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Die Aachener und die mit ihr verbundenen Kirchenzeitungen
des nordwestdeutschen Raumes brachten
in ihren Ausgaben zum 25. Sonntag im Jahreskreis (20.9.2009)
und seinem Evangelium, Mk 9,30-37,
nachstehende "Evangeliumsreportage"
Benediktiner haben eine Regel zur Rangordnung
Wer höher ist, war früher da
Der Satz, mit dem Jesus das Gerangel seiner Anhänger beendet, wer von
ihnen der Größte sei, ist zu einem Klassiker geworden: „Wer der Erste
sein will, soll der Diener aller sein!“ Das ist so gut und griffig
formuliert und so „typisch Jesus“, dass alle vier Evangelisten es
aufgegriffen und berichtet haben.
von Roland Juchem
Bis heute werden Jesu Jünger, also die Christen, an diesem Demut
fordernden Antikarriere-Zitat gemessen. Oft genug, so das Urteil der
Geschichte, ergibt die Messung deutliche Mängel. Dabei sagt der Satz
nicht, Autorität und Herrschaft seien per se gegen den Willen Jesu.
Eine Gruppe von Christen, die für sich in Anspruch nehmen, Jesus auf
eine besondere Weise nachzufolgen, sind Ordensleute. In ihren
grundlegenden Regeln, Armut, Keuschheit und Gehorsam, wird die Frage
nach der Rangordnung einer christlichen Gemeinschaft durchaus
angeschnitten. Über viel Erfahrung mit dieser mönchischen Lebensform
verfügen die Benediktiner. Der Gründer dieser Ordensgemeinschaft,
Benedikt von Nursia (um 480 – 547), widmete der Rangordnung unter den
Mönchen ein ganzes Kapitel.
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„Die Rangordnung im Kloster halte man so ein, wie sie sich aus dem
Zeitpunkt des Eintritts oder aufgrund verdienstvoller Lebensführung
ergibt und wie sie der Abt festlegt“, heißt es im 63. Kapitel. Und auch
wenn Benedikt bereits im zweiten Kapitel festgelegt, dass der Abt im
Kloster die Stelle Christi vertritt, so soll er doch „keine ungerechte
Verfügung“ treffen, „als könnte er seine Macht willkürlich gebrauchen“.
Eine Rangordnung gibt es durchaus im Kloster; und die bemisst sich
tatsächlich nach dem Datum oder, wie die Regel eigens betont, nach der
Uhrzeit, zu der ein Mönch der Gemeinschaft beitritt. „Da ist es egal, ob
einer 17 oder 57 ist“, bestätigt Abt Friedhelm Tissen von der
Benediktinerabtei Kornelimünster bei Aachen.
Benedikt hatte auch festgelegt, dass der Freie im Kloster nicht höher
steht als der Sklave. So etwas Formales wie das Eintrittsdatum als fast
alleiniges Kriterium zu nehmen, hält Abt Friedhelm für eine kluge
Regelung. Daran ändern auch gelegentliche Ausnahmen nichts. Als der
72jährige Frater David zur Gemeinschaft in Kornelismünster stieß, er
hatte sich nach dem Tod seiner Frau fürs Ordensleben entschieden, wurde
er vom damaligen Abt Albert Altenähr gleich etwas höher gestellt. Wobei
sich die höhere Position vor allem zeigt beim Stundengebet im
Chorgestühl, bei Tischgebet, Friedensgruß und ähnlichem. Umgekehrt
genießt ein Abt, abgesehen von seiner Leitungsvollmacht, kaum
Privilegien.
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„Spülen, Tischdienst, die Pflege älterer Mitbrüder, all das muss ich
genauso machen wie die anderen“, sagt Abt Friedhelm. Das klingt
beeindruckend; doch der Abt, der auch Schmutzarbeit macht, darf nicht
stolz sein, „Letzter zu sein“ und Diener aller. Dass seine Kollegen in
größeren Konventen solche Arbeiten eher „pro forma machen“, hat damit zu
tun, dass sie mehr Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben übernehmen
müssen.
Abt Friedhelms Vorgänger Albert hatte Anfang 2008 sein Amt nach 25
Jahren vollständig niedergelegt. Er war damals 65 und hätte laut
Kirchenrecht noch zehn Jahre weitermachen können. Aber er wollte nicht.
Und nachdem er im Abschiedsgottesdienst Stock und Mitra demonstrativ auf
dem Altar abgelegt hatte, ging Pater Albert Altenähr für neun Monate
außer Haus. Damit wollte er auch seinem Nachfolger den Anfang
erleichtern. Anfangs, räumt Abt Friedhelm ein, sei Pater Albert hin und
wieder noch in die alte Rolle zurückgefallen, etwa bei
Gebetsformulierungen, die dem Abt vorbehalten sind. Umgekehrt war es für
den neuen Abt auch selbstverständlich, hin und wieder seinen Vorgänger
um Rat zu bitten.
Im übrigen soll die ganze Gemeinschaft Rat geben. Diesen soll der Abt
gut bedenken. Auf „Schläge und körperliche Züchtigung“, wie sie dem Abt
in Kapitel 2,28 zugebilligt werden, greifen heutige Äbte nicht mehr
zurück. Nicht nur, weil sie vom Kirchenrecht, dem auch die Benediktiner
unterstehen, verboten sind. „Das nützte auch nichts“, sagt Abt
Friedhelm. Eine Ordensgemeinschaft heute zu führen verlangt andere
Qualitäten. Und von denen finden sich genügend in der Regel Benedikts
und in den Erfahrungen des Ordens überhaupt. Deshalb sind Benediktiner
wie Anselm Grün oder Notker Wolf auch gern gesehene Refernten in der
Wirtschaft.
All das bedeutet nicht, dass die Ordensgemeinschaft in Kornelimünster
vor kleinen Rangeleien und Eifersüchteleien gefeit ist. Wer darf wann,
was sagen? Wen bevorzugt der Abt? „Aber damit ist es wie überall“, sagt
Abt Friedhelm, „Fremd- und Selbstwahrnehmung gehen schon mal
auseinander“. Er selber darf laut Ordensregel „nur lehren oder bestimmen
und befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht“. Und dazu zählt seit
2000 Jahren die Maxime: „Wer der Erste sein will, soll der Diener aller
sein“.
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Fotos: Vahle
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