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Die Krippe in der Abtei Kornelimünster

Die Krippe in unserer Abteikirche zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Sie ist nicht „The Same Procedure as Every Year“. Ein Grundschema gibt es zwar, aber es finden sich auch immer wieder Variationen. Besucher legen gelegentlich etwas hinzu und suchen dann im nächsten Jahr, ob ihr kleines Geschenk wieder auftaucht. Überhaupt, die Augen werden auf Entdeckerreise geführt und finden überrascht dieses und jenes, das sie noch nie gesehen oder zwischenzeitlich vergessen hatten.

In manchen Jahren, wenn der Heiligabend und der Weihnachtstag „mitten in der Woche“ (oder noch früher) liegen, stehen die Weihnachts-bäume bereits vor dem 4. Adventssontag und dann wird meist auch schon eine „Stellprobe“ für den „Unterbau“ der Krippe gemacht und überlegt, wie das Gesteck, das die Gemeinde mit seinen Kerzen durch die Adventszeit begleitet hat, in die Krippengestaltung einbezogen werden kann. Die Krippe und ihre Landschaft aber bleiben leer. Der letzte Adventssonntag ist mit dieser nackten Krippe eine Anregung, sich noch einmal (oder endlich einmal?) mit meiner Beziehung zum inneren Gehalt des Festes der Geburt Christi auseinanderzusetzen. Bin ich leer genug, - offen genug, - aufgeräumt und empfangensbereit für Gott und seine Botschaft? Oder ist alles nur gehetzt, - rödelig, - erwartungsüberfrachtet und mit dem Stressseufzer gefüllt, dass alles doch nur schon vorbei wäre?

Der weitere Krippenaufbau – fest eingeplant für den 23. Dezember – ist gewissermaßen ein meditativ-kreatives Spiel.

Als Vorgabe stehen ein Landschaftsszenario und verschiedene Personengruppen vor Augen. Da ist die Wasserlandschaft, dann Feld und Wald, Bauernhof, ein Kinderspielplatz, ein Weg, - Hirten, Kinder, Frauen auf dem Marktplatz, Mönche mit ihrem Abt. 

Die Menschenfiguren werden als erstes in die leere Krippe gestellt. Sie alle sind durch einen Zeigegestus oder durch die Bewegung auf das Geschehen im Stall von Betlehem orientiert. Bei der fertig gestalteten Krippe fällt diese Orientierung nicht mehr so deutlich auf, wie er bei der Krippe „im Rohbau“ deutlich wird. Bei den Hirten kommt noch hinzu, dass sie mehr oder weniger dem Betrachter zugewandt sind. Sie sprechen ihn an und weisen auf das zentrale Geschehen hin: die Geburtsszene. Auch bei den Gruppen der Frauen und der Mönche zeigt zumindest eine der Figuren auf diese Szene hin. Sie durchtratschen nicht das übliche Dorf- oder Klostergeschehen, sondern sprechen miteinander über das, was da in der Weihnachtsnacht geschehen ist. Es ist eine Erzählkrippe, die zum Glauben-Erzählen einladen will.

Wenn die Figuren so einigermaßen zur Zufriedenheit aufgestellt ist, wird „die Welt“ über die Krippe ausgebreitet: Steine aus verschiedenen Orten und Ländern, - Muscheln, Holz, Kastanien, Eicheln, Tannenzapfen, Farbtupfer von Blumen, - und jede Menge kleiner Tiere: Fuchs und Hase, Fischotter, Bär, Pinguin, Schildkröte und Frosch, Leopard und Erdmännchen, … und von der Tanne rüttelt ein Falke und in seiner Nähe fliegt der Adler. Der Uhu schaut vom Krippendach und die Spatzen drehen direkt vor dem Stall ihre Flug-Runden. Diese Aufzählung ist natürlich nicht erschöpfend, aber sie kann eine Suchanregung sein. 

Ich will es nicht leugnen: am Anfang dieser Details stand einfach die Freude am Spiel. Vielleicht war es der Spielzeugbauernhof oder die elektrische Eisenbahn, die ich als Kind nicht hatte, und die ich hier „nachgeholt“ habe. Aber da sind auch traumvolle Texte aus dem Propheten Jesaja, die Wald und Feld blühen und von den Tieren das große Spiel „Frieden“ aufführen lassen. Und dass Ochs und Esel weiser sind als mancher Mensch, wusste der alte Prophet sowieso.

„Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. Mein Volk aber hat keine Einsicht“ (Jesaja 1,3).

„Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes“ (Jesaja 35,1-2).

„Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist“ (Jesaja 11,6-9).

Die Krippe der Abteikirche Kornelimünster ist weder „glatt“ noch „richtig“. Sie ist bunt und zusammengewürfelt. Das macht sie „frag-würdig“. Das macht sie „heil-froh“. Sie wünscht dem Betrachter gleiche Freude und umfassendes Heil.

Albert Altenähr / 091224

 

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