bei der Aufnahme in das Probejahr am 7. Januar 2012
Aus dem Prolog der Regel des heiligen Benedikt:
Wir wollen also eine Schule für den Dienst
des Herrn einrichten. Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und
nichts Schweres festzulegen. Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund
etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren,
dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom
Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im
klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz
weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote
Gottes.
Darum wollen wir uns seiner Unterweisung niemals entziehen und in
seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an
den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein
Reich erben.
* * *
Gerade haben wir einen Abschnitt aus dem Prolog der Regel des heiligen
Benedikt gehört. Prolog: Eröffnung, Vorspiel, Vorstellen von
Grundthemen. Wir sind am Ende der Weihnachtszeit angelangt, einer Zeit,
in der wir wiederum daran gedacht haben, dass Gott mit uns Menschen
Neues beginnen will, Neues begonnen hat. Da ist der Beginn des Neuen
Jahres, der zu mancher persönlichen Überlegung geführt hat, und da ist
der Beginn des „liturgischen Alltags“, wenn wir am Montag nach der
Advents- und Weihnachtszeit wieder die Zeit „im Jahreskreis“ beginnen.
Jetzt feiern wir einen Neubeginn, indem Eva-Maria Beering in das
Probejahr für die Oblaten aufgenommen wird. Neubeginn und Alltag
zugleich. Es wird eine „Schule für den Dienst des Herrn“ beginnen.
Schulung will in Neues, Unbekanntes einführen. Vor 26 Jahren bist Du
als junge Frau erstmals in unserem Haus gewesen, sicherlich nicht
ahnend, dass der Weg Dich nach 25 Jahren wieder nach hier führen wird.
Was Dich zurückgeführt hat: Die Suche nach Sinn, die Suche nach
Orientierung – aus der Erinnerung und Erfahrung heraus, dass Du hier
etwas erlebt hast, was Dich bisher und bis hierher getragen hat.
Die Aufnahme in das Probejahr, die Aufnahme in die „Schule des Herrn“
geschieht am Vorabend des Festes der „Taufe des Herrn“. Wir sind
Getaufte, zur Taufe getragen worden von unseren Eltern und Paten. Das
Leben als Oblatin ist eine mögliche Form, das, was in der Taufe
grundgelegt wurde, bewusster als Christ im Alltag zu leben. Andere
finden andere Wege, der Weg anhand der Regel des heiligen Benedikts ist
ein Weg Christusnachfolge zu leben.
Im Probejahr ist es nicht viel anderes, als wir Mönche es zum Teil seit
Jahrzehnten zu leben versuchen: Gott zu suchen. Das ist jeden Morgen
ein Neubeginn, jeden Morgen ein neuer Versuch, auf die Weisung Gottes
zu hören. Die Begegnung und Auseinandersetzung mit der heiligen
Schrift, die Beschäftigung mit der Regel Benedikts, das alltäglich
geteilte Leben, das meist unspektakulär ist, eben alltäglich, weist
Spuren Gottes auf.
Das Hören will jeden Tag neu versucht werden. Es gilt, sich den Schlaf
des Leibes und der Seele jeden Morgen aus den Augen wischen um wach zu
sein für das, was ER heute von mir will.
Eine „Schule für den Dienst des Herrn“ beinhaltet auch: Bei allem Üben
gibt es Fehler und Rückschläge, Dinge und Übungen gehen noch nicht so
von der Hand. Das gehört zum Schulalltag dazu! Die Dinge gehen
vielleicht noch nicht so von der Hand, aber die Übung, die Ausdauer,
der Umgang mit eventuellen Rückschlägen will bestanden werden, damit
das Leben und der Glaube gemeistert werden können.
Liebe Eva – Maria, Du gehst Deinen Weg nicht alleine. Du bist dabei,
den Kreis unserer Oblaten kennen zu lernen. Die eine oder andere
Verbindung ist schon geknüpft. Jeden Tag knüpfst Du ein Band zu unserer
Gemeinschaft, wenn Du bei Dir zu Hause das Stundengebet betest – in dem
Maße, wie es Dir möglich ist. Ich wünsche Dir gutes Üben und gutes
Gelingen bei Deinen Suchbewegungen, damit das geschenkt werden kann,
was am Ende des Prologs zur Regel gesagt ist: Dass Du, wenn Du in
Geduld an den Leiden Christi Anteil hast, gewürdigt werden wirst, mit
ihn sein Reich zu erben.
Amen.