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Das
Erdbeben in Haiti im Januar 2010
Unsere
Benediktinerkongregation hat etwa 60 km von Port-au-Prince ein Kloster, Morne S. Benoît (= Benediktusberg),
das von der französischen Abtei Landevennec (bei Brest, Bretagne)
1981 gegründet wurde und noch von Landevennec abhängig ist. Über unsere Generalkurie in Rom erhalten wir z.Zt. Emails
aus dem Kloster in Haiti weitergeleitet. Diese Mails können die
Nachrichten der Medien mit ihrer persönlichen Erfahrung ergänzen.
Auszüge aus den Mails sollen an dieser Stelle gesammelt werden. (Die
Übersetzungen sind "Schnellschüsse")
Weitere Informationen
und Mail-Berichte finden Sie auf der
Website der Abtei
Landevennec (französisch). Einen Bericht über einen Besuch der Abtei
Landevennec finden Sie auf unserer Website, wenn Sie diesem
Link folgen.
Spenden, die uns
zukommen, um die Hilfen unseres Klosters in Haiti für die Erdbebenopfer
zu unterstützen, werden wir der Abtei Landevennec zukommen lassen. Die
Mitbrüder dort wissen die Wege, dass die Spendengelder in Haiti richtig
ankommen. Unsere Kontoverbindung ist: Sparkasse Aachen BLZ 390 500
00, Konto-Nr. 2 750 420. Damit die Spenden bei uns richtig
eingeordnet werden können, verwenden Sie, bitte, das Kennwort
"Haiti-Hilfe".
Mail vom Mittwoch, 27. Januar:
Ich bin heute mit Frater Jacques nach Port
au Prince gefahren, - u.a. um zu klären, wie ich nach Rankreich
zurückkomme. Wir sind zur Botschaft gegangen, weil es immer noch keine
regulären Flüge gibt. Ich
werde am Montag, 1. Februar, fliegen.
Wirklich sicher werde ich das aber erst
vor Ort wissen ob es dann einen Flug gibt oder erst am Tag darauf.
Bei diesem dritten Besuch in der Hauptstadt stelle ich fest, dass das
Leben täglich ein wenig mehr Normalität gewinnt. Aber die Mehrzahl der
Menschen schläft draußen und man sieht Zelte fast überall, wo ein Fleck
Grün oder ein Platz ist. Die Menschen räumen weiterhin ihre zerstörten
Häuser leer. Sie müssen das schneller als die Plünderer machen, die Tag
und Nacht unterwegs sind. Wir haben Möbel mitgenommen, die den
Schwestern der Unbefleckten Empfängnis Mariens geblieben sind, um sie in
Sicherheit zu bringen… Die Schwestern sind teils ins Ausland gegangen,
teils nach Petite Rivière. In Port au Prince bleibt Sr. Stella noch
einige Tage und die berühmte Sr. Martha, die – was auch passiert – nicht
aus der Ruhe zu bringen ist.
Wir haben auch die Karmeliten besucht … und das zerstörte Provinzhaus
der Christlichen Schulbrüder. Dort sind die beiden französischen Brüder
gestorben. Einer liegt immer noch unter den Trümmern.
Bei den Marianisten (= Maristen?), die sich zu ihren jeweiligen Familien
geflüchtet haben, haben wir Bücherkartons mitgenommen. Einige von den
Marianisten nehmen wir heute Abend in Morne auf. Sie treffen hier die
Familie eines Seminaristen von Saint Jacques und die Studenten der
Redemptoristen, die seit einer Woche bei uns sind. Sie beginnen
allerdings Richtung Kanada, El Salvador und Kolumbien aufzubrechen.
Die Gebäude des CIFOR existieren nicht mehr; das Studienjahr ist mehr
oder weniger zu Ende… Das gilt im Grunde für alle Schulen. Man sieht in
Port au Prince keine Kinder in Schulkleidung. Ein Großteil der Bewohner
verlässt die Stadt; sie erinnern sich plötzlich an ihre Verwandten auf
dem Land… Das Radio spricht davon, dass die Dörfer sich auf einen
Zustrom von Flüchtlingen einstellen müssen… Die Herausforderungen, die
sich auftun, sind überaus zahlreich.
Fr. Jean-Michel (Abt von Landevennec)
Dienstag, 26. Januar: Dass das Fieber in
den Medien runtergeht, das ist ihr Gesetz, denn sie befassen sich mit
der unmittelbaren Aktualität. Für uns dauert die Unmittelbarkeit fort.
Von unseren drei Brüdern, die am 15. Januar losgezogen sind, ihre
Familien zu suchen, haben wir bisher nur von einem Nachricht. Es ist so,
dass die Telefonverbindungen nach wie vor schwierig sind.
Freunde haben sich gemeldet und wir haben gehört, dass eine Reihe von
Freunden tot ist oder vermisst wird. Ich habe selbst Gelegenheit gehabt
– wenigstens ein bisschen – einige Viertel von Port-au-Prince zu sehen.
Angesichts der Krater hinterlässt die Stadt den Eindruck, bombardiert
worden zu sein. Praktisch – bis auf wenige Ausnahmen – sind alle großen
Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Ein Geistlicher sagte mir: „Die
Kirche hat alle ihre Symbole verloren“: die Kirchengebäude – angefangen
mit der Kathedrale, das „bischöfliche Palais“ (das nie so genannt
wurde), Pfarr- und Ordenshäuser, Seminarien, Schulen und Kollegs, ihren
Erzbischof und seinen ersten Generalvikar, Ordensmänner und –frauen, vor
allem Lehrer und Studenten, die gerade in den Schul- und
Vorlesungsräumen waren, Seminaristen. Die Kirche in den USA hat sich
öffentlich solidarisiert und engagiert sich, Haiti zu helfen, sich
wieder aufzubauen. Aber wann wird das möglich sein?
Währenddessen ist die Erde noch in Bewegung und die internationale Hilfe
etabliert sich nach und nach. Es gibt vor allem viel lokale und
familiäre Hilfe. Diejenigen, die es können, verlassen die Stadt –
wenigstens für eine gewisse Zeit -, um sich auf dem Land in Sicherheit
zu bringen. Dennoch hat man nicht den Eindruck einer toten Stadt.
Während der „offizelle“ Handel praktisch zum Erliegen gekommen ist und
die Geschäftsleute versuchen, vor der Plünderung ihrer aufgebrochenen
Läden zu retten, was zu retten ist, hat der „inoffizielle“ Handel seine
Geschäfte wieder aufgenommen und manche Straßen sind wieder Märkte unter
offenem Himmel geworden. Die nicht heimgesuchten Banken haben wieder
geöffnet, aber man braucht Stunden in der Schlange, um zu einem Schalter
zu gelangen! Wir selbst sind nach S. Marc (etwa 50.000 Einwohner, 30 km
nördlich von uns) gegangen, um uns neu einzudecken und wir verkaufen
dann an unsere Nachbarn auf Kredit! In Port-au-Prince verschärft sich
die Unsicherheit, denn die Mauern des Nationalgefängnisses und anderer
Gefängnisse sind eingestürzt und haben so etwa 6.000 Gefangenen die
Freiheit ermöglicht.
Mit P. Abbé (Abt Jean-Michel von Landévennec) sind wir fünf Mönche, die
das Haus am Laufen und das Gebet aufrecht halten. Wir beherbergen eine
selbständige Gruppe von 15 Kindern mit ihren Betreuern aus der Pfarrei
S. Antonius, die von den Patres de S. Jacques geleitet wird. Im
Gastbereich haben wir eine wechselnd starke Gruppe von Seminaristen der
Redemptoristen und sechs Cousinen eines Seminaristen von S. Jacques, die
bei den Arbeiten im Haus helfen.
Genug für heute. Was wird morgen sein? Wir überlassen es der
Barmherzigkeit Gottes.
P. Anselme
Montag,
25. Januar: Die Kollekte in der gestrigen Sonntagsmesse und unsere
Bitte, die Hilfe unseres Klosters Morne S. Benoît in
Haiti für die
Erdbebenopfer auch durch Spenden zu unterstützen, haben (bisher)
1.400 Euro erbracht. Wir danken allen, die geholfen haben zu helfen! ...
und natürlich ist der "Spendentopf" weiterhin nach oben offen.
Der Cellerar der Abtei Landévennec mailt am Nachmittag: "Danke für Ihre
Hilfe zugunsten der Erdbebenbopfer in Haiti und für das Echo, das Sie
den Ereignissen dort auf Ihrer Website geben:" Der Cellerar hat einen
Mitbruder gebeten, uns einige Fotos des Klosters Morne S. Benoît
zukommen zu lassen.
Der Abt von Landévennec, der das Erdbeben in Haiti miterlebt hat und
z.Zt. noch dort ist, antwortet von dort auf eine Mail an ihn: "Danke für
Ihre Mail und die Solidarität. Die prekäre Lage in Morne bleibt
weiterhin sehr real."
Mail vom FReitag, 22. Januar (übernommen
von der Website der Abtei Landevennec)
Keine Nachricht von Fr. Johnès, von Jean-Baptist und
Gérald seit ihreem Weggehen vor einer Woche: aber das Telefon
funktioniert schlecht.
Das Mobilnetz von Comcel-Voilà war nie unterbrochen (oder nur sehr
kurz ?), aber ist völlig überlastet. Das Netz von Digicel ist mehrmals
am Tag unterbrochen; auch Haitel ist nicht immer zur Verfügung, wie es
scheint, oder nur in anderen Gegenden. Um über Voilà anzurufen – und
auch über Digicel –, muss man 10, 20 Versuche machen und wenn man den
Gesprächspartner dann glücklich erreicht, muss der auch noch genügend
Batterieleistung haben. Diese Anbieter haben ihren Kunden Gratis-Konten
gegeben, um die Kommunikation zu erleichtern. Das Festnetz Téléco
scheint in 1000 Stücke zerschlagen zu sein.
Das Kloster ist bisher nicht zum Auffanglager geworden und auch die
Gästeabteilung ist nicht voll. Wir haben uns darauf vorbereitet,
zumindest die Ordensleute, die zu uns kommen oder denen wir begegnen,
aufzuehmen, aber es ist schon so, dass wir ein wenig weit weg sind und
dass jeder sich in seiner Nähe und aufs Nötigste beschränkt einrichtet.
Wir sind in keiner Weise um unsere Sicherheit hier besorgt.
Frère Jacques (Prior)
Mails vom Donnerstag,
21. Januar (übernommen von der Website der Abtei Landevennec)
Die Versorgung mit Kraftstoff ist wieder aufgenommen. Ich konnte etwa 40
Gallons Diesel für den Generator besorgen.
Im Augenblick haben wir nur die Gruppe Kinder und Seminaristen bei uns.
Sie haben lediglich Nahrung notwendig. Doch ändert sich die Situation
von Tag zu Tag. Ich kann noch nichts sagen, ob Hilfe dringend notwendig
ist. Besser das Rote Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen abfragen. Aber morgen
kann sich schon meine Beurteilung ändern
Fr. Jacques Michel (Prior)
… Hier geht das Leben weiter; keine Neuigkeiten von unseren jungen
Mitbrüdern, die losgezogen sind, um ihre Familien in Port-au-Prince zu
suchen …
… Am Samstag gehen wir zur Beerdigung von Bischof Miot auf dem Platz vor
der Kathedrale. Heute Morgen konnte Fr. Jacques Diesel über das Internet
besorgen, am Samstag geht Fr. Pierre zum Markt. Nicht zu unterschätzen
das Gebet, das mit der Stimme von Père Abbé (Abt Jean-Michel von
Landevennec) ein wenig an Schwung gewonnen hat!
P.. Anselme
… Die Ordensoberen haben im allgemeinen ihre jungen Mitbrüder in der
Ausbildung zu ihren Familien geschickt. Im Augenblick erinnert sich alle Welt
daran, Familie in der Provinz zu haben; es ist möglich, dass man
sie in den kommenden Tagen oder Wochen aufnimmt, aber darüber weiß man
nichts Gewisses.
Fr. Jean-Michel (Abt von Landevennec)
Mail vom Montag, 18.
Januar (übernommen von der Website der Abtei Landevennec)
Ich
dachte, wir hätten kein Internet mehr, aber schließlich hat es doch
funktioniert, möglicherweise aber nicht auf Dauer, denn wir sind knapp
an Dieselöl, das die Technik am Laufen hält. Möglicherweise werdet ihr
darum einige Tage ohne Infos bleiben
Am Samstag ist die Beerdigung von Bischof Miot. Ich werde mit Fr.
Jacques hingehen. Es wird ein starker Moment für die Kirche in Haiti
sein.
Was die Kinder von Nazareth – sie sind wohlauf. Gestern habe habe
ich mit ihnen eine Runde Fußball gespielt: viel Schweiß und Freude.
Man hört die Flugzeuge, die Material und Helfer nach Port-au-Prince
bringen, im Landeanflug. Man spürt wirklich eine große Mobilisierung.
Wenn die emotionale Seite des Ereignisses abgeklungen ist, bleibt noch
viel zu tun und da muss man einen langen Atem haben.
Frère Jean-Michel (Abt von Landevennec)
Mail vom Sonntag, 17. Januar:
Die Kirche von Haiti hat
in Port-au-Prince einen hohen Tribut gezahlt. Wir sind in Verbindung mit
den französischen Missionaren der Pères de S. Jacques, von denen ein
Seminarist gestorben ist. Sie haben bei sich 70 Personen aufgenommen,
darunter Verletzte, die von Ärzten versorgt werden, die teilweise
durchgehend 48 Stunden gearbeitet haben. Die Patres haben uns gebeten,
vorübergehend 25 Straßenkinder aus ihrem Foyer „Caritas des hl.
Antonius“ aufzunehmen. Das Foyer ist ebenso wie ihre Kirche eingestürzt.
Unser Erzbischof, sein Kanzler, ein Generalvikar und zweifellos weitere
Personen sind beim Einsturz des Bischofshauses umgekommen. Die
Kathedrale ganz in der Nähe, ist wie die die Kirche Sacré-Coeur und ihr
Pfarrhaus dem Erdboden gleich gemacht. Die Töchter Mariens du Bel-Air
sind sehr heimgesucht: nur drei von ihnen sind unverletzt davongekommen,
16 Tote unter den Trümmern, zwölf Verletzte – mehrere davon schwer. Sie
werden versorgt im „Sterbehaus“ der Schwestern von Mutter Teresa. Wir
wissen nichts über ihre anderen Kommunitäten in Elie-Dubois, von CEFES
und in Pétionville. Die Gebäude des Mutterhauses der Kleinen Schwestern
der hl. Thérèse in Rivière Froid bei Carrefour haben eine große Zahl von
Schwestern unter sich begraben. Das große Kolleg S. Francois und das
Haus der Schwestern bei den Pères de S. Jacques sind zum Teil schwer
beschädigt. Die „Villa Manrèse“ die von den Clercs de S. Viateur geführt
wird, ist eingestürzt und hat die getötet, die dort waren. Dagegen hat
das große Gästehaus der Töchter de la Sagesse in Carrefour – wo ich
viele Treffen mitgemacht habe – dem Beben standgehalten. Ihr Altenheim
jedoch, das neben dem Hauptgebäude liegt, ist mitsamt seinen Bewohnern
eingestürzt. Das Kolleg der hl. Rosa von Lima der Schwestern von Cluny
und das Hauptgebäude der Schwestern de la Charité de S. Louis stehen,
aber ich weiß nichts über ihre anderen Häuser und Schulen. Ebenso das
Haus der Filles de Jésus in Kermaria (von deren Schwestern ich 2 seit 35
Jahren kenne). Das alte Kolleg S. Aloisius von Gonzaga gibt es nicht
mehr; es hat Frère Joseph Bergot, den ich gut kannte, mit in den Tod
gerissen. Ich weiß nichts von ihren anderen Häusern – bei der
Kathedrale, in Delmas und in Pétionville. Die Schwestern ICM – die wir
gut kennen – sind in Sicherheit, aber ihr Gebäude ist nicht mehr
bewohnbar. Dasselbe gilt für die Schwestern de S. Paul in Prédailler
oberhalb des Flughafens; ihren Gemeinschaften in Thomassin, oberhalb von
Pétionville, und in Cabaret und Arcahaie – in unserer Nähe – geht es
gut. Wir haben 6 Studenten der Redemptoristen aufgenommen, die gerade
rechtzeitig dem Einsturz ihres Hauses entkommen sind. Eine letzte
schlechte Nachricht: Das CIFOR, wo ich Kurse für Ordensleute gegeben
habe, - ganz neu und das sich anschickte, sein Zehnjähriges zu feiern,
ist wie ein Kartenhaus zusammengestürzt und hat den Kleinbus der
Montfortaner Studenten unter sich begraben. Dasselbe gilt für die beiden
Diözesanseminare, die zahlreiche Seminaristen unter sich begruben, davon
allein sieben aus einer einzigen Diözese.
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