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Pilgerherberge Kloster 

7. Mai 2004: Mein Sitznachbar im Zug von Paris nach Aachen: ein Holländer aus Heerlen, der auf dem Heimweg von einer Pilgerfahrt auf dem spanischen Teilstück des „Camino de Santiago“ ist. Sechs Fuß-Wochen nach Santiago de Compostela liegen hinter ihm. Im vergangenen Jahr war er das französische Stück gegangen.

7./8. Mai: Bei uns übernachten 10 Damen und Herren, die auf dem Jakobusweg sind.

10. Mai: Die Pforte ruft mich an. Eine Dame möchte gerne für Ihr Pilgerbuch einen Stempel haben. Sie ist seit 26 Tagen zu Fuß unterwegs von Haarlem nach Rom.

11. Mai: Zwei Herren fragen kurz nach 17:00 um ein Pilgerquartier. Sie haben gerade – aus der Kölner Gegend kommend - die erste Etappe einer Fahrrad-Pilgerfahrt nach Santiago hinter sich. Insgesamt rechnen sie für diese Pilgerfahrt 6 Wochen.

12. Mai: Ein Anrufer erkundigt sich, ob die Information richtig sei, dass wir Pilger aufnehmen. Er plant mit einigen Freunden, den „Camino“ zu gehen.

Dass der uralte Pilgerweg nach Santiago de Compostela in den vergangenen Jahren ein wachsendes Interesse gefunden hat, ist unzweifelhaft. In Wegbeschreibungen des Weges wird unser Kloster Kornelimünster als gastgebende Pilgerherberge aufgeführt. Auch für einen neuen Pilgerweg von Maastricht nach Maria Laach werden wir als Quartier notiert. Und auch die Dame aus Holland auf dem Weg nach Rom ist durchaus nicht der/die erste Pilger/in auf dem Weg nach Rom, die bei uns vorspricht.

Wer macht sich heute auf eine so ausgedehnte Wallfahrt? Sind Pilger besonders „fromme“ Christen? Wenn ich sie mir so anschaue, dann habe ich eher den Eindruck, es sind sehr normale, handfeste Menschen. Handfest und im besten Sinn alltagstauglich muss man schon sein, wenn man sich zu einem so intensiven Unterfangen wie einer Fuß- oder Rad-Pilgerfahrt, die Wochen und Wochen dauert, entschließt und sie durchhalten will. Selbst diejenigen, die die Gesamtstrecke von ihrem Heimatort bis Santiago über die Jahre hindurch in kürzeren Etappen gehen wollen, brauchen schlicht die Energie der Konsequenz, um die Idee über Jahre hindurch festzuhalten und in die Tat umzusetzen. Fromme Träumer sind die Pilger nicht.

Es ist sicher auch eine Idealisierung oder gar engführende Ideologisierung, dass ernsthaftes Pilgern eigentlich nur fromm sein darf. Die Pilger aller Zeiten waren nie nur fromm. Der fromme Impuls gehört zwar ganz sicher zu einer Pilgerfahrt dazu. Das mag der Gedanke der Gottsuche sein, das Erfüllen eines Dankbarkeitsgelübdes oder – vielleicht heute weniger als in den Jahrhunderten der Vergangenheit – der Bußgedanke. Daneben sollten wir nüchtern genug sein, für die Vergangenheit und auch für heute Abenteuerhunger oder das Verlangen, etwas von der Welt zu sehen, mit in Betracht zu ziehen. Und warum darf heute nicht auch der sportliche Reiz oder das Austesten der eigenen Leistungsfähigkeit mit eine Rolle spielen? Und kann nicht auch die „Mode ‚Compostela’“ ein äußerer Anstoß für ein gutes Unterfangen sein? Die „Canterbury Erzählungen“ aus dem 14. Jahrhundert, die die mittelalterliche Wallfahrt zum Grab des hl. Thomas Beckett widerspiegeln, zeigen uns ein sehr buntes Bild der alten Pilger. Überfordern wir uns nicht durch ein weltfremdes Frömmigkeitsideal! Frömmigkeit ist immer auch eine sehr irdische Angelegenheit.

Das große biblische Vorbild, Pilgern Herberge zu gewähren, ist Abraham. Im 18. Kapitel des Buches Genesis wird berichtet, wie er in drei vorbeikommenden Wanderern dem Herrn begegnete.“1 Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. 2 Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder 3 und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! 4 Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. 5 Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen.“

Das frühe Christentum mahnt vor diesem Vorbild eindringlich zur Gastfreundschaft und das Mönchtum hat diese Botschaft sich ins Stammbuch geschrieben. Benedikt schreibt in seiner Regel ein ganzes Kapitel (RB 53) zu diesem Thema. Es beginnt: „Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: ‚Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.’ Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern“ (RB 53,1f). So, wie sich die klösterliche Gastfreundschaft entwickelt hat, sind es heute weitgehend nicht mehr die Fußpilger auf dem Weg zu einem konkreten Wallfahrtsort, die um Herberge anklopfen. Heute sind es eher Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg, die Einkehr suchen und sich im Kloster der ganz persönlichen Sinnfrage stellen wollen. Aber auch sie sind – in aller Schlichtheit gesagt – Pilger in der Tradition der „alten“ Pilger.

... und die „alten“ Pilger sind durchaus nicht ausgestorben. Sie alle sind willkommen in der Pilgerherberge Kloster.

PS: Pilgerherberge Kornelimünster konkret:

  • Zwar schaffen wir es im allgemeinen, auch bei gut belegtem Haus ein Quartier für einen überraschend anklopfenden Pilger zu finden, aber eine Voranmeldung – und sei sie nur einen Tag oder gar einige Stunden vor der Ankunft – entspannt die Organisation auf unserer Seite. Unsere Telefon-Nr. ist: 02408 / 3055.

  • Die optimale Zeitgrenze für die Ankunft ist 17:00 Uhr. Um 18:00 feiern wir montags bis freitags die Vesper und die Messe, am Samstag feiern wir um 17:30 die Vesper. Wenn Sie bis 17:00 ankommen, bleibt noch ein genügender Zeitraum für die „technische“ Einführung in die Abläufe des Hauses, soweit sie für den Gast wichtig sind. Ab 17:45 (bzw. samstags 17:15)  ist unsere Pforte nicht mehr besetzt. Zwischen 18:00 – 19:00 (samstags 17:30-18:15) ist es uns wegen des Gottesdienstes nicht möglich, Sie zu empfangen. Falls Sie unterwegs absehen, dass Sie es bis 17:00 nicht bis Kornelimünster schaffen, rufen Sie uns, bitte, an, damit wir etwas über den Empfang vereinbaren können.

  • Für Abendessen, Übernachtung und Frühstück kalkulieren wir für Pilger € 30. Im Einzelfall kann man sicher über den Preis reden, aber haben Sie einfach Verständnis dafür, dass auch wir nüchtern und hart kalkulieren müssen.

  • vgl. Text "Fest des hl. Jakobus"

Abt Albert Altenähr OSB
040512


Rheinischer Pilgerweg

Bilder: (1) Santiago-Pilger, Steinplastik, Belloc -- (2) Pilgerin, Detail der Korneliusplastik in der Propsteikirche Kornelimünster, 14. Jhd. -- Bei beiden Plastiken ist charakteristisch der Pilgerhut und die Pilgermuschel. Bei der modernen Plastik trägt der Pilger die Muschel als großen Anhänger auf der Brust. Die Pilgerin hat sie an ihren Hut gesteckt.  Die Kornelimünsteraner Pilgerin hat als weiteres Pilgeraccessoir die Wasserflasche. -- (3)  Pilgermuschel an unserer Abteikirche (Parkplatz-Seite)

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