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„Eine Stadt braucht Klöster“

... so titelt eine Ausstellung in Freiburg (Augustinermuseum, bis 1. Oktober). Das Feuilleton der FAZ vom 18. Juli stellt die Ausstellung sehr positiv heraus. Die Ausstellung erzähle „eine Geschichte von weit überregionaler Bedeutung …: welche Rolle die Klöster vom Mittelalter bis zur Gegenwart für Freiburg im besonderen und die deutschen Städte allgemein, für Seelsorge, Bildung, Wirtschaft, Armen- und Krankenfürsorge spielten und spielen.“ Hervorgehoben wird u.a. die Möglichkeit der Frauen, in den Klöstern „ein vergleichsweise selbstbestimmtes Leben“ zu führen. Kritisch angemerkt wird zum Josephinismus, dass er unter dem Motto der „Nützlichkeit“ vielen Klöstern das Leben schwer machte.

Die Ausstellung dokumentiert - so die FAZ - ausführlich auch „das gegenwärtige klösterliche Leben in Freiburg, das vielfältiger ist, als der oberflächliche Eindruck vermuten lässt. Prominenteste Zeugnisse weiblicher Ordenstätigkeit sind die Krankenhäuser. Die Klöster profitieren von der neuen Sehnsucht nach Ruhe und Kontemplation. Die Benediktinerinnen der heiligen Lioba haben deshalb ihr Günterstaler Haus … behutsam geöffnet. Konzerte gibt es dort, einen Klosterladen und einen Kräutergarten. Frauen können für eine ‚stille Zeit’ im Gästehaus nach Benedikts Regel leben, während die Schwestern im Kloster und in der Stadt ihren Aufgaben von der Seelsorge bis zur Kunst nachkommen. Das Ende der Klöster ist keineswegs in Sicht.“

Ich habe die Ausstellung nicht gesehen. Ich kenne ihren Katalog (noch) nicht. Ich kenne nur den Feuilletonbeitrag der FAZ.

Ich finde den Titel der Ausstellung faszinierend: „Eine Stadt braucht Klöster.“ Ich freue mich über den Schlusssatz des Beitrags: „Das Ende der Klöster ist keineswegs in Sicht.“

… und doch fehlt mir etwas in der Ausstellungsbesprechung.

Es fehlt mir eine kurze Passage oder vielleicht auch nur ein Satz - etwa in folgender Richtung: Klöster sind … Klöster, Nonnen sind … Nonnen, Mönche sind … Mönche. Ihr Lebensinhalt ist … Gott. Ihr Lebensquell ist … das Gebet. Klöster, Nonnen, Mönche sind primär Häuser und Menschen vor Gott und erst sekundär Akteure „mit Aufgaben von der Seelsorge bis zur Kunst.“

Gott und Gebet verstehen sich für Klöster doch von selbst! Wirklich? Und warum bringt man das anscheinend so Selbstverständliche nicht ins Wort? Wovon man nicht redet, das ist ganz schnell der Rede nicht mehr wert. Der heilige Benedikt wird von seinem Biographen Gregor d.Gr. vor allem als „Vir Dei - Mann Gottes“ ins Licht gerückt. Wo dieser Quellgrund still übergangen oder laut verschwiegen wird, weil das Privatsache der Nonnen und Mönche sei, landet man ganz schnell in der Nützlichkeitsfalle bunter „Aufgaben von der Seelsorge bis zur Kunst.“

Ich kenne weder Ausstellung noch Katalog. Ich unterstelle auch dem Autor des FAZ-Artikels nicht, dass er den von mir erwähnten Aspekt bewusst unterschlagen hat. Aber was er schreibt und was er nicht schreibt, zeigt, dass das Nützlichkeitsdenken des Josephinismus keineswegs überwunden ist.

Eine Stadt braucht Klöster. Ja, - als Orte der Gottheimat in dieser Welt.

Das Ende der Klöster ist keineswegs in Sicht. Ja, - denn Gott ist durchaus nicht am Ende.

*

Die Benediktinerin Silja Walter hat das von mir Gemeinte sehr gut in ihrem Gedicht „Gebet des Klosters am Rand der Stadt“ angesprochen.

 

Jemand muß zuhause sein,
Herr,
wenn du kommst.
Jemand muß dich erwarten,
unten am Fluß
vor der Stadt. 
Jemand muß nach dir
Ausschau halten,
Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst? 

Herr,
jemand muß dich
kommen sehen
durch die Gitter
seines Hauses,
durch die Gitter – 
durch die Gitter deiner Worte,
deiner Werke,
durch die Gitter der Geschichte,
durch die Gitter des Geschehens
immer jetzt und heute
in der Welt. 

Jemand muß wachen,
unten an der Brücke,
um deine Ankunft zu melden,
Herr,
du kommst ja doch in der Nacht,
wie ein Dieb. 
Wachen ist unser Dienst.
Wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist oft so leichtsinnig,
läuft draußen herum
und nachts ist sie auch nicht zuhause.
Denkt sie daran,
daß du kommst?
Daß du ihr Herr bist
und sicher kommst? 

Jemand muß es glauben,
zuhause sein um Mitternacht,
um dir das Tor zu öffnen
und dich einzulassen,
wo du immer kommst. 
Herr, durch meine Zellentüre
kommst du in die Welt
und durch mein Herz
zum Menschen.
Was glaubst du, täten wir sonst? 
Wir bleiben, weil wir glauben.
Zu glauben und zu bleiben
sind wir da, –
draußen,
am Rand der Stadt.

Herr,
und jemand muß dich aushalten,
dich ertragen,
ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten
ohne an deinem Kommen
zu zweifeln.
Dein Schweigen aushalten
und trotzdem singen.
Dein Leiden, deinen Tod
mitaushalten
und daraus leben.
Das muß immer jemand tun
mit allen anderen
und für sie.

Und jemand muß singen,
Herr,
wenn du kommst!
Das ist unser Dienst:
Dich kommen sehen und singen.
Weil du Gott bist.
Weil du die großen Werke tust,
die keiner wirkt als du.
Und weil du herrlich bist
und wunderbar,
wie keiner. 

Komm, Herr!
Hinter unsern Mauern
unten am Fluß
wartet die Stadt
auf dich.


 

Abt Albert Altenähr OSB

060718

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