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Stellungnahme der Abtei zu Missbrauchsvorwürfen
in unserer ehemaligen Heimschule

Die Medien berichteten in den letzten Wochen von zahlreichen Fällen sexuellen und körperlichen Missbrauchs an katholischen Schulen und Internaten.

Heute, 18. März., berichten die "Aachener Nachrichten" auch über Vorwürfe, die unser ehemaliges Realschulinternat betreffen.


Im Laufe der letzten Woche meldeten sich bei Abt Friedhelm zwei Schüler unseres ehemaligen Internats, die von tätlichen Übergriffen von einem Pater und einem Lehrer an unserer Schule berichteten.

Bei diesen Fällen, die uns in den vergangenen Tagen bekannt gemacht wurden, handelt es sich nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um tätliche Übergriffe in den 1950er und 1960er Jahren.

In den 1960er Jahren kam es zum Verdacht eines sexuellen Übergriffs von Seiten eines Paters, der seitdem bis zu seinem Tod nicht mehr in Schule und Internat tätig war. Klosterintern lässt sich genaueres über diesen Verdachtsfall nicht feststellen, da sowohl der betreffende Pater als auch die damaligen Verantwortungsträger in Kloster und Internat seit Langem verstorben sind.

Wir nehmen die Aussagen der Opfer ernst und suchen mit Ihnen das Gespräch. Wir bedauern die Vorfälle aufrichtig und entschuldigen uns bei den Schülern für das Leid, das ihnen
zugefügt wurde und bieten ihnen Hilfe an, falls sie es wünschen.

In unserer Abtei gelten die Leitlinien der Deutschen Ordensoberenkonferenz vom 8. Juni 2009 zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch minderjähriger durch Ordensleute. Sie entsprechen der 2002 erlassenen entsprechende Leitlinie der Deutschen Bischofskonferenz und den Schreiben von Papst Johannes Pauls II. vom 30. April 2001 sowie der Glaubenskongregation vom 18. Mai 2001.

Uns ist an Aufklärung in Bezug auf die ehemalige Schule und das Internat gelegen. Wer Kenntnis von möglichem sexuellem Missbrauch aus der Schulzeit hat, kann sich an den Beauftragten für Beratung in Missbrauchsfällen wenden           

Herrn Oberstaatsanwalt a. D. Dr. Hans Helmut Günter
Clermontstraße 65
52068 Aachen
Tel.:      0241-59388
Fax:     0241-575689

Unser Missbrauchsbeauftragter wird sich umgehend mit den Opfern in Verbindung setzen.

Darüber hinaus können sich ehemalige Schüler jederzeit an die Abtei wenden, wenn sie über ihre Erfahrungen in unserer ehemaligen Heimschule sprechen möchten.

***

Predigt von Abt Friedhelm am 21.3.2010

Liebe Schwestern und Brüder,

seit einigen Wochen geschieht ungeheuerliches in Deutschland und der deutschen Kirche: Es kommen Anschuldigungen über sexuellen Missbrauch und tätliche Übergriffe ans Tageslicht, begangen in kirchlichen Einrichtungen. Fast täglich kommen neu Einrichtungen in die Medien, in denen solche Vorfälle stattgefunden haben.
 

Auch unser Haus und seine Heimschule, die vor über 20 Jahren geschlossen wurde, kam in die Medien. Tätliche Übergriffe sowie sexueller Missbrauch wurden zwei inzwischen Verstorbenen Mitbrüdern vorgeworfen. Bei mir selber meldeten sich unabhängig davon und vor dem Pressebericht zwei ehemalige Schüler per Email, die von tätlichen Übergriffen erzählten. Mit diesen beiden Schülern stehe ich weiterhin in Kontakt.


Auf den Zeitungsartikel hin hat sich bisher niemand mit weiteren Anschuldigungen gemeldet. Ich kann nur sagen, dass die Akten in unserem Haus in keiner Weise von tätlichen oder sexuellen Übergriffen berichten. Sollten sich dennoch ehemalige Schüler finden mit ähnlichen wie in der Presse geschilderten Erfahrungen, so bitte ich sie an dieser Stelle noch einmal darum sich zu melden. Wie in unserer Erklärung vom 18. März geschrieben, kann ich an dieser Stelle nur wiederholen: "
Wir nehmen die Aussagen der Opfer ernst und suchen mit Ihnen das Gespräch. Wir bedauern die Vorfälle aufrichtig und entschuldigen uns bei den Schülern für das Leid, das ihnen zugefügt wurde".


In einem Brief an die Priester des Bistums fordert Generalvikar von Holtum zu einer "Kultur des Hinschauens" auf. Bisher scheint es eher eine Kultur des Wegsehens gegeben zu haben. Kinder wurden häufig in ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Hier haben Verantwortliche in der Kirche versagt und ihr größeren Schaden zugefügt, als diejenigen, die sich an anderen Menschen vergangen haben.

Blicken wir vor dem Hintergrund des heutigen Evangeliums noch einmal auf die Täter. Jesus beschönigt nichts, er lässt sich auf keine Diskussionen ein. Sünde nennt er Sünde. Eine Verurteilung zum Tode kommt für ihn nicht in Frage. Täter im kirchlichen Bereich wie auch sonst überall müssen den zuständigen Behörden übergeben werden. Beschuldigte haben bis zur Überführung als unschuldig zu gelten.


Liebe Schwestern und Brüder, viel Leid ist zugefügt worden, noch längst ist nicht alles aufgearbeitet. Ich wünsche mir, dass wir mit wachem, aber nicht misstrauischem Blick durch unser Leben gehen. Es muss wieder eine Atmosphäre des Vertrauens wachsen können. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie gehört werden, wenn sich andere an ihnen vergangen haben. Das wird noch lange dauern. Unser Mitgefühl gilt den Opfern. Auch den Tätern gilt es, doch müssen sie sich ihrer Verantwortung und Schuld stellen. Dann kann die Kirche deutlicher und mehr das Antlitz Christi in unserer Welt darstellen.

***

 

externer Link zur Website des Vatikans:
Missbrauch v
on Jugendlichen. Stellungnahme der Kirche

***
 

"Hirschberger Erklärung"

Die Deutschen Bischöfe möchten einen Entschädigungsfond zur Wiedergutmachung für Missbrauchsopfer ins Leben rufen. Dazu fragten sie auch die Ordensleute an. Auf der Jahresversammlung der Salzburger Äbtekonferenz, die jedes Jahr in der Osterwoche stattfindet, haben 28 Äbte und Prioren die folgende Erklärung herausgegeben:

Zum respektvollen Umgang mit Geschädigten
sexuellen Missbrauchs in unseren Klöstern

Die deutschen Benediktinerklöster, in deren Einrichtungen es zu Fällen sexuellen Missbrauchs gekommen ist, haben in den vergangenen Wochen begonnen, sich intensiv um Aufklärung und Aufarbeitung dieser Vorkommnisse zu bemühen. Im persönlichen Umgang mit den Geschädigten hat sich gezeigt, dass deren Wünsche und Bedürfnisse insbesondere dahin gehen, mit den jetzigen Verantwortlichen der Klöster und Einrichtungen ins Gespräch zu kommen und ihre Erlebnisse zu erzählen. Sie wollen gehört werden und dabei erfahren, dass wir ihnen mit Respekt und Achtung begegnen.

Unsere Aufgabe sehen wir zunächst darin, uns Zeit zu nehmen, zuzuhören, dann die Geschädigten im Namen unserer Klöster um Verzeihung zu bitten. Auch die Täter sollen nach Möglichkeit persönlich um Verzeihung bitten, wenn die Geschädigten zu einer Begegnung mit ihnen bereit sind.

Sehr ernst nehmen wir das häufig geäußerte Anliegen, in unseren Einrichtungen durch umfassende Prävention dafür zu sorgen, dass sich solche Übergriffe nicht mehr ereignen können. Selbstverständlich sind wir dazu bereit, notwendige Therapien für die Geschädigten zu vermitteln und bei der Durchführung unsere Unterstützung anzubieten.

Als Benediktiner sehen wir unsere besondere Aufgabe auch darin, den Betroffenen seelsorglich zu helfen. Dies kann in unseren Gemeinschaften geschehen, oder mit Rücksicht auf das Empfinden der Geschädigten auch von externen Seelsorgern übernommen werden.

In unseren Klöstern haben inzwischen viele Gespräche mit Betroffenen stattgefunden. Dabei ist nur sehr vereinzelt die Forderung nach finanzieller Entschädigung laut geworden. Unsere Klöster wollen deshalb jeweils individuell und den Umständen des Einzelfalles entsprechend darauf eingehen. Es geht uns darum, zuerst die Person des Einzelnen ernst zu nehmen und seine Situation zu berücksichtigen, was bei einer zentralisierten Lösung nicht möglich ist.

Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es uns für unsere Klostergemeinschaften nicht angebracht, uns derzeit an einem nationalen Entschädigungsfonds zu beteiligen.

Hirschberg im April 2010

für die Abtei Kornelimünster:
Abt Friedhelm Tissen

 

 

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