|
San Benedetto in Piscinula
Eine Benedikts-Oase in Trastevere
Wenn
der Besucher Roms vom Getto und der Synagoge über den Ponte Fabricio –
die älteste Brücke Roms (62 v. Chr.) -, die Tiberinsel und den Ponte
Cestio nach Trastevere hinübergeht, stößt er unmittelbar auf das
Kirchlein San Benedetto in Piscinula. Es duckt sich zwischen die Häuser,
als wolle es sich verstecken und gar nicht „groß“ werden oder zumindest
nicht groß herauskommen.
Natürlich kennen die
Benediktiner die kleine Kirche, die ihrem Ordensgründer gewidmet ist,
aber auch sie besuchen sie nicht oft. Sie gehört halt nicht zu den
„großen“ Dingen Roms, deren es so unendlich viele gibt. Im späten 17.
Jahrhundert war das Kirchlein auch in benediktinischer Obhut und nebenan
wurde ein Kolleg S. Anselmo gegründet, dessen Name sich heute mit dem
Studienkolleg des Ordens auf dem Aventin deckt, aber durchaus nicht mit
ihm verwechselt werden darf. Eine darüber hinausgehende benediktinische
Geschichte des Kirchleins ist mir nicht bekannt. Seit 2003 ist die
Kirche den „Herolden des Evangeliums“ anvertraut, einer geistlichen
Bewegung, die ihren Ursprung in Brasilien hat. Die Gruppe hat in den
letzten Jahren das Kirchlein hervorragend renoviert.
Die Bescheidenheit der
kleinen Kirche lohnt, aus dem Versteck geholt zu werden. Ihre antiken
Fundamente sollen zum römischen Stadthaus der Anicier gehört haben. Und
diesem Geschlecht ordnet die legendäre Überlieferung den heiligen
Benedikt zu. Und weiter weiß die Lokallegende, dass Benedikt, als er von
Nursia zur Ausbildung nach Rom geschickt wurde, im Haus seiner Familie
gewohnt habe. Eine enge Mauernische wird seit je als „Zelle“ des
Heiligen gezeigt. Nichts von dem lässt sich beweisen, aber im Laufe der
Zeiten gewinnen Legenden ihr eigenes Gewicht und eigene Würde. In der
Vita Benedikts spricht Gregor der Große vom Aufenthalt Benedikts in Rom.
Und warum soll man diesen Aufenthalt nicht hier „festmachen“?

Das Kirchlein lohnt aber
auch einen achtsamen Blick des nicht-benediktinischen Rombesuchers. Es
hat den kleinsten romanischen Kirchturm Roms mit den ältesten Glocken
der Stadt. Sie sind aus dem Jahr 1069. Das Mauerwerk und einige
Kapitelle der Kirche weisen auf einen Vorgängerbau aus dem achten
Jahrhundert hin. Nach der Plünderung und weitgehenden Zerstörung Roms
durch den Normannenherzog Robert Guiscard (1084) – im Zusammenhang der
Auseinadersetzungen Kaiser Heinrichs IV. mit Papst Gregor VII. – ist die
alte Kirche wiederaufgebaut worden. Das Innere der Kirche überrascht mit
einem Kosmatenfußboden aus dem 12. Jahrhundert und Trennsäulen zu den
Seitenschiffen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Links vom
Eingang ist eine kleine Seitenkapelle mit einem Madonnenfresko aus dem
14. Jahrhundert. Diese Kapelle mit dem Altarbild der „Madonna della
Misericordia“ ist hoch verehrt, weil sie der Ort des Gebetes des hl.
Benedikt gewesen sein soll. Und die problemlose Zeitreise-Möglichkeit
der Legende will wissen, dass er genau vor diesem Madonnenbild gebetet
habe.
San Benedetto in
Piscinula ist ein Ort, der nicht zum „Muss“ des Romturisten gehört. Aber
gerade deswegen kann er für den Rombesucher eine Oase des Innehaltens
auf seinen Wegen werden.
P. Albert Altenähr
OSB
090708
|