|
Die Komplet der Mönche.
Ein „fremder Hinblick“
Die Aachener Zeitschrift „Movie
- Der Film zur Stadt“, eine Monatspublikation mit den Film- und anderen
Kulturangeboten der Stadt, hat ihre Mainummer 2007 als „Gottes-Special“
herausgegeben. Anlass ist ein Performance Projekt am Theater Aachen „Der
Mensch sucht’s - Gott gibt’s“. Unter den verschiedenen Beiträgen der
Zeitschrift ist auch einer „Ostergottesdienste. Im Spiegel der Kritik“
überschrieben. Er wird folgendermaßen eingeleitet:
„Gottesdienste und
Theateraufführungen haben einiges gemeinsam. Manche Beobachter
kultureller Phänomene betrachten Gottesdienste sogar als eine archaische
Form der Multimedia-Performance. Was liegt da näher, als dass Movie-Theater-Rezensent Gabor Baksay sein kritisches Instrumentarium auf
die Untersuchung von Gottesdiensten anwendet. Zu diesem Zweck besuchte
er acht Ostermessen …“
… und bei diesem Besuch von
„Ostermessen“ war G. Baksay am Ostersonntag auch in unserer Komplet. Am
Ostermontag war er dann noch einmal in der Komplet. … und für den Weißen
Sonntag hat er sich dann den Besuch der Mittagshore vorgenommen. … ob er
das Vorhaben verwirklicht hat? Ich weiß es nicht.
Wenn ich mir die
Kurzberichte G. Baksays anschaue, gewinne ich nicht den Eindruck, dass
er ein „geübter Kirchgänger“ ist. Als Kirchgänger, - ja, selbst als „Nur-zu-Ostern-und-Weihnachten-Kirchgänger“
war er nicht in den unterschiedlichen Gottesdiensten Aachener Kirchen unterwegs. Der Theater-Rezensent war gekommen, um
Eindrücke für Gottesdienst-Rezensionen zu sammeln. Das ist ein fremder, uns
„Kirchen-Leuten“ sehr ungewohnter Blick auf das Gottesdienstgeschehen.
Aber er darf nicht nur sein, er kann auch die Patina des Gewohnten
ankratzen, Gutes neu entdecken und weniger Gutes und Geglücktes ernsthaft befragen
lassen. Er wirft zumindest ein Schlaglicht darauf, was der „Fremde“
wahrnimmt.
Was schreibt nun
Gabor Baksay über unsere Komplet? Ich genieße seine Rezension mit Freude und
Verlegenheit … und einem gelegentlichen Schmunzeln über seine
liturgische Unkenntnis und die spitzige Sprache.
Abt Albert
Altenähr OSB
070512
"Eine kleine unspektakuläre
Veranstaltung in der Benediktinerabtei wischte mit einer überzeugenden
Geste alle Halbheiten der vorhergehenden Veranstaltungen weg. Keine
Anbiederungsversuche und selbstauferlegten Zugeständnisse an die
vermeintlichen Erwartungshaltungen der „Zielgruppe". Stattdessen
machten diese Mönche ganz klar „ihr Ding". In einer freundlichen,
offenen und dennoch disziplinierten Atmosphäre wurde man aufgesogen von
einem perfekt eingespielten Ritual, bei dem ich mir schnell jeden
Versuch des verstehen wollens aus dem Kopf schlug.
„Die majestätische Ruhe des
Anorganischen" nannte Max Goldt einmal eine seiner LPs. Der in Zeitlupe
um einen unsichtbaren Punkt kreisende Chorgesang der Mönche war genau
das: ein Schnappschuss der Ewigkeit, (Sie wissen schon: „...strömt und
ruht".) Lächelnd musste ich an den Bischof denken, der so gerne seine
Gemeinde am Mysterium der befriedeten Seele teilhaben lassen wollte.
Hier fand es statt. Die für eine halbe Stunde aufgehobene Zeit war purer
Seelenbalsam und für den, der Ohren hat zu hören, ein freudiger
Vorschein kommender Glücksseligkeit. Erstaunlich auch die überraschend
gehaltvollen Sangeskünste der Gemeinde, die mit den Mönchen in ständigem
Frage-und-Antwort-Spiel bestens mithalten konnte. Hatte man es hier
etwa mit einer verschworenen Gemeinschaft zu tun? Kamen diese Leute
öfter als zu Ostern und Weihnachten in die Abtei? Ich war jedenfalls am
nächsten Abend (Ostermontag) wieder da und genoss noch mal das
kostenlose Konzert, um festzustellen, dass dieser Mönchsgesang, ich weiß
nicht mal ob es ein gregorianischer war, große Ähnlichkeit mit einer der
interessanteren Richtungen zeitgenössischer Tonkunst hat, der sogenannten ,„Drone"-Musik.
Dieselbe Sorgfalt, die für
die entspannte und saubere Durchführung des Ritus sorgte, beherrschte
auch den Raum. Auch wenn bei genauerem Hinsehen hier und da der Putz
etwas bröckelte, das Ambiente hatte die wohltuend bescheidene Qualität
eines Zen-Gartens. Ohne großen Aufwand oder Luxus hatte hier jemand
seine Hand hegend und pflegend allen Aspekten der Raumgestaltung
geliehen. Die Gesamtproportionen machten Sinn, jede Deckenlampe hing
exakt an der richtigen Stelle. Selbst die moderne Kunst, wunderschöne
Holzschnitte auf roten Grund, war kein Fremdkörper, sondern
geschmackssicher ausgewählt und gehängt. Selbst der Weihrauch qualmte
einem nicht die Augen zu wie Tags zuvor im Dom, sondern schwebte präzise
dosiert als gerade noch wahrnehmbarer Hauch durch den Raum. Nächsten
Sonntag gehe ich in die Abtei zu einer „Mittagshore", was immer das sein
mag."
~ * ~
Foto: Detail der Osterkerze 2007: Gesicht im
brennenden Dornbusch
Gestaltung: Maria Godde, Maria Büning, Frater Matthias |