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Norvene
Vest (Oblate von Valyermo,
Kalifornien)
Monastics and
Oblates: Mutual Blessings
Kloster
und Oblaten: Wechselseitige Fruchtbarkeit
Vortrag bei der Tagung der Nordamerikanischen Oblatenrektoren
Juli 1999 (Auszug; S. 4 u. 5)
In
seinem Buch Blessed Simplicity
(Seabury, 1982) weist Raimundo Panikkar
darauf hin, dass, wenn wir das Wirkliche sehen und lieben würden, es
zuallererst ein Zerbrechen, einen Bruch, eine Conversio der
Traumgespinste geben müsste. Obwohl wir im Glauben wissen, dass dieser
Bruch immer eine Antwort auf Gottes Initiative in unserem Leben ist, müssen
wir noch die schmerzlichen Verluste durchleiden, die er mit sich bringt.
Diese ziemlich theoretische Sprache bekommt eine sehr
scharf-schmerzliche Schneide, wenn wir selbst mit Umständen
konfrontiert werden, die unsere innerste Identität zu Bruch gehen zu
lassen scheinen, - die uns von den Brüdern und Schwestern isolieren, -
die uns ins unpopuläre Zeugnis rufen und / oder die alles auf den Kopf
stellen, was uns in der Vergangenheit lieb und teuer war. Trauen wir
uns, miteinander - Mönch mit Mönch, Oblate mit Oblate - diese
schmerzlichen und zerreißenden Feuer in unseren Herzen zu teilen, so
dass wir gemeinsam den Kern des Geistes entdecken, der in uns allen
wirkt?
Lassen
Sie mich eine persönliche Geschichte erzählen. Nachdem ich im Lauf der
Jahre ein „regelmäßiger“ Gast in Valyermo geworden war, bekam ich
auch die „Geschichten“ der Mönche zu hören – nicht so sehr die
Geschichten ihrer Geschichte und ihrer Berufung, sondern die Geschichten
ihres Lebens miteinander in der Kommunität. Damals war ich überrascht
zu erfahren, dass das Leben in der Mönchsgemeinschaft so schwierig sei.
Inzwischen weiß ich, dass viele Klosterleute die Beobachtung gemacht
haben, dass der schwierigste Aspekt des Lebens „meine Brüder /
Schwestern“ ist. Joan Chittisters Bemerkung in Fire in theses Ashes
ist wahr: Jedes Kloster ist ein brodelnder Kessel genau jener
Probleme, die auch in unserer Gesellschaft insgesamt vorhanden sind –-
der Eifersüchteleien, - der unvergebenen Verletzungen, - der Ärger und
der kleinen Stiche. Jedes unaufgearbeitete psychologische Problem wird
früher oder später auftauchen und die ganze Vielfalt menschlicher
Fragen spielt sich im Kloster aus –- ja, dort sogar besonders
intensiv, weil die klösterliche Welt sie konzentriert.
Als
mir das für mein Heimatkloster klar wurde, war ich zuerst echt
entsetzt. Schließlich war ich doch in das Kloster gegangen, um genau
diese Probleme in meinem eigenen Leben los zu werden. Das Kloster war
mein Ort des Friedens und der Ruhe, - der Ort, wo ich „bruchlos
heilig“ sein konnte. Ich hätte es vorgezogen, nur gelegentlicher Gast
geblieben zu sein, der nichts von dem mitbekommt, was wirklich vor sich
geht.
Dann
habe ich aber darüber nachgedacht. Und mir wurde klar: Wenn die Mönche
Gott selbst mitten in ihren neurotischen und sündigen Neigungen suchen
konnten, dann konnte ich das auch. Wenn ihr Zuhause heilig war (und ich
wusste, dass es das war), selbst wenn es so viel Streit und Zank darin
gab, dann konnte auch mein Zuhause heilig sein.
Mit
der Zeit habe ich das wahre Geschenk des Klosters an mich schätzen
gelernt. Es ist nicht in erster Linie so etwas wie ein Flucht- oder
Pausenort für meine eigenen Kämpfe. Das benediktinische Geschenk ist
vielmehr die andauernde Sehnsucht nach Gott – selbst und gerade in den
täglichen Auseinandersetzungen. Gott trifft mich besonders zuverlässig
in den Knackpunkten meiner Versuchungen, Selbstzweifel und Verdrießlichkeiten.
In diesem Sinn sind die Erinnerungen an meine Geschöpflichkeit nicht
Anstöße zur Entmutigung und Verzweiflung, sondern im Gegenteil Zeichen
einer tieferen Einladung, das Leben hier und jetzt im Leben Christi
selbst zu leben. Durch das Zeugnis ihres Gelübdes steter Conversatio
ermutigen mich die Mönche, an meine eigene Sehnsucht nach Gott zu
glauben. Und manchmal kann ich dieses Geschenk ihnen zurückschenken,
indem ich sie an die Sehnsucht in der Tiefe ihrer Herzen erinnere.
Die
Berufung, die aus dem einzigartigen benediktinischen Gelübde zum
Zeugnis und der Conversatio
erwächst, ist nicht, Menschen der Vollkommenheit zu sein, sondern
solche, die auf dem Weg sind. Unsere Berufung zielt nicht nach Freiheit
von Sorgen, sondern darauf, schmerzlich herausgefordert und
leidenschaftlich engagiert zu sein. Unsere Berufung ist nicht die
Sicherheit, nicht einmal, „erfolgreich“ zu sein, sondern verrückt
nach Christus zu sein, denn wir sind Menschen, die bereit sind (oder es
zumindest versuchen), sich auf den lebendigen Gott gestern heute und
morgen zu verlassen. Und das ist in sich ein helles Zeugnis für die
Welt, in der wir leben.
Ich
bin der Auffassung, dass Mönche / Nonnen und Oblaten füreinander
fruchtbar sein können – nicht einfach nur, indem sie sich gegenseitig
Unterstützung und Ermutigung geben, obwohl auch das sicherlich wichtig
ist. Die Fruchtbarkeit füreinander kann darüber hinaus ein Teilen der
Berufung sein, sich gegenseitig in der schwierigen Aufgabe zu helfen,
die Gott in dieser Zeit den Benediktinern stellt: dass sie – Mönche /
Nonnen und Oblaten gemeinsam – ein Zeugnis und eine Herausforderung für
unsere Gesellschaft als ganze sind. Durch unsere Bereitschaft, für Gott
offen zu sein und von ihm verwandelt zu werden, sind wir ein Vorbild für
unsere Gesellschaft und die wesentliche Aufgabe, in das neue Jahrtausend
zu gehen.
Zusammen nehmen wir die so
kostbaren benediktinischen „Werkzeuge“
zur Hand:
1.
In der Welt, aber nicht von der Welt sein: ein Standpunkt an den
Rändern, der gefüllt ist mit Gebet.
2.
Das Risiko personalen Schmerzes und innerer Tode annehmen, die
kommen, wenn man das Wirkliche in den Blick gewinnt.
3.
Hoffnung und Vertrauen haben, dass Gott in allen Verlusten neues
Leben schenken kann.
4.
Zeugnis geben für das, was wir sehen, - bisweilen in einem sehr
verschieden gelebten Zeugnis, aber immer in einer Gemeinschaft der
Liebe.
5.
Das Genannte praktizieren und für diesen Weg des Seins eintreten
in all unseren Beziehungen.
Übersetzung:
Abt Albert Altenähr OSB
011212
Deutsch: Den Mönch in sich entdecken, München 1989.
Deutsch: Unter der Asche ein heimliches Feuer: spiritueller
Aufbruch heute, München 2000.
Vgl. Regel Benedikts, Kap. 4 „Die Werkzeuge der geistlichen
Kunst“ (Anm. d. Übers.).
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