Klosterbenediktiner  und  Benediktineroblaten
Zur Frage des „Oblatenrektors“ bzw. eines „Leiters des Oblatenkreises“[1]

Wie und wann und von wem „Benedikt für Manager“ entdeckt wurde, wird sich wahrscheinlich nur schwer feststellen lassen. Inzwischen entdecke ich vielfältige Spuren des Themas. Das Thema unterliegt nicht dem Copyright der Ordensmitglieder und doch fragen immer wieder interessierte Personalchefs von Firmen unmittelbar in unseren Klöstern an, das Thema in einer Managerschulung in einem Kloster und in Begleitung eines Mitbruders zu erschließen. Zwar finden sie die Theorie in ausgezeichneten Büchern und Abhandlungen und durchanalysiert von Management-Theoretikern und Psychologen, aber im Kloster und mit einem Mönch ist es doch noch einmal etwas anderes. Die Regel Benedikts und ihre Durchforstung auf Management-Weisheit scheint ihnen nicht zu reichen. Das Kloster und der Mönch sind ihnen nicht romantische oder exotische Garnierung und Ambiente. Sie suchen die Erfahrung mit der gelebten Wirklichkeit. Sie suchen die Begegnung mit dem lebendigen Zeugen, mag er vielleicht auch weit hinter der perfekten Theorie zurückstehen.

So neu der „Benedikt für Manager“ sein mag, so alt ist der „Benedikt für Christen“ oder sagen wir es noch einfacher und weiter der „Benedikt für Menschen“. Er hat durch nunmehr 1500 Jahre Menschen in die Klöster gelockt und ließ andere sich an die Klöster andocken.

Zwei Dinge scheinen mir für die weitere Betrachtung wichtig zu sein:

Benedikt von Nursia hat zunächst einfach seine christliche Lebenskonzeption und das heißt, das Evangelium, so wie er es für sich verstanden und übersetzt hat, gelebt. Später dann – als sich mehr und mehr Menschen seinem Weg anschlossen und sich die Zahl der Klöster mehrte – hat er die Regel geschrieben, die mit seiner Person und seinem Namen verbunden ist.

Wenn ich aus meinen heutigen Beobachtungen rückschließen darf, dann dürfte zu allen Zeiten weniger das Regelstudium und die Regelkenntnis die Menschen in dieses oder jenes Kloster bzw. in die unterschiedlichen Ordensgemeinschaften locken, sondern die Faszination des von konkreten Menschen gelebte Leben, - d.h. die gelebte Regel und das, was von diesem Gelebten ausgeht. Die wenigsten Menschen, die an den Klosterpforten anklopfen, dürften in dieser Stunde eine profunde oder überhaupt eine Regelkenntnis besitzen. ... und ich melde meine zweifelnde Frage an, ob unsere Oblaten auch nach längerem und langem Oblatenleben wirklich unmittelbar von der Regel geprägt wurden oder nicht doch mehr durch ihr Kloster und seine Mönche.

Beide Punkte verbindet der Blick auf konkrete Menschen und ihr Leben. Nicht die noch so hehre Abstraktion der noch so schönen und richtigen Theorie sprühen den Funkenflug, der zum zündenden Funken wird, sondern ihre „Inkarnation“[2] in Menschen. Die Regel, ihr Text, ihre Weisheit zielen nicht auf Techniken einer wie auch gearteten „art de vivre“ und Führungsqualifikation, - so richtig und wichtig sie sind und soviel die Regel dazu auch anbietet. Ihr Ziel ist das Feuer, - das Brennen, - die Lebensverwandlung. Mein Überzeugung ist es, dass dieses Mehr oder Darüber-Hinaus über alle lernbare Erkenntnis nur durch personale Begegnung angestoßen werden kann.

Unsere benediktinische Ordenstradition ist durch ein ausgeprägt inkarnatorische Geschichte geprägt. Spirituelle Zeitströmungen, - einzelne starke Persönlichkeiten, - regionale Besonderheiten haben eine Vielfalt von Benediktinertraditionen entstehen lassen, die nicht zentralisiert unter einen Hut zu bringen sind, sondern dem Gesamtorden nur die verbindende Struktur einer Konföderation ermöglichen. Der kleine gemeinsame Nenner des Benedikt von Nursia und seiner Regel, kann zwar als Bindeglied gar nicht groß genug geschrieben werden, aber die großen Interpretationsunterschiede des Benediktinischen sollten auch nicht klein geredet werden. Ausdruck dieser inkarnatorischen Prägung ist die Tatsache, dass der Postulant nicht in eine zentrale Struktur „Benediktinerorden“ eintritt, sondern in ein bestimmtes Kloster und in dessen Gemeinschaft.

Dieses überschaubare Raster des einzelnen Klosters und seine Einbindung darin - Stichwort: das Gelübde der „stabilitas in congregatione – ist persönliche Herausforderung an den einzelnen Mönch und die Gemeinschaft als ganze. Es gilt einerseits, die gegebene Grenzziehung der Enge auszuhalten, und zum anderen, die Chance der Geborgenheit wahrzunehmen und als Auftrag der Verkündigung aufzugreifen.

Meine Einschätzung der Sehnsucht derer, die oft als Gäste in unsere Gemeinschaften kommen und/oder um die Oblation nachfragen, lässt mich vermuten, dass es diese überschaubaren und „stabilen“ Verhältnisse sind, die ein wesentlicher Anziehungspunkt sind. Sie suchen den Ort ihrer Innen-Heimat, - vermuten bei uns, dass wir „drin“ sind, und fragen nach der Tür.

Wie ich den Oblaten-Gedanken verstehe, sind wir als Kloster und bin ich als Mönch des Klosters angesprochen, der vermuteten Sehnsucht Rede und Antwort zu stehen. Die Klostergemeinschaft als ganze ist mit der Frage des Anfragenden angesprochen und müsste sich als ganze dem Anspruch der Frage stellen. Der klösterliche Begleiter der Oblaten ist das Verbindungsglied des Klosters in den Oblatenkreis und der Oblatengruppe in das Kloster[3].

Wenn in der Folge des inkarnatorisch interpretierten und gelebten „stabilitas“ auch für die Benediktineroblaten die Anbindung an ein bestimmtes Kloster (mit-) charakteristisch ist, dann ist es nach meinem „Gefühl“ nahezu wesensnotwendig, dass diese Oblationsanbindung aus dem Innenbereich des Klosters getragen und begleitet wird. Das bedeutet für mich auch, dass ein Kloster in den Reihen seiner Mitbrüder einen finden „muss“, der fähig und bereit ist, seine Innen-Erfahrung in den Oblatenkreis hineinzutragen. Natürlich sollte es jemand sein, der wirklich „drin“ ist und das heißt: der in und aus der Regel, wie sie dieses Kloster versteht und akzentuiert, lebt und der mitten in der Gemeinschaft und voll zu ihr steht. Die Aufgabe des Oblatenbegleiters ist es - nach meinem Dafürhalten – nicht (oder zumindest nicht in erster Linie), die Theorie der reinen benediktinischen Lehre zu dozieren, sondern den benediktinischen Geist dieser Gemeinschaft zu bezeugen und zu erschließen.

Angesichts der begrenzten Personalressourcen in unseren Klöstern stellt sich die natürliche Frage, ob die Begleitung des Oblatenkreises nicht in die Hand eines qualifizierten Oblaten delegiert werden kann. Es ist für mich keine Frage, dass es hoch- und höchstqualifizierte Nicht-Mönche gibt, die nicht selten „benediktinischer“ durchprägt sind als die Mönche der Klöster. Ich selbst wäre heute als Benediktiner nicht dort, wo ich bin, wenn ich nicht in persönlicher und literarischer Auseinandersetzung solchen durch und durch benediktinischen Nicht-Mönchen begegnet wäre. Oftmals waren es Oblaten, die mich weitergeführt haben. Das steht außer Frage und ist nicht mein Punkt. Der kritische Punkt ist, ob ein Kloster – und die Oblaten! – sich auf ein „Outsourcing“[4] der Begleitung der Oblaten einlassen kann, ohne den Grundgedanken der Oblationsbindung an das Kloster zu verändern.

Ohne künftige eigene Denkentwicklungen ausschließen zu können und zu wollen, präsentiert sich nach meinem aktuellen Dafürhalten ein Oblatenkreis ohne eine dezidierte Innen-Begleitung aus dem Kloster heraus nicht als eine harmonische Entwicklung des tradierten Oblatentums, sondern als eine neue, - als eine „andere“ Form des Oblatentums. So vage es sich anhören mag, aber wird hier nicht auf den „Geschmack“ des „Innen“ verzichtet? Mangels innerklösterlicher Personalressourcen mag es der Weg der faktischen Zukunft sein, aber ist es nicht auch ein Verzicht auf die inkarnatorische Dimension der Armut, die sich innerklösterlich als Personalknappheit äußert? Ohne eine dezidierte Innen-Begleitung sehe ich die Gefahr einer Verselbständigung des Oblatentums „weg vom Kloster“ / „ohne Kloster“. Ich fürchte zudem, dass sich der Dialog zwischen Kloster und seinen (verselbständigten?) Oblaten mehr und mehr in zwei Dialogkreise aufspaltet. Das wäre eine Verarmung für beide Seiten, - für das Kloster und für die Oblaten.

Ich habe in den obigen Gedanken bewusst die im Untertitel gebrauchten Begriffe „Oblatenrektor“ und „Leitung“ vermieden. Beide Begriffe gefallen mir nicht sonderlich. Der alte tradierte Begriff „Oblatenrektor“ hat doch recht viel Patina angesetzt und ist vielleicht auch einfach zu abgenutzt, um noch mit griffigen Profil gefüllt zu sein. Zumindest gelegentlich scheint er vor allem eine Position, - einen „Posten“, - eine Autorität zu konotieren. „Leitung“ bzw. das personale Pendant „Leiter/in des Oblatenkreises“ konotiert zwar sicher den Gedanken der Verantwortung für eine Gruppe, unterschlägt aber den von mir sehr stark hervorgehobenen Gedanken der Begleitung. Ob es sinnvoll ist, den klassischen Begriff „Oblatenrektor“ einem Mönch des Klosters vorzubehalten und einen Oblaten, der den Oblatenkreis im Auftrag des Abtes begleitet, „Leiter des Oblatenkreises“ zu nennen, sollte sicher weiter durchdacht werden. Wenn es nicht nur eine Begriffsunterscheidung auf der „äußeren“ Basis von Mönch und Nicht-Mönch, sondern auf der „inneren“ Basis von Mönch / Innen und Nicht-Mönch / Nicht-Innen ist, dann ist in dieser unterschiedlichen Benennung auch die Ansage gegeben, dass das Amt des „Leiters des Oblatenkreises“ nicht identisch ist mit dem tradierten klösterlichen Amt des „Oblatenrektors“. Es scheint mir auch ein – unbeabsichtigtes und unbewusstes ... oder doch beabsichtigtes? – Zeichen nicht nur für ein erneuertes, lebendigeres, sondern für ein „anderes“ Oblatentum zu sein.

Wie auch immer die „Premiere“, einen Oblatenkreis von einem Oblaten leiten zu lassen, in sich selbst und im Kreis des „traditionellen“ Oblatentums bewertet werden mag, ich betrachte sie als einen wertvollen, - ja, vielleicht sogar notwendigen Anstoß, das Alte, - Bekannte, - Gewohnte neu nachzudenken. Mir selbst ist dabei vor allem die Verantwortung neu bewusst geworden, die wir als Klöster für die Menschen haben, die mit großer Gottessehnsucht unsere spirituelle Erfahrung benediktinischen Klosterlebens abklopfen. Diese Verantwortung sollte auf der Prioritätenliste unseres Zeugnis- und Verkündigungsauftrags weit oben rangieren.

Albert Altenähr OSB, 020901

Diskussionsbeitrag 1: Zu den obigen Gedanken erhielt ich am 10.09.02 von einer Oblatin eines Benediktinerinnenklosters nachfolgende Kommentierung und Ergänzung: 
"Lieber Abt Albert, vielen Dank für die Übermittlung Ihrer Gedanken zum Thema "Oblatenrektor". Es ist gut, dass Sie den Nebel diffusen Unbehagens durch klare Gedanken gelichtet haben und wir uns so mit diesem Thema auf einer inneren, wesensmäßigen Ebene befassen können. Mir ist beim Lesen ein Gedanke gekommen, der mein konkretes Erleben als Oblatin betrifft. Ich stimme Ihnen zu, dass sich die Vermittlung des "Benediktinischen" - wie es in jedem Kloster in anderen Nuancen "Fleisch angenommen hat" - in erster Linie über die konkreten, die Regel lebenden Menschen vollzieht. Die Ausstrahlung der Regel und ihre Anziehungskraft ist immer von der Ausstrahlung und der Anziehungskraft der Vermittelnden abhängig. So wurde auch ich angezogen und "angestrahlt". Aber das, was an Benediktinischem in der konkreten Situation der Schwestern "Fleisch geworden" ist, bedarf meiner Entschlüsselung, um es anders - bezogen auf meine Lebenssituation - konkret werden zu lassen. Und dabei konnten mir nicht in jedem Fall die Schwestern am besten helfen, sondern mir hat über die Klostererfahrung hinaus die Lektüre von in den Alltag übersetzenden Regelkommentaren, also auch ein Stück eigener, theoretischer Übersetzungsarbeit weitergeholfen. Und sicherlich der Austausch mit anderen Oblaten, in denen der Geist Benedikts ein Stück Fleisch im Alltag angenommen hat. Verstehen Sie das bitte nur als kleine Randbemerkung. Ich stimme Ihnen zu, dass es bei der Betreuung der Oblatengemeinschaften nicht um eine organisatorische Leitung einer Gruppe gehen kann (ich habe gerade ein negatives Beispiel in einer ... (oblatenähnlichen) ... Gemeinschaft mitbekommen, wo alle Aufgaben/Ämter auf Gruppemmitglieder verteilt werden, und wo es mittlerweile mehr um Zer-Fleischung als Fleischwerdung geistlicher Inhalte geht). Der Begleiter der Oblatengemeinschaft aus den Reihen der Klostergemeinschaft vermittelt das, was in seiner Gemeinschaft lebt. Ich begrüße den zweiseitigen Dialog zwischen Oblaten und ihrem Oblatenrektor, der weiterhelfen kann, diese "benediktinische Klostermelodie" in den Alltag der nicht im Kloster lebenden Oblaten zu transponieren. Damit es nicht nur Oblaten gibt, die mit einer schönen Melodie im Kopf die Töne ihrer eigenen Umwelt nicht mehr wahrnehmen können."

Diskussionsbeitrag 2: Aus dem Kreis der Kornelimünsteraner Oblaten erhielt ich am 19.09.02 folgenden Kommentar: "...zu der Frage, ob man die Leitung des Oblatenkreises in die Hand eines Oblaten legen sollte. Mit Verlaub: das ist hoffentlich nicht ihr Ernst! Wer sollte das sein und wie sollte er oder sie bestimmt oder gewählt werden? Ich glaube, dass das der Atmosphäre im Kreis und der Anbindung ans Kloster schaden würde. Sie sind durch Ihr amt und Ihre langjährige gelebte Klostererfahrung von allen akzeptiert, was sicher auch bei Ihren Mitbrüdern der Fall wäre. Also bei aller revolutionären Grundstimmung, die mich ansonsten beseelt, das muss nicht sein. Gleichwohl könnte man sicher über andere Möglichkeiten für mehr Einbindung der Oblaten in Vorbereitung und Durchführung eines Wochenendes nachdenken oder andere Möglichkeiten der Entlastung, falls sie gewünscht oder aus klosterinternen Gründen erforderlich sind."

Diskussionsbeitrag 3: 22.09.02, aus einer süddeutschen Oblatengemeinschaft (leicht geändert,. um das allzu Persönliche zu anonymisieren): "Es wäre mir nicht möglich, (unter einem Oblatenrektor aus dem Oblatenkreis) meine Kontakte zu Christus über die Abtei als Oblatin zu pflegen und zu nähren. Gerade diese Anbindung ans Kloster gibt mir das Wesentliche, was ich von dieser Bindung erwarte und was mir die Welt - die Pfarrei etc. - nicht geben kann. Ich weiß mich in diese benediktinische Gemeinschaft eingebunden durch das Gebet und die Lebensweise ist mir Vorbild. Der frühere enge Kontakt zu Sr. ...  hat mich getragen, ihr Vorbild war mir Ansporn. Also - für mich gilt keine Oblatengemeinschaft ohne Oblatenrektor aus dem Kloster!!!! - Ihre Ausführungen "Klosterbenediktiner und Benediktineroblaten" sind hervorragend! Sie sind es wert, mehrmals gelesen zu werden. Ich persönlich bin den alten Regeln verhaftet, in denen ich mich bewegen konnte. Mit 70 Jahren und nach 28 Jahren Oblate-Sein ist man nicht mehr so beweglich, dass man sich an neue Gegebenheiten so schnell gewöhnen könnte."

Diskussionsbeitrag 4: 17.10.02, eine Oblatin von Kornelimünster: "Sie haben das Thema 'Oblatenrektor/in" aufgegriffen und dabei das amerikanische Modewort 'outsourcing' verwandt. Durch 45-jährige Berufsstätigkeit und geschädigt durch ständig neu zu erprobende amerikanische Management-Methoden höre ich bei solchen Ausdrücken nur die Vorsilbe 'out'. Outgesourcet wird hauptsächlich das, was zu lästig, zu kostenaufwändig, zu zeitraubend ist. Erklärt wird diese wunderbare Neuerung mit der Positiv-Seite der Medaille: 'Andere machen es besser, billiger, schneller!', was dann meist nicht den Tatsachen entspricht, - aber Hauptsache, man ist es erst einmal los.
Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich glaube durchaus - wie Sie - dass es fähige und würdige Oblaten gibt, die die Gemeinschaft der Oblaten - wenn sie sich denn als Gemeinschaft versteht  - führen können (Herr K. wäre m.E. ein solcher Mensch gewesen), aber es trifft nicht den kern der Sache. Der Kern ist die Anbindung an die klösterliche Gemeinschaft, die ohne ein Bindeglied im wahrsten Sinne des Wortes nicht gegeben ist. Diese wichtige Brückenfunktion kann nach meinem Dafürhalten nur ein 'Insider' einnehmen. Ansonsten wären wir eine Laiengemeinschaft wie so viele andere innerhalb der Kirche, also mehr ein Verein.
Und da gibt es noch eine Seite, die m.E. nicht ohne Bedeutung ist. Für viele Menschen in meiner Umgebung, die Kornelimünster nicht kennen und die z.B. durch meine Aufenthalte dort, durch meine Haltung bei Diskussionen etc. erst darauf aufmerksam geworden sind, repräsentiere ich in gewisser Weise auch das Kloster. P. Oliver hatte es bei einem Oblatentreffen folgendermaßen formuliert: 'Wir müssen wissen, dass es da draußen Menschen gibt, die für uns einstehen.' Dieses Einstehen kann nur gelingen, wenn wir als Oblaten wissen, dass der 'Insider' der Gemeinschaft - aber auch die Gemeinschaft selbst - für uns einsteht, d.h. uns im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken stärkt. Was nützt es mir also, wenn ich im Falle von Unsicherheit, o.ä. die nette Frau X aus Y als Ansprechpartnerin habe, aber nicht einen, der an der 'Quelle' ist, der dieses Leben lebt, nach dem ich mich ausrichten möchte." 



[1]  Hintergrund dieser Gedanken ist die Tatsache, dass die Abtei St. Stephan, Augsburg, die „Leitung“ des vor einigen Jahren neu entstandenen Oblatenkreises einer Oblatin anvertraut hat. Dieses Faktum und die sehr engagierte und vorbildliche Arbeit der „Leiterin“ verstehe ich als positive Herausforderung an unsere Klöster, sich über das „klassische“ Modell der Oblaten und des Oblatenrektors neu Gedanken zu machen. Die nachfolgenden Gedanken wollen dazu ein Beitrag sein.

[2]  Mit dem „Inkarnatorischen“ meine ich hier und im Folgenden, dass die Theorie der Wahrheit und des Richtigen „Fleisch“ und „Hand und Fuß“ annehmen muss. Nur so ist sie erfahrbar und greifbar. In solcher Inkarnation ist immer auch das Ja zur Eingrenzung auf Konkretionen, Akzentuierungen, Prioritäten. Es ist die allerorten bekannte Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Man könnte es auch in das Sprichwort kleiden: „Das Beste ist der Feind des Guten.“

[3]  Vgl. Albert Altenähr, Der Oblatenrektor – Regelüberlegungen zu seinem Profil, in: Erbe und Auftrag, 77 (2001) 367 – 373.

[4]  Ich habe den Wirtschaftsbegriff „Outsourcing“ (= Auslagern von Aufgaben aus dem eigenen Betrieb, weil andere es kostengünster und effektiver machen können) hier bewusst eingebracht, um damit stutzig zu machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Oblate eine sachlich-fachlich sehr viel profundere Regelkenntnis und ein hohes Engagement für eine benediktinische Lebensprägung hat, aber er „hat“ nicht die Klostererfahrung der Regel. Er kann in vielen Dingen „besser“ sein als die Mönche seines Klosters und der konkrete Oblatenbegleiter. Aber ist er deshalb der „bessere“ Oblatenbegleiter?


 

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