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Der Grenzstein am Beirbvm

 

Vor der Südfront unseres Neubauflügels wird der Besucher oder Gast in den Anlagen vielleicht eine auf den ersten Blick wenig ansehnliche Reliefplatte mit einem Horn und der Inschrift BEIRBVM entdecken. Es handelt sich um den Abguß der Frontseite eines alten Grenzsteins des Hoheitsgebietes der alten Reichsabtei Kornelimünster.

 

Die Geschichte des Steins am Beirbvm1

Gegen Ende des Dreißgjährigen Krieges - also nach Jahren voller Wirren, die auch die Sicherheiten hinsichtlich des Landbesitzes infrage stellten - dokumentiert die Reichsabtei Kornelimünster 1646 in einer Karte des Münsterländchens ihr Territorium. Nördlich von Roetgen ist auf dieser Karte ein "Pfal am Birnbäumign" eingezeichnet: der Grenzstein Beirbvm mit dem Korneliushorn. Dieser Stein markiert die alte Grenze zwischen dem Herzogtum Limburg und der Reichsabtei, die bis hinunter zum Lauf der Inde mit der heutigen Staatsgrenze zwischen der Bundesrepublik und Belgien identisch ist. Unmittelbar links neben dem alten Grenzzeugen steht denn auch ein kleinerer Säulenstein mit sauber quadratischer Grundfläche, dem zur deutschen Seite ein D, zur belgischen ein B und auf der dem alten Grenzstein abgewandten Seite die fortlaufende Numerierung 895 eingemeißelt ist.

Eine Grenzbegehung aus dem 16. Jahrhundert hält fest: "Davon vrögt man durch das Vyen (Venn) die Heggen uf bis auf das Bierbäumgen (Birnbäumchen), welches nunmehr ist vergänglich worden; so wollen wir doch die Malplatz (den Grenzstein) in unserer vrogen und gedanken halten bis zur Zeit zu, daß die landherren beyderseits bedacht werden und setzen daselbst ein neu lantscheid (Grenzzeichen), damit ihr hochw. nit verkurtzt werde an ihrer hochheit und herligkeit und der lantman an seiner gemeinden."

Nach diesem Bericht ist demnach bereits im 16. Jahrhundert ein Birnbaum, der bisher als Grenzorientierung anerkannt war, eingegangen und verschwunden. Die Errichtung eines neuen Grenzzeichens wurde den beiden Grenzherren überantwortet. Die Grenze wurde zunächst nur im Protokoll der Grenzbegehung - buchstäblich - festgeschrieben. Vor 1646 dürfte dann der noch heute existierende Grenzstein aufgestellt worden sein. Der Stein ist also mindestens 350 Jahre alt, - der Birnbaum (vermutlich die im Münsterländchen heimische „Münsterbirne“), der dem Grenzpunkt den Namen gab, existiert schon mehr als 400 Jahre nicht mehr.


Ausschnitt aus der Karte des Münsterländchens 1646 / 1798
In der Beschriftung rechts ist in der Mitte der "Pfahl am bierbäumgen" genannt.

Die Karte von 1646 ist 1798 noch einmal kopiert worden. Kopist war der ehemalige Gerichtsschreiber Lambrichs. Ernst Hönings schreibt zu dieser Nachzeichnung in den Wirren der Französischen Revolutionszeit: „Überlegt man, was der Anlaß einer verbesserten Neu- oder Nachnzeichnung … gewesen sein könnte, dann wird wohl schnell klar, dass es sich hier um den Versuch handelt, noch einmal den Staus quo vor einer zu erwartenden ‚territorialen Neugliederung’ festzuhalten, um bei eventuell anzumeldenden Ansprüchen auf althergebrachte, gesicherte Fakten hinzuweisen und vielleicht alte Rechte erhalten zu können“2.

Ein Spaziergang zum Stein am Beirbvm

Dem mit der Umgebung Aachens Vertrauten braucht man wohl kaum einen Weg zu empfehlen. Er wird wahrscheinlich seinen PKW auf dem Parkplatz bei der Gaststätte „Relais Königsberg“ an der B 258 abstellen, um dann einen Waldweg parallel zur Bundestrasse auf die Höhe von Münsterbildchen hinauf zu nehmen.

Wer ortsunkundig ist oder einen kürzeren Weg - mehr oder weniger einer Höhenlage über NN - nehmen möchte, fährt von Kornelimünster kommend auf der B 258 Richtung Roetgen an der Gaststätte „Relais Königsberg“ vorbei, kreuzt die Trasse der stillgelegten Eisenbahnstrecke und stellt seinen PKW auf der Höhe rechts auf einem Waldweg ab. Der Schotterweg führt dann auf den Grenzstein zu. Nach etwa 800 m schwenkt der befestigte Weg allerdings leicht nach rechts ab, während ein „richtiger“ - teilweise „pfütziger“ - Waldweg weiter geradeaus führt. Nach 450 m erreicht man dann die Grenze, die mit einer breiten Waldschneise auch von einem unaufmerksamem Spaziergänger wahrgenommen werden kann. Wenn er den Stein nicht sofort sieht, wird er wahrscheinlich ein wenig nach links schauen müssen, wo er ihn dann in etwa 20 m Entfernung entdeckt.

Wer sich einfach mit einem „virtuellen“ Spaziergang zufrieden geben will oder muss, der kann auch bei „Google-Earth“ für den oben beschriebenen Spaziergang als Koordinaten für Ausgangspunkt eingeben: 50° 39’ 38.82’’ N und  6° 11’ 22.31’’ O, - und für den Zielpunkt, den Grenzstein „Beirbvm“, die Koordinaten: 50° 39’ 22.71’’ N und 6° 10’ 23,38’’ O. Die Google-Aufnahmen zeigen auf belgischer Seite allerdings noch einen Waldbestand, der bereits vor zwei Jahren teilweise gefällt wurde. Trotzdem: Viel Spaß!

Abt Albert Altenähr OSB
8/94 -- 070317

1 Vgl.: Alte Grenzzeichen im Kreis Aachen, in: Heimatblätter des Kreises Aachen 48 (1993) 86-89
2 Ernst Hönings, Des freien Reichsstifts zu Sanct Cornelii auf der Inden Ende und Untergang, Aachen-Kornelimünster1994, 17.

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