|
Unser Selbstverständnis
als Mönche von Kornelimünster
1. Wer wir sind
Wir sind eine kleine Gemeinschaft von acht Mönchen in der
benediktinischen Tradition der Kongregation von Subiaco. Diese Kongregation ist
ein Verbund von mehr als 60 Benediktinerklöstern auf
allen Kontinenten. Die Zugehörigkeit zu diesem internationalen
Verbund weitet unseren Blick über unseren
eigenen Erfahrungshorizont hinaus.
Wir sind Mönche. Das
charakterisiert uns im Unterschied zu anderen Ordensleuten vom
historischen Alter her und wohl auch von der Gründungsabsicht. Mönche
suchen in erster Linie eine Lebensform, weniger ein besonderes
Aufgabenfeld. Die gesuchte Lebensform war die christliche, wie sie in
der Apostelgeschichte für die frühe Christengemeinde dargestellt wird.
Das "apostolische Leben" ist in diesem Sinn die Lebensform in den
Gemeinden, die die Apostel gegründet hatten.
Benedikt hat im Abendland
nicht das eremitische, sondern das gemeinschaftliche Mönchsideal - unter
Regel und Abt aufgenommen. Die Gemeinschaft der Brüder ist dem einzelnen
Hilfe und Stärkung auf dem Weg zu Gott (RB 1).
Durch
das Kloster Subiaco, der ersten Gründung des hl. Benedikt, fühlen wir
uns dem Geist des benediktinischen Ursprungs verpflichtet.
Wir leben an einem konkreten Ort, Kornelimünster. Seine
Geschichte und Tradition prägen uns und werden von uns mit geprägt.
Wir haben als einzelne eine gemeinsame geistliche Basis
in Evangelium, Regel und unserer Erfahrung.
Wir suchen Gott (RB 58) und erfahren uns als eine
suchende Gemeinschaft. Wir erleben dieses Suchen als einen fortwährenden
Entwicklungsprozess, - wie sich auch die Regel Benedikts aus seinen
Erfahrungen entwickelt hat.
In der
Regel Benedikts finden wir den Grundduktus unseres Lebens. Wir
unterscheiden in ihr die grundlegend gültige Regel und konkrete
zeitbedingte Regelungen des monastischen Lebens.
2. Warum es uns hier gibt
Unser
Kloster geht zurück auf die Gründung Benedikts von Aniane vor fast 1200
Jahren und auf die Neugründung von der niederländischen Abtei Merkelbeek
her nach der Kulturkampfzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
3. Was
wir wollen
Die Freude an Gott ist unsere Kraft (Neh 8,5); der Herr
ist unser Lied und unsere Stärke (Ps 118). Wir wollen in einer und als
eine Gemeinschaft von Brüdern Gott suchen und dieser Freude Ausdruck
geben.
Wir wollen so den Ruf Jesu "Kommt und seht!" (Joh 1,39)
einladend in die Welt hinein leben.
Wir sind überzeugt, dass unser Dasein als Mönche die
Grundform unserer monastischen Pastoral ist. Dies prägt unsere eigene
Art der Gastfreundschaft. Uns ist es wichtig, dass wir unseren Gästen
viele Möglichkeiten zum Kontakt mit uns Mönchen geben, sei es
ungezwungen bei einer Begegnung zwischendurch, bei der Erfahrung des
gemeinsamen Gebets, in Gesprächen, bei Einkehrtagen und Exerzitien. So
geben wir unseren Gästen sehr viel Anteil an unserem Leben als Mönche und
Zeugnis von gelebtem Christsein.
Wir glauben, dass der Mensch zu
sich selbst findet, wenn er ein ganzes JA zur Erde und ein ganzes JA zu Gott spricht. In
dieser positiven Spannung findet der Mensch seine Selbstverwirklichung. Gebet und Arbeit
- das benediktinische
»ora et labora« - sind in diesem Sinn die Pole unseres
Selbstverständnisses als Christen und Benediktiner.
»Gebet«
ist für uns die innere Grundausrichtung, Gott in unserem Leben zu Wort
kommen zu lassen.
»Gebet« ist darum mehr ein Hören und Fragen, was Gott für unser Leben sagen
will, als eine Anhäufung menschlicher Worte. Auch das Gebet in der Gemeinschaft - das
Chorgebet z. B. - ist vor allem ein Sich-Hineinhören in Gott. Die Regel
Benedikts beginnt mit den Worten:
»Höre,
mein Sohn, und neige das Ohr deines Herzens«
(Prolog 1).
»Arbeit«
ist für uns das ganze Feld der Durchdringung der Welt mit Gott. Es ist
Handwerk, aber auch Kopfarbeit. Es ist das Mühen um den materiellen
Unterhalt, aber auch die unbezahlbare Begegnung mit den Menschen. Ob
Schreinerei, Küche, Garten oder Beichtstuhl, Sprechzimmer, Schreibtisch,
ob der Psalmengesang im Chorgestühl oder das Surren der Maschinen ...
jede klösterliche
»Werkstatt«
ist eine
»Wirkstatt«
Gottes.
4. Woran wir uns orientieren,
wovon wir
uns inspirieren
und für unser gemeinsames Handeln motivieren lassen
Wir orientieren uns an der Heiligen Schrift und an der
Regel Benedikts.
Das Zeugnis des Lebens Jesu, der ersten Christen und des
hl. Benedikt, der alten Mönchsväter, des Abtes und der Brüder gibt uns
konkrete Maßstäbe für unser Leben.
Die Zeichen der Zeit sind uns Herausforderungen für
unseren Glauben. In offenem Dialog wollen wir in der Welt, doch nicht
von dieser Welt leben.
Die Verheißungen Gottes, die wir in den Bildern der
Heiligen Schrift finden, ermutigen und stärken uns.
Die Liturgie und das private Gebet bildet das Rückgrat
unseres Tages.
5. Wie wir leben
und miteinander umgehen
Wir leben als Gemeinschaft im Rhythmus der liturgischen
Tagzeiten, persönlichen Gebetes und geistlicher Lesung sowie im Rhythmus
unserer jeweiligen Aufgaben. Über die Ausfüllung des Tages ist der
einzelne nicht nur sich selbst, sondern auch dem Abt und den Mitbrüdern,
sowie [- wenn auch in anderer Weise -] den Menschen außerhalb des
Klosters ehrliche Rechenschaft schuldig.
Der Austausch untereinander auf den verschiedensten
thematischen und persönlichen Ebenen zwischen Einzelnen und in der
Gemeinschaft ist Voraussetzung für gelingendes Gemeinschaftsleben. Darum
bemühen wir uns z.B. in wöchentlichen Konventgesprächen und in der
täglichen Rekreation.
Neben der Leitungsverantwortung des Abtes ist auch jeder
einzelne in die Mitverantwortung für das Ganze gefordert (vgl. RB 3)
Gelingende Gemeinschaft ist eine stets neue Aufgabe. Wir
wissen um den Spannungsbogen unserer Verschiedenheiten, der auch zu
konkreten Spannungen und Konflikten führen kann. Mut und Demut zur
Versöhnung erfahren wir als eine Herausforderung des Gemeinschaftslebens
(vgl. Kol 3,13).
6. Was
wir "tun"
bzw. wofür wir uns in Kirche und Gesellschaft engagieren
(Sendung und Auftrag an der Schwelle des 3. Jahrtausends)
Wir sind ein "Kloster am Rande der Stadt" (Silja Walter),
das in einer Welt, für die Gott mehr und mehr ein Fremder ist, auf ihn
wartet und die Tür für ihn offen hält.
Als grundlegenden Dienst für unser Bistum, für Freunde
und Bekannte, letztlich für die ganze Welt verstehen wir unser Gebet.
Wir
glauben und wollen den Menschen davon Zeugnis geben, dass gelebter Glaube
eine Antwort auf die Werte- und Sinnfrage der Zeit ist.
Als monastische Gemeinschaft haben wir einen wichtigen
Auftrag im Dienst an den Menschen, die zu uns kommen. Nach RB 53 sollen
wir sie wie Christus aufnehmen
Wir
wollen eine "Oase" sein, in der Suchende sich ihren Fragen in einem Raum
der Stille stellen können.
Wir wollen Menschen in ihrem Suchen begleiten und zur
Entschiedenheit ermutigen.
Wir wollen aus dem Evangelium heraus aufscheinen lassen,
dass Gemeinschaft eine Kraftquelle ist (vgl. RB 1).
Die Charismen und Gaben der einzelnen Mitbrüder prägen
unsere Gemeinschaft. Die Gemeinschaft gibt Raum für ein weit gestreutes
Engagement der Einzelnen in Kirche und Gesellschaft. Als Gemeinschaft
tragen wir dieses Engagement mit und nehmen Anteil daran.
7.
Was uns trägt
Wir haben keine Patentrezepte für unser Leben und das der
anderen. Aber wir glauben an die Kraft Jesu, der der Weg, die
Wahrheit und das Leben ist.
|