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Kleiner Krokus
„Frühlingsfreude“
Lange hatte er geschlafen, zurückgezogen
als kleine Kugel unter der Erde. Nach der Blütenanstrengung des letzten
Jahres hatte er sich erst erholen müssen. Aber jetzt war er wieder
voller Tatendrang. Vorsichtig streckte er die ersten Fühler aus der
Bodenkrume.

„Es ist noch arg kühl“, murmelte er noch
ziemlich wintermüde in sich hinein „Aber wenn man zu den ersten gehört,
dann ist die Freude groß bei jedermann und jederfrau, und ganz bestimmt
bei jederkind. Ich will Farbe in die noch graue Natur der nackten Äste
und Zweige schenken.“
Und er reckte und er streckte sich. Eine
Blattspitze und dann noch eine, eine dritte und eine vierte wuchsen in
den kalten Morgen. Und jeden Tag ein bisschen mehr. Und schließlich
schickte er die Knospen an die Arbeit. Größer und größer wurden ihre
langgezogenen Blütenkeile.

Tiefblau war das Kleid, das er sich
ausgesucht hatte. Es gab Freunde, die standen mehr auf Dufthell-Blau,
andere liebten gar das Blütenweiß. Ihm gefiel der Frack in Dunkelblau.
„Das hat was Zurückhaltendes und wirkt so edel, - richtig vornehm“,
pflegte er in vertrautem Kreis zu sagen. Und zusammen mit den Kleidern
der andern Freunde war der dunkelblaue Tupfer Kraft, den er ausstrahlte,
wirklich eine Augenweide.
Es brauchte nur ein ganz paar Wärmegrade
mehr und ein wenig Sonne, damit er seinen Blütenkelch weit öffnete.
„Sonne will ich atmen! Wärme will ich trinken! Freude will ich schenken!
Der Winter ist vorbei, - der Frühling öffnet seine Tür!“ jauchzt' und
sang er auf.

… und seine Frühlingsfreude strahlte wider
im roten Sonnengold der Blütenmitte.
„Ich grüße dich“, lachte er mir zu.
„Lass dir meine Frühlingsfreude schenken!“
P. Albert Altenähr OSB
090319
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