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Informationen
zu einer Gastanfrage
Einkehrtage in
Kornelimünster
Michael Kniese
Den vorliegenden Bericht hat
ein Gast (Dez. 2006), Herr M. Kniese, für seinen privaten Newsletter
verfasst. Herr Kniese hat als Einzelgast einige Tage bei uns verbracht.
Er berichtet aus dieser Erfahrung, nicht von begleiteten
Wochenendeinkehrtagen, die wir auch anbieten. Freundlicherweise hat uns
Herr Kniese gestattet, seinen Text und die ihn illustrierenden Fotos in
unsere Website aufzunehmen. fr.a.
Klosteraufenthalte, auch ‚Einkehrtage’, sind derzeit
‚voll im Trend’. In vielen Büchern zum Thema Zielplanung liest man
davon, sich einmal für einige Zeit zurück zu ziehen um das bisherige
Leben oder das abgelaufene Jahr zu reflektieren. Neudeutsch heißen die
seit jeher im klösterlichen Bereich angebotenen ‚Einkehrtage’ oder
‚Exerzitien’ Dreamdays’. Sie gibt es begleitet, also mit Rahmenprogramm,
oder unbegleitet, wobei es i.d.R. immer Gesprächsmöglichkeiten gibt.
Einige Klöster haben sogar den Zeitgeist aufgegriffen und bieten
Joga-Kurse und Zen-Meditation an.
So schreibt der ‚Klosterurlaubsführer’ von Hanspeter
Oschwald: „Ein Trend breitet sich in der ganzen Welt aus. Er einigt
einfache Menschen, Spitzenmanager, Studenten und Familien, Erfolglose
und Erfolgreiche. Aus Amerika schwappte die Welle der neuen
Innerlichkeit, des New Age, nach Europa über, wo sich die christlichen
Klöster der Vergangenheit besannen und die Pforten für Menschen
öffneten, die auf der Suche sind nach dem Sinn…Der Materialismus lässt
auf Dauer zu viele Fragen offen.
Ich war als Jugendlicher bereits einmal in einem
Kloster. Zusammen mit meinem Vater und einer Gruppe anderer Geistlicher
besuchte ich ein Franziskanerkloster im Englischen Hilfield. Neben den
Gottesdiensten halfen wir am Vormittag im Kloster und konnten uns am
Nachmittag die Umgebung ansehen. Und die Erinnerung daran hatte in mir
den Wunsch geweckt, noch einmal die ‚Erfahrung’ Kloster zu machen. Lange
hatte ich davon in meiner Familie erzählt und im letzten Jahr bekam ich
eine ganze Woche zum Geburtstag geschenkt. Nach einem bis dahin
besonders anstrengenden Jahr … hatte ich ein wenig Ruhe auch dringend
nötig.
Zunächst war jedoch die Frage zu klären, wohin, welcher
Orden? Benediktiner, Trappisten, Franziskaner? Das Internet oder der
bereits erwähnte Klosterurlaubsführer leisten hier gute Dienste.
Aufgenommen werden in den Klöstern in der Regel Menschen aller
Konfessionen sowie Konfessionslose. Und obwohl es zur Teilnahme an den
Gottesdiensten oder zur Mitarbeit im Kloster meist keine Verpflichtung
gibt, sollte man dennoch auch auf den jeweiligen Tagesablauf in den
Klöstern als ein Auswahlkriterium achten. In Kornelimünster wird z. B.
um 5:00 Uhr geweckt. Andere Klöster fangen den Tag weit früher an.
Andere Auswahlkriterien können der gebotene Service sein (Einzelzimmer
mit eigenem Bad sind noch nicht überall Standard), die persönliche
Atmosphäre (manche Klöster haben z.T. große Gästehäuser, in denen die
Gäste auch essen) oder die Entfernung zum Wohnort (nicht jeder möchte
für 3 Klostertage 1.000 km fahren).

Kornelimünster
Ich hatte mich für Kornelimünster entschieden, das für
mich diese Kriterien am besten kombinierte – denn schließlich wollte ich
auch „so intensiv wie möglich am Klosterleben teilnehmen.
Die Anmeldung ist meist problemlos über das Internet
möglich. Und nach einer kurzen Terminabstimmung stand Anfang Dezember
als Termin für meine Einkehrtage fest.
Der Tag der Abfahrt rückte näher und ich begegnete ihm
mit gemischten Gefühlen. Eine ganze Woche getrennt von der Familie. Kein
Handy, kein Fernsehen, keine Musikberieselung, keine Ablenkung – nur
sich selbst. Wie hieß es auf einer Homepage: „Die Tür schließt sich.
Und im selben Moment fällt die Stille auf die Ohren, drückt Schweigen
aufs Trommelfell.“ Und im Klosterurlaubsführer: „Die
Stille und die Einsamkeit packt einen wie ein Schock. An dieser Stille
sind schon viele gescheitert“.
Wenn sich dann ganz real die große Klosterpforte hörbar
schließt, kann man die beschriebene Stille förmlich greifen. Die Welt
bleibt zurück – man ist in der Tat mit sich allein. Der Eindruck
verstärkt sich noch, während man in einem Raum darauf wartet begrüßt und
in Empfang genommen zu werden. Alles wird erklärt und man erhält die
Schlüssel zum Kloster und der Kirche. Das heißt auch, man kann kommen
und gehen, wann man will. Aber ich bin ja hier, um Ruhe und Stille zu
finden. Und davon gibt es genug.
Die Zimmer sind einfach aber gemütlich eingerichtet und
eben mit eigenem Bad (morgens um 5:00 ist es sehr angenehm eine eigene
Dusche zu haben). Der Tagesablauf liegt neben weiteren Informationen,
der Bibel und der Ordensregel (diese ist auf jeden Fall lesenswert) aus.
Um 5.00 Uhr ist, wie schon gesagt, Wecken. Vigil (Nachtwache) und Laudes
(Morgengebet) ab 5:30 Uhr. Frühstück ab 7:00, Mittagsgebet um 12:00.
Danach Mittagessen (für männliche Einzelgäste i.d.R. gemeinsam mit den
Mönchen) und ab 14:30 Kaffee. Um 18:00 Uhr dann die Eucharistiefeier mit
der Vesper, 19:15 Abendessen und um 20:45 das Komplet, der
Tagesabschluss im Kloster, denn danach beginnt die Nachtruhe.
Die ersten Tage habe ich damit zugebracht, meine
Lebensziele komplett neu zu überarbeiten, auch weil sich beruflich
einiges getan hat und auch noch verändern wird. Die Stille und die Ruhe
(bei gekipptem Fenster hört man den Wind oder ein paar Vögel zwitschern)
helfen beim Nachdenken, beim Überprüfen der eigenen Position.
Die ersten Tage habe ich aber auch benötigt, um mich an
die Stille und den Rhythmus des Klosterlebens zu gewöhnen. Stille kann
ziemlich laut sein. Ich meine damit nicht nur den inneren Lärm, den Mix
aus permanenten Gedanken, die einem durch den Kopf gehen und der Suche
nach ‚Beschäftigung’ (ich bin oft mit meiner Kamera durchs Kloster
gerannt), sondern auch das Erleben des eigenen Herzschlags, den man in
dieser Stille förmlich hören kann.
Nach drei Tagen allerdings hatte ich mich wirklich
eingelebt, bin ich wirklich im Kloster angekommen. Die Gedanken kommen
nicht mehr unkontrolliert und von alleine, an das Rauschen des Blutes in
den Ohren habe ich mich gewöhnt und empfinde den Tagesrhythmus aus
Gebetszeiten, Mahlzeiten und ab und zu mal die ein oder andere Aktivität
als angenehm. Der feste Rahmen gibt Halt, Orientierung. Die
Stundengebete mit ihren fast monotonen Psalmgesängen haben, wenn man
sich ganz und gar darauf einlässt, die Gedanken abschalten kann, etwas
Meditatives. So stellt sich eine innere Ruhe und Gelassenheit ein, die
ich so nur sehr selten erlebt habe. Ein Zustand, in dem man sich einfach
in die Stille der Kirche setzen kann – ohne etwas zu tun oder zu denken
– einfach sein. Zeit und Raum vergessen.
Nach fast einer Woche war die Zeit um. Fing der Alltag
mit Stress, vielfältigen Anforderungen, Lärm wieder an. Was ist
geblieben?
Nach fast drei Monaten von der Ruhe nicht viel. Von der
Sehnsucht nach Ruhe jede Menge. Der Wunsch die Erfahrung zu wiederholen
(allerdings dann verkürzt auf vier Tage). Aber auf jeden Fall die
Erinnerung an das Erlebnis inneren Friedens. Und die Möglichkeit, diesen
wenigstens kurzzeitig wieder herzustellen (ich besuche regelmäßig die
Vesper in der Frankfurter Liebfrauenkirche).
Ach ja, noch etwas habe ich mitgenommen – das Interesse
an der Ordensregel der Benediktiner. Denn einiges aus der Regel lässt
sich analog auch im normalen Alltag wiederfinden oder anwenden. Klingt
komisch – ist es aber nicht, auch wenn – oder gerade weil die Regel
schon 1.500 Jahre alt ist. So schreibt Benedikt im Prolog: „Höre,
mein Sohn auf die Weisung des Meisters“. Und Hören, genauer Zuhören
ist ein wesentliches Element. Untrennbar damit verbunden ist das
Schweigen: „Der Mönch hält seine Zunge vom Reden zurück, verharrt in
Schweigsamkeit“, ein wesentliches Element des klösterlichen Lebens.
Denn ohne Schweigen kann man nicht (richtig) zuhören. Wenn ich innerlich
bereits am Antworten bin, bekomme ich nicht mit, was mir mein Gegenüber
wirklich sagen will.
Auch für Führungskräfte ist etwas dabei. Vorbild sein: „Der
Abt mache alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als durch sein
Reden sichtbar.“ Fairness: „Der Abt bevorzuge im Kloster keinen
wegen seines Ansehens.“ Wirkliche Führung statt ‚laissez
faire’:“Tadle, ermutige, weise streng zurecht.“ Sich über
die eigene Verantwortung klar werden: „Wem mehr anvertraut ist, von
dem wird mehr verlangt. Er muss wissen, welche schwierige und mühevolle
Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu führen und der Eigenart vieler zu
dienen.“ Und manches Buch über Mitarbeiterführung ist motiviert
durch die Ordensregeln der Benediktiner.
Wenn ich Ihnen jetzt ‚Appetit’ auf einen
Klosteraufenthalt gemacht habe, so möchte ich am Ende noch eins sagen:
Wie Sie den Klosteraufenthalt am Ende erleben, was er Ihnen ‚bringt’,
ist individuell. Jeder empfindet Stille anders – jeder hat andere
Wünsche und Bedürfnisse. Aber das ist das schöne an der großen Auswahl
der Klöster und Angebote. Für jeden ist etwas dabei. |