio morum), der Gehorsam (Oboedientia), die Armut und Ehrfurcht.

Grundlage der Suche nach Gott ist für Benedikt das Gebet und die Teilnahme am liturgischen Leben. Auch für Oblaten ist diese Begegnung mit dem lebendigen Gott in Wort und Sakrament das Wichtigste. Im Hören auf Gottes Wort, in Stille und im persönlichen Gebet, durch die Mitfeier der Liturgie, insbesondere der Eucharistie und des Stundengebets der Kirche, liegt für Benedikt die Quelle und Kraft für das alltägliche Leben.

Der Oblate und sein Kloster: Wie der einzelne Mönch oder die Nonne sich an eine ganz besimmte Abtei (oder ein Priorat) bindet, so tritt auch der einzelne Oblate durch seine „Oblation“ in eine feste Beziehung zu einem bestimmten Kloster. Dieses Kloster wird zu seiner religiösen Heimat, hier findet er Hilfe und Bereicherung für sein geistliches Leben und Wirken in der Welt. Der Oblate ist durch regelmäßige Treffen, Einkehrtage, geistliche Begleitung, gemeinsames Feiern der Feste, die Mitfeier der Eucharistie und die Teilnehme am Chorgebet mit dem Kloster verbunden. Klostergemeinschaft und Oblaten fühlen sich gegenseitig durch Gebet, Opfer und das bewusst religiöse Leben verbunden, getragen und verpflichtet. 

Der Oblate / die Oblatin: Der Name „Oblate“ stammt vom lateinischen „oblatus“ und bedeutet der Hingegebene, Aufgeopferte, Dargebrachte. Er beschreibt in sich das grundlegende Programm: das Sich-An-Gott-Veschenken im Sinne eines bewussten Lebens des Taufgelübdes mit dem Ja zur vollen Umgestaltung in Christus in der Gnade Gottes, um, den Spuren Christi folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst am Nächsten hinzugeben.  

Der Weg zur Oblation: Oblate werden kann grundsätzlich jeder Christ – Frauen und Männer, Ledige und Verheiratete, Laien und Priester und Diakone – der die Verbindung mit dem geistlichen Leben einer Abtei (des Priorats) intensivieren möchte. Seine Freude sollte es sein, Christus dem Herrn nach der Weisung des Heiligen Benedikt in der Welt zu dienen. Die Hinführung zur Oblation erfolgt in verschiedenen Stufen: Wer Oblate werden möchte kann mit dem vom  Abt (oder Prior) beauftragten Oblatenrektor Kontakt aufnehmen. Zur gegebenen Zeit kann mit Zustimmung des Abtes bzw. der Äbtissin (nach dessen Befragung des Konvents) mit einem Aufnahmeritus eine Probezeit, das Noviziat, beginnen, das in der Regel ein Jahr dauert. In diesem Noviziatsjahr wird der Kandidat mit der Regel und den Grundzügen monastischer Spiritualität vertraut gemacht. Er soll durch Gebet, Lesung und Übung und Gespräch das kennenlernen, wozu er sich durch die Oblation verpflichten wird. Stimmt der Abt / die Äbtisssin (der Prior / die Priorin) - nach Rücksprache mit dem Konvent und insbesondere dem Oblatenrektor – nach Ablauf des Noviziats der Bitte des Kandidaten zu, kann die Oblation stattfinden. Nicht alle Klöster nehmen Oblaten auf, doch wird fast immer in der Nähe des Wohnortes ein Kloster zu finden sein, mit dem der Suchende Kontakt auf- nehmen kann. So hat das dem Zisterzienserkloster Stiepel benachbarte Zisterzienserkloster Langwaden eine lange Oblatentradtion mit derzeit 25 Oblaten/Oblatinnen, zu denen auch zwei Ehepaare aus Bochum zählen. Der kleine Konvent des Klosters sieht eine Berufung in der Aufnahme von Oblaten und erfährt sie als große Unterstützung.

Oblate/Oblatin – eine eigene Berufung: Die Oblation ist eine eigene Berufung, die beiderseitig geprüft wird: wie von einem Klosterkandidaten wird auch vom  Oblaten erwartet, dass er bereit ist, den Geist des zisterziensischen Lebens kennen zu lernen, um danach zu leben und an seinem Ort in der Welt Zeugnis von seinem Glauben zu geben. Er muss prüfen, ob er Freude daran hat, Christus im zisterziensischen Geiste nachzufolgen und ob er die Verpflichtungen einhalten möchte, die die Oblation mit sich bringt. Nur der Abt (die Äbtissin, der Prior/die Priorin) in Verbindung mit dem Konvent entscheidet über die Aufnahme als Oblate /Oblatin. Oblation ist eine persönliche Antwort auf Gottes Anruf und eine feste Lebensentscheidung für diese Lebensform und darf nicht verwechselt werde mit der Aufnahme in einen Freundeskreis. Die Oblation ist vielmehr eine eigene Berufung durch Gott zu einem Leben nach dem Evangelium im zisterziensischen Geiste in der Welt. Als solche darf sie auf keinen Fall als verkürztes Mönchsleben oder als Mönchtum mit weniger Verpflichtungen verstanden werden. Der Oblate will bewusst ein religiöses Leben in der Welt führen. Die Berufung zu einem solchen Leben wie die zum Mönch oder zur Nonne ist unabhängig von Alter und Geschlecht und Lebenssituation.

Die Oblation: In einem öffentlichen kirchlichen Akt - in der Regel in Verbindung mit der Feier der Eucharistie – setzt der Oblate ein Zeichen der Hingabe an Gott. In dem dafür vorgesehenen Ritus verspricht der Oblate/die Oblatin, als Christ in der Welt im Geiste des heiligen Benedikt nach der Weisung des Evangeliums zu leben, sich selbst zu verleugnen und Christus nachzufolgen und schließt mit den Worten: 

Herr, nimm mich auf nach deinem Wort, 
 
und ich werde leben; 
und lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern.


 

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