Als
ich vor einigen Tagen gefragt wurde ob wir Nachwuchs hätten antwortete
ich mit einem klaren: Nein!
Am Abend
dachte ich mir: Das stimmt doch gar nicht, da legen doch am Samstag drei
Bewerber ihre Oblation ab, zwei werden ins Probejahr aufgenommen. Wir
haben Nachwuchs!
Das ist
gewiss nicht das, was mein Gesprächspartner hören wollte, aber es
stimmt: Wir haben Nachwuchs.
In einer
Zeit, in der das Jammern über zu wenig engagierte Christen zum guten Ton
gehört ist es Not - wendig, auf das zu schauen, wie es ist. Da ist
unsere kleine Mönchsgemeinschaft hier; ich möchte sie in die Mitte
stellen - deren Mittelpunkt wiederum der Altar ist.
Da sind
die Oblaten, die sich durch ein Versprechen unserem Haus angeschlossen
haben dergestalt, dass sie die Gottsuche nach ihrer Weise in ihrem
Alltag leben möchten. Sie sind der nächste Kreis. Da sind unsere
Gottesdienstbesucher, die in größeren oder kleinen Abständen zu uns
kommen, um mit uns Gottes Wort zu feiern. Der dritte Kreis.
Das Doppel-Wort
über die
Liebe, mit dem Benedikt so schnörkellos das Kapitel
über die "Werkzeuge der geistlichen Kunst" beginnt, ist der Kern unseres
christlichen Lebens, zurückverweisend auf ein Grundbekenntnis des Volkes
Israel.
Auf je
eigene Weise, in je eigener Umgebung kommt es darauf an:
Gott zu
lieben mit allen Kräften. Und seinen Nächsten wie sich selbst. Das ist
alles. Das betrifft Mönche, Oblaten, alle Christen.
Wir sind
nicht viele - aber wir versuchen überzeugt und überzeugend unseren
Glauben zu leben. Da ist Hoffnung - und diese ganz gelebt. Da ist
Hingabe - und diese ganz gelebt. Da ist Liebe zu Gott und den Menschen
- und diese im je neuen Versuch ganz gelebt.
Im Alltag
erfahren wir oft Widerspruch auf unseren Glauben hin: Wie gut! Denn
Gleichgültigkeit würde vernichtend sein. Menschen reiben sich an unserem
Glauben: Wie gut! Sie und wir können in und an der Auseinandersetzung
wachsen. Im Kleinen erfahren wir dass wir groß sind, groß von Gott her
und auf ihn hin.
Der
Versuch benediktinisch im Kloster und in der Welt zu leben ist ein
Versuch christlichem Leben Gestalt und Gehalt zu geben. Stärken wir uns
gegenseitig in unserem Bemühen, lernen wir von- und miteinander, suchen
wir Gott und lassen wir uns von ihm finden. Dann mögen wir Christen
weniger werden, dann mag die Welt über uns lachen: Wir gehören Gott an!
In dem Maße wir Gott angehören, in dem Maße gehört unsere Welt ihm an.
Das soll uns stärken trösten, ermutigen und ermuntern.
Abt Friedhelm Tissen OSB

Die neuen Mitglieder des Oblatenkreises
mit Abt Friedhelm