Verschiedenes aus der Abtei

Das Erdbeben in Haiti 2010

Die Krippe der Abtei

San Benedetto in Piscinula

Paulus und Plautilla

Krokus Frühlingsfreude

Mit Gott im Heute

Nach 25 Jahren

Was bleibt!

Abkehr von der Liturgiereform?

Der Grenzstein am Beirbvm

Die alte Taufkerze

David - die Geburt eines Königs

Wider die Logorrhoe

Das Leben ist ein Diamant

Nur eine Rose als Stütze

Ein Haus aus Licht

Jugendtreffen 2006

Eine Stadt braucht Klöster

Leben in einer neuen Zeit

Eine Schule der Freiheit

Hl. Benedikt - Gründungskelch von 1906

Carnevale veneziano 

Befreite Zeit

Die Fenster in der Kirche

Nehmt keinen Geldbeutel mit

Pilgerherberge Kloster

Das Mauerblümchen
Weihnachtsgeschichte

Gretchenfrage

Glocken d. Abteikirche

Der Rabenschrank

Das kleine Lob

Gib mir wo ich stehe

Nacht der offenen Kirchen 2001 

Termine

Kurznachrichten

FAQs 
Häufig gestellte Fragen

Oblaten

Festtage

Presseberichte

Baumaßnahme

Klöster

Abtswahl

 

Befreite Zeit – Freiheits-Zeit

Ein Artikel in der Zeitung „Die Welt“ vom 1. September 2004 formuliert ein starkes Plädoyer für die Pause im Pulsschlag des Lebens. „Der Hang zur Pausenlosigkeit ist ein Megatrend der Moderne.“ Der Mensch flüchtet vor der Zeit in den Zeit-Vertreib. Er verbringt auch die freien Zeiten – die Freizeit – in  „Betriebsamkeit irgendwo zwischen Powershopping und Funsport“. Wer Zeit hat, ist suspekt. Man findet sie nicht, - man nimmt sie sich nicht. ... und irgendwann ist der Aku leer. Vollgestopft mit diesem und jenem ist gefüllte Zeit selten. Nicht wenigen ist im Zeitenlauf die Zeit leer gelaufen. Sie laufen und laufen und laufen ... Im Leerlauf verläuft sich die Zeit im Sand.

Die Zeit lässt sich nicht anhalten, aber in der Zeit kann man anhalten, - man kann innehalten. Vielfach nennt man das heute eine Aus-Zeit. Wer sich eine Aus-Zeit nimmt, ist durchaus auf der Höhe der Zeit. Da Aussteigen durchaus ein positiv besetztes Tun ist, ist er kein Außenseiter. Im Gegenteil, wer sich eine Aus-Zeit nimmt, ist durchaus „in“.

Aus-Zeiten sind kreative, - re-kreative Zeiten. In ihnen können die verschütteten Kraftquellen reaktiviert und die verlorenen Kräfte wiedergefunden werden. Es sind Wartungszeiten des Körpers, - der Psyche, - der Seele. Es sind Gesundheitsschecks des Lebensinneren ... wenn wir denn weit genug vorzudringen uns trauen.

Ein geistlicher Lehrer brachte seine Erfahrung in die Regel:

-          jeden Tag eine halbe Stunde
-          jede Woche einen Tag
-          jeden Monat ein Wochenende
-          jedes Jahr eine Woche

Die Regel des heiligen Benedikt kennt den gleichbleibenden Rhythmus der Gebetszeiten - der sog. Tagzeiten - in denen sich der Mönch ausklinkt aus den Aufgaben des Alltags, um sich auf den Klang des Gottesanrufes hinauszuhorchen. Das Morgen-, Mittag- und Abendläuten der Kirchglocken hatte für Städter und Landleute genau diesen Tiefenklang: halte inne, ... er-innere dich, ... er-innere dich zu deiner Quelle hin.

Ich bin in der Theorie und aus der Beobachtung davon überzeugt, dass der so unaufgeregte Rhythmus-Klang der Klöster und ihrer mit Gebet gefüllten Aus-Zeiten im Tagesablauf eine Botschaft ist, die auch heute – oder: heute wieder - hochaktuell ist. Manchmal will mir dabei scheinen, dass hin-und-her-getriebene Menschen, denen der Boden unter den Füßen schwankt, weil die Arbeitswelt sie besinnungs-los geschäftig sein lässt, sensibler und faszinierter auf diese Botschaft reagieren als jene, denen Gott und die Welt fraglos gewiss sind. Ich führe das darauf zurück, dass der geistlich in den Ordensgelübden verankerte Mensch zugleich ein stets befragter Mensch ist. Benedikt mahnt ihn zur selbstkritischen Frage: Suchst du wirklich Gott (RB 58,7)? Diese Anfrage schafft eine gewissermaßen natürliche geistliche Solidarität mit den Verunsicherten der Welt.

Die Klöster sollten sich ihres Charismas, „in der Welt, aber nicht von der Welt“ zu sein, sehr bewusst sein und meist sind sie es auch. Das macht sie attraktiv und authentisch. Dem säkularen „Gebot der Stunde“, auch die letzte Sekunde noch effektiv auszuquetschen, steht ihr „Angebot der Stunde“ gegenüber: Nimm dir eine Zeit für dich selbst und auch für deine Gottessehnsucht! Tu es regelmäßig. Das ist ganzmenschliche Gesundheitsvorsorge, - Hygiene für das Innen-Leben.

Eine anekdotische Geschichte mag das Gesagte noch einmal anders andenken: Bei einer Expedition in den Regenwäldern des Amazonas treibt der weiße Leiter seine einheimischen Träger vorwärts. Nach einigen Tagen großer Marschleistung bleiben die Indios stehen, setzen sich auf den Boden und sind durch nichts zu bewegen, den Marsch wieder aufzunehmen. Der Expeditionsleiter fragt die Indios nach dem Grund ihrer Arbeitsverweigerung. Ihre Antwort: „Wir sind so schnell gelaufen, dass unsere Seelen nicht mitkamen. Wir müssen warten, bis sie uns wieder eingeholt haben.“

Abt Albert Altenähr OSB
040902
 

siehe auch: "Sich Zeit nehmen ..."

nach oben